Kernpunkte Dezember 2007
Berner Grosser Rat fordert Weiterbetrieb von Mühleberg
Der Berner Grosse Rat hat am 21. November 2007 – gegen den Willen der mehrheitlich rotgrünen Kantonsregierung – einen Vorstoss für den unbefristeten Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Mühleberg mit deutlicher Mehrheit angenommen. Er verpflichtet die Berner Regierung, sich beim Bundesrat für die Aufhebung der Befristung der Betriebsbewilligung einzusetzen und ihre Vernehmlassungsantwort an die Bundesbehörden dem Grossen Rat zur Stellungnahme zu unterbreiten. Mühleberg verfügt als einziges Kernkraftwerk der Schweiz über keine unbefristete Betriebsbewilligung.
Sicherer Weiterbetrieb von Mühleberg gewährleistet
Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) ist bei der Beurteilung der periodischen Sicherheitsüberprüfung des Kernkraftwerks Mühleberg zum Ergebnis gekommen, dass ein hohes Mass an technischer und organisatorischer Sicherheitsvorsorge vorhanden ist. Die Anlage sei während der vergangenen 15 Jahre zuverlässig betrieben worden und die Voraussetzungen für den sicheren Weiterbetrieb seien erfüllt, hält die HSK fest.
Zürcher Regierung: neue Kernkraftwerke unumgänglich
Um genügend Kapazitäten für die Stromerzeugung im Inland bereitstellen zu können, sind zumindest die altershalber stillzulegenden Kernkraftwerke durch neue Grosskraftwerke zu ersetzen. Dies zeigt der am 3. Dezember 2007 vorgestellte Energieplanungsbericht 2006 des Kantons Zürich. Die ab etwa dem Jahr 2020 entstehende Stromversorgungslücke könne nicht vollständig durch mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien kompensiert werden, sagte Baudirektor Markus Kägi. Da Gaskraftwerke einen Rückschritt in der Klimapolitik bedeuten und wie beim Stromimport die unmittelbare Auslandsabhängigkeit erhöhen, kommt Kägi zum Schluss: «Nach Abwägung dieser Rahmenbedingungen sehe ich als Energieminister des Kantons Zürich derzeit keine Alternative zum Bau neuer Kernkraftwerke.»
Axpo und BKW planen gemeinsam KKW-Ersatz
Die beiden Stromversorger Axpo Holding AG und BKW FMB Energie AG haben am 13. Dezember 2007 die Gründung einer Planungsgesellschaft bekannt gegeben: Die Resun AG mit Sitz in Aarau soll bis Ende 2008 Rahmenbewilligungsgesuche für zwei Kernkraftwerke in der Schweiz vorbereiten. Diese sollen ab 2020 die vom Netz gehenden Kernkraftwerke Mühleberg und Beznau ersetzen. Die Atel führt derzeit Gespräche über eine mögliche Beteiligung an der Planungsgesellschaft.
IEA empfiehlt mehr Tempo bei Bewilligungsverfahren
Die Internationale Energieagentur (IEA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die jüngsten Ergebnisse ihrer alle vier Jahre durchgeführten Tiefenprüfung der schweizerischen Energiepolitik vorgestellt. Die IEA warnt, dass die absehbare Stromversorgungslücke mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien allein nicht geschlossen werden kann und begrüsst die Kernenergienutzung in der Schweiz. Sie empfiehlt unter anderem, die im internationalen Vergleich sehr langen Bewilligungsverfahren für den Bau von Kernkraftwerken und Endlager im Rahmen des gesetzlich Möglichen zu beschleunigen.
Deutsche Kinderkrebsstudie liefert keine neuen Erkenntnisse
Eine vom deutschen Bundesumweltministerium finanzierte Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters an der Universität Mainz hat eine frühere Untersuchung überprüft und erneut ein erhöhtes Auftreten von Leukämieerkrankungen bei Kleinkindern im Umkreis von Kernkraftwerken festgestellt. Allerdings handelt es sich statistisch um nur 0,8 Erkrankungen pro Jahr in ganz Deutschland, womit das Ergebnis der Studie nach Auffassung der Autoren wegen der sehr geringen Zahl von Fällen wenig aussagekräftig ist. Zudem können über das Vorhandensein anderer Risikofaktoren wie dem Lebensstil in der Familie (z.B. Passivrauchbelastung) keine Angaben gemacht werden. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass nach heutigem Wissensstand die Strahlung aus den Kernkraftwerken als Ursache der Erkrankungen nicht in Betracht komme, da sie viel zu gering ist.
Frankreich: Baustart für neues Kernkraftwerk
Am 3. Dezember 2007 haben die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk Flamanville-3 in der Normandie offiziell begonnen. Wie die Bauherrin Electricité de France mitteilte, wurde mit dem ersten Beton ein Teil der Fundamentplatte für den zukünftigen Reaktor gegossen. Die Vorarbeiten für den auf 3,6 Milliarden Euro (6,0 Milliarden Franken) veranschlagten Bau hatten im August 2006 begonnen. Die Inbetriebnahme ist für 2012 vorgesehen. Es handelt sich um den weltweit zweiten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR); der erste befindet sich gegenwärtig in Finnland in Bau. Am Standort Flamanville stehen bereits zwei Kernkraftwerke in Betrieb.
Areva baut zwei EPR in China
Die französische Areva-Gruppe wird in Südchina zwei Europäische Druckwasserreaktoren (EPR) bauen. Der Gesamtbetrag für den Bau und die Lieferung der ersten Brennstoffladung beläuft sich auf 8 Milliarden Euro (rund 13 Milliarden Franken). «Dies ist der grösste internationale Handelsvertrag, den die französische Nuklearindustrie je abgeschlossen hat», unterstrich Areva-Direktionspräsidentin Anne Lauvergeon anlässlich der Vertragsunterzeichnung am 26. November 2007. Die beiden Werke sollen den Betrieb in den Jahren 2013 und 2014 aufnehmen.
Kasachstan will Kernkraftwerk bauen
In Kasachstan soll ein Kernkraftwerk gebaut werden. Dies gab der kasachische Premierminister, Karim Masimow, am 22. November 2007 in Aktau bekannt. Er beauftragte den kasachischen Minister für Energie und Bodenschätze, eine Resolution für den Bau eines Kernkraftwerks in der Region Mangistau im Westen Kasachstans vorzubereiten. Noch nicht abgeschlossen sind die Kooperationsverhandlungen mit Russland, und auch die Finanzierung muss noch geregelt werden. Die Inbetriebnahme des Werks mit zwei Einheiten ist in den Jahren 2015 und 2016 vorgesehen.
Oberirdisches Endlager in Litauen
Am 27. November 2007 hat die litauische Regierung grünes Licht für ein oberirdisches Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Stabatiske in der Gemeinde Visagina in der Nähe des bestehenden Kernkraftwerks Ignalina gegeben. Baubeginn ist 2012. 2015 soll das 40 Hektar grosse Endlager in Betrieb gehen.
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