Kernpunkte Januar 2007
Bundesrat Leuenberger schliesst den Bau neuer KKW nicht aus
Um die längerfristige Sicherung der Energieversorgung zu gewährleisten, muss die Option Kernenergie off en bleiben. Dies erklärte Bundesrat Moritz Leuenberger Ende Dezember 2006 in der Sonntagspresse und am 16. Januar 2007 in Pfäffikon (Schwyz) anlässlich des Schweizerischen Stromkongresses. «Die Option Kernkraft können wir nicht ausschliessen; wir müssen sie offen halten», betonte Leuenberger. Die klimapolitischen Vorteile der Kernkraft dürfe man nicht übersehen. Gleichzeitig rief er die Hürden in Erinnerung, die dem Bau eines neuen Kernkraftwerks im Wege stehen und verteidigte die langen Bewilligungsfristen. Leuenberger plädierte für eine «Kumulationsstrategie», die alle energie- und klimapolitischen Möglichkeiten berücksichtigt und deren gegenseitige Blockierung verhindert.
Die Schweiz braucht zwei neue Kernkraftwerke
Laut Giovanni Leonardi, CEO von Atel, können die bestehenden Kraftwerke die Nachfrage in Spitzenzeiten nur knapp und bald gar nicht mehr decken. In einem Interview in der «SonntagsZeitung» vom 10. Dezember 2006 legte er dar, dass die Schweiz zur langfristigen ökologischen und ökonomischen Deckung der drohenden Stromlücke mindestens zwei neue Kernkraftwerke brauche, und zwar am ehesten an bisherigen Standorten. Die Atel sei daran, ein solches Projekt ernsthaft zu prüfen. Vor einer Investition müssten jedoch die Rahmenbedingungen angepasst werden, sagte Leonardi. Dazu gehöre eine straffe Führung des Bewilligungsverfahrens. Die Vorstellung des zuständigen Bundesamts für Energie, dass das Verfahren von der Eingabe bis zum Baubeginn 25 Jahre dauern müsse, sei absurd. Seiner Meinung nach könnte ein neues Kernkraftwerk auch mit einer Volksabstimmung in 15 Jahren ans Netz gehen. Die Baukosten schätzt er auf 3 bis 4 Mrd. Franken.
Sachplan «Geologische Tiefenlager» in Anhörung
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat die Anhörung zum Entwurf des Konzeptteils des Sachplans «Geologische Tiefenlager» eröffnet. Sie dauert vom 15. Januar bis 20. April 2007. Im Entwurf wird das Auswahlverfahren für Standorte zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle geregelt. Mit der Anhörung will das Uvek sicherstellen, dass die Pläne landesweit bekannt gemacht werden und die Bevölkerung mitwirken kann. Über den Konzeptteil sollte der Bundesrat diesen Sommer befinden.
Sicherer Betrieb der schweizerischen Kernanlagen im Jahr 2006
Die schweizerischen Kernanlagen sind im vergangenen Jahr wiederum auf einem hohen Sicherheitsniveau betrieben worden und befinden sich in einem guten Zustand. Dies hält die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) in ihrem Rückblick auf das Jahr 2006 fest. In den fünf Kernkraftwerken hat die HSK gemäss ihren Richtlinien insgesamt neun Vorkommnisse klassiert (Vorjahr: 14). Diese lagen alle unterhalb der international gebräuchlichen, siebenstufigen Störfallbewertungsskala für Kernanlagen (Ines), da sie ohne Bedeutung für die nukleare Sicherheit waren. Die Abgaben von radioaktiven Stoffen an die Umwelt lagen laut HSK auch im vergangenen Jahr weit unterhalb der in den Bewilligungen festgelegten Grenzwerte.
Vorzeitige Stilllegungen in der Slowakei und in Bulgarien …
Die Slowakei hat am 31. Dezember 2006 den ältesten von vier Reaktoren des Kernkraftwerks Bohunice endgültig abgeschaltet. Am gleichen Tag wurden auch die zwei bulgarischen Reaktorblöcke Kosloduj-3 und -4 vom Netz genommen. Die vorzeitigen Stilllegungen waren eine der Voraussetzungen, damit die beiden Länder der EU beitreten konnten. Die Slowakei ist seit 1. Mai 2004 EU-Mitglied, Bulgarien seit Anfang 2007.
… und planmässige Abschaltungen in Grossbritannien
Nach 40 Jahren sicherem Betrieb sind die vier ältesten Kernkraftwerke Grossbritanniens am 31. Dezember 2006 endgültig vom Netz genommen worden.
Kernenergie bedeutend für europäischen Energiemix
Die Europäische Kommission überlässt die Entscheidung über die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung jedem einzelnen Mitgliedstaat. In ihrem umfassenden Massnahmenpaket für eine neue energiepolitische Strategie, die am 10. Januar 2007 vorgestellt worden ist, hält sie Investitionen in neue Kernkraftwerke oder die Verlängerung der Betriebsdauer bestehender Anlagen für sinnvoll. So kann der erwartete Energiebedarf gedeckt und die Abhängigkeit Europas von Energieeinfuhren verkleinert werden. Die intensivere Kernenergienutzung könnte auch eine Möglichkeit zur Verringerung der CO2-Emissionen sein und eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen. Ein Ziel der EU-Strategie ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken.
Belgien: Ausstieg überdenken
Eine von der belgischen Regierung in Auftrag gegebene Studie schlägt vor, den im Januar 2003 beschlossenen Atomausstieg zu überdenken. Der Mitte November 2006 veröffentlichte Zwischenbericht «Belgium’s Energy Challenges Towards 2030» warnt, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie das Land sehr teuer zu stehen käme und die wirtschaftliche Stabilität gefährden würde. Auch hätten sich die Umstände, die zum belgischen Atomausstiegsgesetz geführt hatten, geändert. Die Notwendigkeit von Massnahmen gegen den Klimawandel sei offenkundiger und die Zeit der tiefen Energiepreise «höchstwahrscheinlich» vorbei. In Belgien sind zurzeit sieben Kernkraftwerke in Betrieb. Im Jahr 2005 betrug der Atomstromanteil rund 56 Prozent.
China: Westinghouse baut vier neue Kernkraftwerke
China hat sich beim Bau von vier weiteren Kernkraftwerken für einen fortgeschrittenen Druckwasserreaktor der Westinghouse Electric Company als Technologiebasis entschieden. Dies haben Mitte Dezember 2006 der amerikanische Energieminister Samuel Bodman und Ma Kai, chinesischer Reformplanungsminister, bekannt gegeben. Der Entscheid erfolgte nach langen Verhandlungen, da neben Westinghouse auch die französische Areva-Gruppe und die russische Atomstroiexport Offerten vorgelegt hatten. Westinghouse rechnet dank diesem Grossprojekt mit der Schaffung und Erhaltung von rund 5000 gut bezahlten Arbeitsplätzen in den USA.
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