Kernpunkte Oktober 2007
Rumänien nimmt neues Kernkraftwerk in Betrieb
Am 28. September 2007 hat Cernavoda-2 als zweites Kernkraftwerk in Rumänien den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Der in den 1980er-Jahren begonnene Bau war aus finanziellen Gründen bis 2001 eingestellt. Am gleichen Standort am Kanal zwischen der Donau und dem Schwarzen Meer steht seit 1996 ein baugleicher 655-Megawatt-Schwerwasserreaktor kanadischer Bauart in Betrieb. Mit Cernavoda-2 verdoppelt das Land seinen Atomstromanteil auf rund 18 Prozent. Die Vorbereitungsarbeiten für die Fertigstellung zweier weiterer Einheiten sind in Cernavoda bereits angelaufen. Als bisher jüngstes Kernkraftwerk in der heutigen Europäischen Union war 2002 das tschechische Kernkraftwerk Temelin-2 ans Netz gegangen.
USA: erste Gesuche für neues Kernkraftwerk …
Am 24. September 2007 haben die NRG Energy und die South Texas Project Nuclear Operation Company bei der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC) das erste Gesuch für eine kombinierte Bau- und Betriebsbewilligung für ein neues Kernkraftwerk eingereicht. Sie wollen am bestehenden Standort «South Texas Project» zwei weitere Einheiten bauen. Erstmals seit 29 Jahren wird damit die NRC um die Bewilligung für ein neues Kernkraftwerk in den USA ersucht. Die Gesuchsteller rechnen mit der Genehmigung und dem Baubeginn im Jahr 2010, so dass die neuen Einheiten im Jahr 2014 resp. 2015 den Betrieb aufnehmen könnten. Insgesamt werden in den nächsten drei Jahren rund 20 Gesuche für gut 30 Kernkraftwerkseinheiten erwartet.
… und für neue Uranmine eingereicht
Die amerikanische Energy Metals Corp. Will das Uranvorkommen Moore Ranch im Bundessstaat Wyoming abbauen. Sie hat Anfang Oktober 2007 ein entsprechendes Uranbergbaugesuch bei der Nuclear Regulatory Commission (NRC) eingereicht. Dies ist das erste solche Gesuch seit fast 20 Jahren. Für den NRC-Vorsitzenden ist dies ein weiteres Signal, dass den USA eine nukleare Renaissance bevorsteht.
Genug Uran für wachsende Nachfrage
Laut der im September 2007 vorgestellten Studie «The Global Nuclear Fuel Market: Supply and Demand 2007–2030» der von der Industrie getragenen World Nuclear Association könnte bis 2030 – je nach Szenario – der weltweite Bedarf an Uran um mehr als das Doppelte auf rund 150’000 Tonnen pro Jahr steigen. Aus der Studie geht hervor, dass mehr als ausreichend Uran vorhanden ist, um diesen Bedarf zu decken.
Bundesratsentscheid zum Sachplan «Geologische Tiefenlager» erneut verschoben
In seiner Eröffnungsansprache an einer internationalen Konferenz über die Entsorgung radioaktiver Abfälle Mitte Oktober 2007 in Bern betonte Bundesrat Moritz Leuenberger die Verantwortung der heutigen Generation bei der Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Entgegen früheren Aussagen stellte Leuenberger einen Entscheid zum Konzept Sachplan «Geologische Tiefenlager» erst für Anfang 2008 in Aussicht. Ursprünglich war von der zweiten Jahreshälfte 2006 die Rede gewesen, später vom Spätsommer 2007. Der Prozess bis zur endgültigen Standortwahl und bis zu einer allfälligen Abstimmung werde voraussichtlich sieben bis zehn Jahre in Anspruch nehmen, meinte Leuenberger.
Bundesrat strafft Kommissionen im Bereich der Kernenergie …
Der Bundesrat hat am 12. September 2007 die Auflösung von 54 ausserparlamentarischen Kommissionen per 1. Januar 2008 beschlossen. Im Bereich der Kernenergie wird die Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen (KSA) durch eine schlankere Kommission mit reduziertem Aufgabenbereich – die Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) – abgelöst sowie die Verwaltungskommissionen des Entsorgungsfonds für Kernkraftwerke und des Stilllegungsfonds für Kernanlagen zusammengeführt.
… und wählt neue Führungs- und Beratungsorgane
Der Bundesrat hat am 17. Oktober 2007 den Rat des Eidgenössischen Nuklear-Sicherheitsinspektorats (Ensi-Rat) und die Mitglieder der Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) für die Amtsperiode 2008 bis 2011 gewählt. Die KNS wird ab 2008 beratendes Organ des Bundesrats, des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation und des Ensi. Der Ensi-Rat nimmt seine Tätigkeit ebenfalls Anfang 2008 auf. Er trifft die Vorbereitungen für die Reorganisation der heutigen Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK). Die HSK wird per 2009 verselbständigt und unter der Bezeichnung Ensi in eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes überführt. Der sechsköpfige Ensi-Rat wird die Geschäftsleitung des Ensi wählen und die strategischen Ziele festlegen.
Französisches Hilfsangebot für neue Nutzer der Kernenergie
Am Uno-Klimagipfel vom 24. September 2007 in New York hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die weltweite Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 gefordert. Frankreich habe sich das Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoss bis 2050 um 75 Prozent zu verringern. Klimaschutz und Wirtschaftswachstum schliessen sich nicht aus, sagte Sarkozy. «Wir brauchen ein umweltschonendes Wirtschaftswachstum, das weniger Energie und Rohstoffe verbraucht.» Die CO2-armen Technologien seien vorhanden. Frankreich habe sich für die Kernenergie entschieden. «Wir wollen sie niemandem aufzwingen », versicherte Sarkozy, aber Frankreich sei bereit, jedes Land zu unterstützen, das ebenfalls auf Kernenergie setzen wolle.
Deutschland: Klimaziel nur mit Kernenergie realistisch
Im Rahmen einer neuen Initiative «Wirtschaft und Klimaschutz» hat der Bundesverband der Deutschen Industrie gemeinsam mit der Unternehmungsberatung McKinsey am 25. September 2007 die Studie «Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland» vorgestellt. Einen Abbau des CO2-Ausstosses bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990, wie es die Bundesregierung im August 2007 als Klimaziel festgelegt hat, sei nur unter Beibehaltung der Kernenergie wirtschaftlich realistisch, hält die Studie fest. Sonst würden die Kosten für die CO2-Vermeidung so hoch, dass viele Industrieunternehmen Deutschland verlassen und Arbeitsplätze «in Millionenhöhe» vernichtet würden.
EU: Roadmap für nachhaltige Kernenergie
Im Rahmen der EU-Technologieplattform für nachhaltige Kernenergie haben führende Vertreter der europäischen Wissenschaft und Industrie gemeinsame Empfehlungen für eine Forschungsagenda der kommenden Jahrzehnte formuliert. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die Erhaltung von Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit wie auch das Erreichen der CO2-Reduktionsziele es erfordern, dass der künftige EU-Strommix mindestens gleichviel Kernenergie enthält wie heute (gut 30 Prozent). Die vorgeschlagenen Forschungsthemen umfassen die weitere Optimierung der heutigen Kernkraftwerke, die Entwicklung fortgeschrittener Rezyklierungstechnologien zur Minimierung der Abfälle, die Inbetriebnahme zweier unterschiedlicher Schneller Brüter bis 2020 sowie die Inbetriebnahme eines Hochtemperaturreaktors, mit dem neben Strom auch alternative Treibstoffe produziert werden können.
Kernpunkte Oktober 2007 (PDF)