Kernpunkte September 2007
Axpo: Rahmenbewilligungsgesuch bis Ende 2008
Die Axpo will bis spätestens Ende 2008 beim Bund ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein Kernkraftwerk einreichen. Wie Axpo-Chef Heinz Karrer im Bulletin 9/2007 des Nuklearforums schreibt, kann eine zuverlässige und ökologisch sinnvolle Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen nur gesichert werden, wenn die Schweiz an einem breit abgestützten Strommix auf der Grundlage des Bewährten festhält. Dieser Mix umfasst auch die Neuen Energien, in die das Unternehmen viel Geld investiert, die aber die enorme Stromlücke in naher Zukunft nicht werden füllen können. Bei der Kernenergie steht der Ersatz der älteren Anlagen durch leistungsfähige Kraftwerke der modernsten Generation im Vordergrund. Zurzeit trifft die Axpo dafür technische, ökonomische und ökologische Abklärungen und sucht nach geeigneten Partnern für diese Ersatzkraftwerke. «Ein Schritt Richtung wettbewerbsfähige Schweiz von morgen», wie Karrer schreibt.
Radioaktivitätskarte für Basel
Ende August 2007 haben Spezialisten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz gemeinsame Radioaktivitätsmessübungen in der Region Basel durchgeführt. Dabei wurde die Radioaktivität am Boden von Helikoptern aus gemessen. Bei den Flügen wurden erwartungsgemäss keine erhöhten Messwerte festgestellt. Mit den Daten wurde eine Karte der natürlichen Strahlung in Basel und dem Dreiländereck erstellt. Diese erste Radioaktivitätskarte für eine Schweizer Grossstadt ist am 6. September 2007 publiziert worden. Sie ist auf der Website der Nationalen Alarmzentrale (www.naz.ch) abrufbar. Mit Hilfe solcher Karten können im Ereignisfall bereits geringe Abweichungen von der normalen Situation festgestellt werden.
Aargauer Grosser Rat für CO2-neutrale Stromproduktion
Die Aargauer Regierung wird beauftragt, dafür zu sorgen, dass im Kanton keine Grosskraftwerke auf der Basis von Erdgas oder Kohle bewilligt werden. Der Grosse Rat überwies am 4. September 2007 einen Auftrag der CVP-Fraktion mit 83 zu 34 Stimmen, wonach die Regierung die Erteilung einer Baubewilligung für ein solches Kraftwerk im Rahmen ihrer Kompetenzen zu verhindern hat.
Schleswig-Holstein: Atomausstieg erhöht CO2-Emissionen
Zwar möchte das nördlichste deutsche Bundesland Schleswig-Holstein dank neuer Windparks im Meer bis ins Jahr 2020 mehr Windstrom produzieren als es verbraucht. Gleichzeitig dürfte sich aber der CO2-Ausstoss aus der Stromproduktion verdreifachen. Dies geht aus einem Ende Juni 2007 veröffentlichen «Grünbuch» des Landes hervor. Der Grund liegt darin, dass zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit genügend konventionelle Kraftwerke bereitstehen müssen, um die witterungsbedingt starken Produktionsschwankungen der Windparks jederzeit auffangen zu können. Da mit dem deutschen Atomausstieg die drei Kernkraftwerke Schleswig-Holsteins vorzeitig stillgelegt werden sollen, wird das Land laut Grünbuch nicht darum herum kommen, die Windstromproduktion künftig mit CO2 ausstossenden Kohlekraftwerken abzustützen.
USA: Kernenergie als Teil der Lösung des CO2-Problems
Die volkswirtschaftlichen Kosten der CO2-Reduktion können mehr als halbiert und gleichzeitig der steigende amerikanische Strombedarf gedeckt werden – wenn die USA massiv in innovative Stromerzeugungstechnologien einschliesslich fortgeschrittener Reaktorsysteme investieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Electric Power Research Institute (EPRI) der amerikanischen Elektrizitätswirtschaft. Aufgrund einer Analyse der technischen und ökonomischen Möglichkeiten für eine substanzielle CO2-Reduktion kommt das EPRI zum Schluss, dass eine breite Palette unterschiedlichster fortgeschrittener Technologien zur Zielerreichung nötig sei. Als Meilensteine nennt das EPRI unter anderem die Inbetriebnahme von neuen Kernkraftwerken der dritten Generation ab 2015 und die kommerzielle Einführung eines ersten Reaktorsystems der vierten Generation ab Mitte der 2020er-Jahre.
Erweiterung der internationalen Kernenergie-Partnerschaft
Insgesamt 16 Staaten haben am 16. September 2007 die Grundsatzerklärung der «Global Nuclear Energy Partnership» (GNEP) unterzeichnet, mit der sie sich unter anderem zu einer intensiveren Zusammenarbeit verpflichten. Schwerpunkte sind die globale Ausweitung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken, die Weiterentwicklung der Kerntechnologie, die Umsetzung höchster Sicherheitsstandards sowie ein geschlossener Brennstoffkreislauf, der einen effizienteren Einsatz des Urans ermöglicht. Zu den fünf Gründungsmitgliedern – China, Frankreich, Japan, Russland und die USA – sind neu Australien, Bulgarien, Ghana, Ungarn, Jordanien, Kasachstan, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und die Ukraine gestossen.
Aufträge für Tschernobyl-Sanierung erteilt
Am 17. September 2007 hat das französische Konsortium Novarka den Auftrag für die Auslegung und den Bau einer neuen Einschlusshülle für den 1986 zerstörten Reaktor 4 in Tschernobyl erhalten. Weiter wird die amerikanische Holtec International das Zwischenlager für die bestrahlten Brennelemente aus den Blöcken 1–3 fertigstellen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London und die ukrainischen Behörden hatten zuvor die entsprechenden Abkommen zur Finanzierung dieser Sanierungsprojekte in Tschernobyl unterzeichnet. An der Finanzierung sind neben der EU weitere Länder – darunter die Schweiz – beteiligt.
China: Baustart für neues Kernkraftwerk
Erstmals wird im Nordosten Chinas ein Kernkraftwerk gebaut: Am 18. August 2007 ist am Standort Hongyanhe in einer feierlichen Zeremonie mit dem Giessen des Betons für die erste Einheit der Baubeginn gefeiert worden. In Hongyanhe, rund 450 km östlich von Peking in der Provinz Liaoning, sollen in einer ersten Phase bis 2014 vier Kernkraftwerkseinheiten gebaut werden. Zudem will China in den kommenden drei Jahren mit dem Bau von weiteren zwölf Einheiten beginnen. Zurzeit sind in China elf Kernkraftwerke in Betrieb, und vier bei Hongkong und Shanghai in Bau befindliche Anlagen werden bis 2010 ans Netz gehen.
Erstes KKW-Gesuch in Kanada seit 25 Jahren
Die kanadische Energy Alberta Corporation hat ein Gesuch zur Standortvorbereitung für den Bau eines Kernkraftwerks bei Peace River im Nordwesten der Provinz Alberta eingereicht. Unter anderem für den CO2-armen Abbau der dortigen Ölsande und -schiefer sollen in zwei Etappen insgesamt vier Candu-Schwerwasserreaktoren entstehen. Die ersten beiden Einheiten sollen 2017 in Betrieb gehen. Das ist das erste Gesuch für den Bau eines Kernkraftwerks in Alberta und seit 25 Jahren das erste für ein neues Kernkraftwerk in Kanada.
Brasilien will Kernenergie ausbauen
Das nationale Beratergremium für Energiepolitik schlägt der Regierung Brasiliens vor, in den nächsten acht Jahren bis zu acht neue Kernkraftwerke zu bauen. Das kurzfristige Ziel sei vier Neubauten innert fünf Jahren. Die Regierung hat zudem vorläufig umgerechnet 2,16 Milliarden Franken für die Fertigstellung des Kernkraftwerks Angra-3 budgetiert, das 2013 ans Netz gehen soll. Aus Geldmangel waren die Arbeiten Mitte der 1980er-Jahre unterbrochen worden. Der Bau ist zu 70 Prozent fertiggestellt. Am selben Standort an der südlichen Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro sind bereits die Anlagen Angra-1 und -2 in Betrieb. Der Atomstromanteil des Landes beträgt rund 3 Prozent.
Kernpunkte September 2007 (PDF)