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Kernpunkte August 2007

Nagra-Umfrage: Entsorgung zügig realisieren

Eine im Auftrag der Nagra durchgeführte Meinungsumfrage zeigt deutlich: Die nachhaltige Entsorgung radioaktiver Abfälle soll möglichst rasch und innerhalb der Schweizer Landesgrenzen gelöst werden. Diese Meinung vertreten 83% der über 1000 Befragten. Zudem glaubt eine Mehrheit der Schweizer (66%), dass die Wissenschafter sichere Entsorgungslösungen technisch umsetzen können – und dass bei der Wahl eines Lagerstandortes Sicherheitsüberlegungen oberste Priorität haben sollten (88%). Rund zwei Drittel (64%) der Antwortenden gaben an, ein Lager für radioaktive Abfälle in der Nähe ihres Wohnortes grundsätzlich zu akzeptieren. Ein Drittel davon (20%) würden sich keine Sorgen machen, die Übrigen hätten dabei ein eher ungutes Gefühl.

Europäische Investitionsbank finanziert Kernenergie

Mit dem am 10. Januar 2007 vorgestellten Vorschlagspaket «An Energy Policy for Europe» zur Bekämpfung der Klimaänderung und zur Verbesserung der Energieversorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU überlässt die Europäische Kommission die Entscheidung über die Nutzung der Kernenergie jedem ihrer 27 Mitgliedstaaten. Aus diesem Grund hat die Europäische Investitionsbank (EIB) nun entschieden, erneut Darlehen für kernenergierelevante Projekte zu gewähren. Sie vergibt Anleihen für den Bau neuer Kernkraftwerke, für Anlagen des Brennstoffkreislaufs und für entsprechende Forschungsvorhaben. Die Finanzierung von Energievorhaben gehört zu den vorrangigen strategischen Zielen der EIB.

Japan: begrenzte Schäden in Kernkraftwerk nach Erdbeben…

Das schwere Erdbeben vom 16. Juli 2007 vor der Westküste Japans hat in dem in der Nähe des Bebenherds gelegenen Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa zwar Schäden verursacht, doch blieb die Sicherheit der sieben Reaktoreinheiten jederzeit gewährleistet. Ein vor Ort gerufenes Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hat inzwischen entsprechende Angaben der japanischen Behörden bestätigt. Obschon die Erschütterungen deutlich stärker waren als die beim Bau der Anlage unterstellten möglichen Bebeneinwirkungen, erfolgten die Schnellabschaltungen wie für diesen Fall vorgesehen und alle Sicherheitssysteme funktionierten bestimmungsgemäss. In einem Reaktorgebäude flossen aus einem übergeschwappten Lagerbecken 1,2 Kubikmeter Wasser über eine undichte Kabeldurchführung ins Meer. Die dabei freigesetzte Menge radioaktiver Stoff e war äusserst gering und bildete keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt. Dasselbe gilt für ein Zwischenlager mit schwachradioaktiven Abfällen, wo einige hundert Fässer umstürzten. Fast alle der bisher festgestellten Schäden liegen ausserhalb der für die Reaktorsicherheit wichtigen Bereiche. So brach unter anderem in einem im Freien stehenden Transformator ein Ölbrand aus, bei dem dunkle Rauchschwaden aufstiegen.

…Wiederinbetriebnahme erst nach umfassenden Überprüfungen

Die sieben Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa werden voraussichtlich für längere Zeit ausser Betrieb bleiben. Die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power Co. (Tepco) geht davon aus, dass die Überprüfung aller Systeme, die Instandstellung und die Umsetzung allfälliger Nachrüstungen aufgrund einer seismischen Neubeurteilung des Standorts viele Monate dauern dürften. Engpässe in der Stromversorgung sind laut Tepco dann zu erwarten, wenn weitere Kraftwerke ausfallen sollten oder das Sommerwetter überdurchschnittlich heiss wird. Wie schon nach früheren schweren Erdbeben in Japan sollen auch diesmal die Grundlagen der Erdbebensicherheit von Kernanlagen landesweit überprüft werden.

Rumänien: Cernavoda-2 am Netz

Am 7. August 2007 hat das neue Kernkraftwerk Cernavoda-2 erstmals Strom ins rumänische Net z abgeben. Der kommerzielle Betrieb soll im September dieses Jahres aufgenommen werden. Bei der neuen Anlage handelt es sich um einen kanadischen Schwerwasserreaktor (Candu). Am selben Standort am Unterlauf der Donau steht bereits eine baugleiche Reaktoreinheit in Betrieb. Die Vorbereitungsarbeiten für die Fertigstellung der Einheiten 3 und 4 sind bereits aufgenommen worden.

Deutschland: Strommengenübertragung abgelehnt

Der deutsche Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat am 1. August 2007 – wie erwartet – die vom Energieunternehmen Vattenfall beantragte Übertragung von Strommengen auf das Kernkraftwerk Brunsbüttel definitiv abgelehnt. Vattenfall hatte im März 2007 beantragt, Reststrommengen aus dem Kontingent eines älteren, bereits stillgelegten Kernkraftwerks auf Brunsbüttel zu übertragen, um die Betriebszeit um rund zweieinhalb Jahre bis etwa Ende 2011 zu verlängern.

Neuer britischer Premier für Kernenergie

Der britische Premierminister Gordon Brown befürwortet wie sein Vorgänger Tony Blair den Bau neuer Kernkraftwerke. Am 4. Juli 2007 sprach er sich vor dem Parlament für eine neue Generation von Kernkraftwerken in Grossbritannien aus. Sein Land könne sich keine Energiepolitik leisten, die von wenigen Lieferländern abhänge. Er spielte damit auf Russland an, das im vergangenen Jahr in einem Streit der Ukraine das Gas abgedreht hatte.

Einigung im amerikanisch-indischen Nuklearabkommen

Die USA und Indien haben Mitte Juli 2007 nach fast zweijährigen zähen Verhandlungen über die Details der Nuklearkooperation einen Durchbruch erzielt. Das Abkommen, auch unter dem Namen «123 Agreement» bekannt, verschaff t beiden Ländern gegenseitigen Zugang zum zivilen Nuklearsektor. Die am 3. August 2007 von der amerikanischen Regierung veröffentlichte Vereinbarung sieht vor, dass das Abkommen mindestens 40 Jahre in Kraft bleiben soll. Es deckt die Bereiche Kernenergieforschung, zivile Kernkraftwerke und Kernbrennstoffzyklus sowie die Entwicklung strategischer Brennstoffreserven ab. Weiter darf natürliches oder schwach angereichertes Uran für Forschung und Kraftwerksbetrieb zwischen den beiden Ländern ausgetauscht werden. Sobald Indien alle Voraussetzungen erfüllt, kann Präsident George W. Bush das Abkommen dem bisher skeptischen Kongress zur Genehmigung vorlegen.

Argentinien: Startschuss für neues Kernkraftwerk

Der Regierung Argentiniens soll im April 2008 ein Vertrag zum Bau eines neuen Kernkraftwerks vorgelegt werden. Entsprechende Vertrags- und Lieferverhandlungen zwischen der Atomic Energy of Canada Ltd. und der Nucleoeléctrica Argentina S.A. haben Ende Juli 2007 begonnen. Der Entscheid für ein viertes argentinisches Kernkraftwerk basiert auf einer Machbarkeitsstudie, die im April 2007 abgeschlossen worden war. Bereits im August 2006 hatte die Regierung Argentiniens eröffnet, sie wolle den Kernenergiesektor reaktivieren und Atucha-2 als drittes Kernkraftwerk des Landes fertig stellen, die Urananreicherung wieder aufnehmen sowie den Bau eines vierten Kernkraftwerks einleiten. Die Regierung will hierfür in den kommenden sechs Jahren insgesamt umgerechnet 4,2 Milliarden Franken einsetzen. Barcelona wird Sitz der europäischen Fusionsagentur.

Kernpunkte August 2007 (PDF)



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