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Kernpunkte Juli 2007

FDP will rasch neues Kernkraftwerk bauen

Die Schweizer Elektrizitätswirtschaft soll unverzüglich mit der Projektierung eines neuen Kernkraftwerkes beginnen. Dies hat die Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz (FDP) an ihrer Delegiertenversammlung vom 30. Juni 2007 gefordert. Die Trennung zwischen Klima- und Energiepolitik sei künstlich, denn die beiden Bereiche seien zwei Seiten derselben Medaille, hält die FDP in ihrem Positionspapier «Intelligente Klimapolitik schafft Wachstum» fest. Sie strebt Versorgungssicherheit, Schonung der Ressourcen, Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz sowie Förderung der erneuerbaren Energien an.

Axpo verzichtet vorläufig auf Gaskombikraftwerke

Die Axpo stellt ihre Projekte für Gaskombikraftwerke in der Schweiz zurück, da die vom Bund geforderte CO2-Kompensation unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen nicht machbar sei. Der vom Parlament am 23. März 2007 genehmigte Bundesbeschluss über die Kompensationspflicht für Gaskombikraftwerke lege die Hürde für die Realisierbarkeit sehr hoch, schreibt die Axpo in ihrer Medienmitteilung vom 23. Juli 2007. Laut Bundesbeschluss müssen die CO2-Emissionen vollumfänglich kompensiert werden, wobei der Auslandsanteil höchstens 30 Prozent betragen darf. Damit erhöhe sich die Dringlichkeit des Ersatzes der Kernkraftwerke. Die Axpo arbeitet bereits an einem Vorprojekt zum Ersatz der nach 2020 abzuschaltenden Blöcke Beznau-1 und -2. Bis Ende 2008 will das Unternehmen die Grundlagen für ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues Kernkraftwerk ausgearbeitet haben.

KKW-Betreiber und Behörden überprüften Erdbebengefährdung

Die Schweizer Kernkraftwerke gehören zu den erdbebensichersten Bauten der Schweiz. Dennoch erweitern Betreiber und Aufsichtsbehörden laufend ihre Kenntnisse über die Erdbebengefährdung. Am 27. Juni 2007 hat die swissnuclear gemeinsam mit der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) und dem Schweizerischen Erdbebendienst die jüngste Analyse «Pegasos» vorgestellt. Diese bisher in Europa einzigartige Studie hatte zum Ziel, mit Hilfe der modernsten wissenschaftlichen Methoden die Auswirkungen von äusserst seltenen Beben abzuschätzen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von nur einmal in 10 Millionen Jahren auftreten. Aufgrund dieser Erkenntnisse hat die HSK festgelegt, dass Risikostudien künftig von verschärften Gefährdungsannahmen ausgehen müssen. Die Kernkraftwerksbetreiber ihrerseits haben in den letzten Jahren bereits weiter in die Erdbebensicherheit investiert und prüfen, welche zusätzlichen Konsequenzen sich aus den erweiterten Erdbebenkenntnissen für die bestehenden Anlagen ergeben. Unmittelbare Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb hat die Studie keine.

G8-Gipfel: Bedeutung der Kernenergie bekräftigt

Die Schlusserklärung vom 7. Juni 2007 des G8-Gipfels in Heiligendamm (Deutschland) hat die Haltung früherer G7- und G8-Gipfel zur Kernenergie bekräftigt: Sie trage weltweit zur Energieversorgungssicherheit bei, vermindere die Luftverschmutzung und helfe, das Klima zu schonen. In der Erklärung verpflichteten sich die acht Industrieländer, die Klimaänderung durch Treibhausgase zu bekämpfen und luden die Schwellenländer ein, das Gleiche zu tun. Noch vor dem Gipfel hatte China als das grösste Schwellenland ein eigenes Klimaschutzprogramm angekündigt. Es umfasst ebenfalls den Ausbau der Kernenergie.

Deutschland: dritter Energiegipfel

In Berlin hat am 3. Juli 2007 der dritte und abschliessende Energiegipfel der deutschen Bundesregierung stattgefunden. Vertreter der Wirtschaft und der Konsumentenverbände sowie Parlamentarier und Verantwortliche aus Bund und Ländern diskutierten darüber, wie die deutsche Energieversorgung für die nächsten Jahre gestaltet werden soll. Grundlage waren drei Energieszenarien, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt worden sind. In Bezug auf den Energiemix betonten die Vertreter der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie die Bedeutung der grundlastfähigen Energiequellen Kernenergie und Kohle für die deutsche Stromversorgung. Die Szenarien zeigten, dass eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke anspruchsvollere Klimaschutzziele erlaube, die Versorgungssicherheit stärke und sowohl die CO2-Vermeidungskosten als auch die Strompreise senke.

Belgien: Ausstieg überdenken

Eine von der belgischen Regierung in Auftrag gegebene Studie schlägt vor, den im Januar 2003 beschlossenen Atomausstieg zu überdenken. Der Mitte Juni 2007 veröffentlichte Bericht «Belgium’s Energy Challenges Towards 2030» empfiehlt, die Option Kernenergie offen zu halten und den geplanten Ausstieg zu überdenken. Ein Ausstieg aus der Kernenergie – und damit der Verzicht auf billige Grundlastenergie – werde die Strompreise in die Höhe treiben, warnt der Bericht. Zudem könne die Importabhängigkeit nicht verringert werden. In Belgien sind zurzeit sieben Kernkraftwerke in Betrieb. Im Jahr 2006 betrug der Atomstromanteil rund 55%.

Kanadisches Tiefenlager einen Schritt weiter

Kanada hat sich bei der Langzeitbewirtschaftung seiner abgebrannten Brennelemente für ein flexibles Vorgehen in mehreren Phasen entschieden. Dies hat die Regierung am 14. Juni 2007 bekannt gegeben. Das System wird schrittweise eingeführt mit dem Ziel, die Brennelemente unterirdisch in einer geeigneten Gesteinsformation zu lagern. Denkbar wäre zudem der Bau eines Zwischenlagers. Durch diesen Entscheid kann nun der Prozess für die Standortwahl eingeleitet werden.

Günstige Prognosen für die Kernenergie

Die Energy Information Administration (EIA) des amerikanischen Department of Energy (DOE) hat im Mai 2007 ihren «Energy Outlook 2007» veröffentlicht. Laut Bericht wird von 2004 bis 2030 der Energiekonsum weltweit um rund 60 Prozent steigen, der Stromverbrauch um 85 Prozent. Vor allem in Nicht-OECD-Ländern werde sich die Nachfrage nach Energie fast verdoppeln. Höhere Preise für fossile Energieträger, der Druck nach Versorgungssicherheit und weiterentwickelte Reaktortypen seien zusätzliche Gründe für die erwartete weltweite Zunahme der Kernenergie in den kommenden Jahrzehnten.

Barcelona wird Sitz der europäischen Fusionsagentur

Am 28. Juni 2007 ist der Sitz für das neue «Europäische Gemeinsame Unternehmen für den Iter und die Entwicklung der Fusionsenergie» – kurz «Fusion for Energy» – in Barcelona eingeweiht worden. Die Agentur koordiniert die Lieferung der für den Bau des Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktors (Iter) notwendigen Bauteile mit der Industrie und den Forschungsgesellschaften aus ganz Europa. Sie verfügt für die ersten zehn Jahre über ein Budget von umgerechnet rund 6,6 Milliarden Franken. «Fusion for Energy» hat zudem den Auftrag, den Bau des ersten Demonstrationsfusionskraftwerks vorzubereiten. Als Anschlussprojekt an den Iter soll diese Anlage zeigen, dass Stromproduktion in industriellem Massstab möglich ist.

Kernpunkte Juli 2007 (PDF)



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