Kernpunkte April 2007
Schweizer Stromverbrauch steigt weiter
Nach Angaben des Bundesamts für Energie (BFE) ist im Jahr 2006 der Stromverbrauch in der Schweiz verglichen mit dem Vorjahreswert um 0,8% auf den neuen Höchstwert von 62,1 Milliarden Kilowattstunden gestiegen – trotz des warmen vierten Quartals. Die Gründe dafür sieht das BFE im gestiegenen Bruttoinlandprodukt und in der Zunahme der Wohnbevölkerung. Die Schweizer Kernkraftwerke produzierten einen neuen Höchstwert von 26,2 Milliarden Kilowattstunden. Nach 2005 verbrauchte die Schweiz auch 2006 mehr Strom als sie produzierte.
BKW plant Mühleberg-Ersatz
Die BKW FMB Energie AG hofft auf eine unbefristete Betriebsbewilligung für ihr Kernkraftwerk Mühleberg und plant ein neues Kernkraftwerk als Ersatz des bestehenden – vorzugsweise am selben Standort. Damit soll die Produktionslücke gefüllt werden, die in Zukunft mit der Stilllegung Mühlebergs und dem Auslaufen der Bezugsrechte in den französischen Kernkraftwerken Fessenheim und Cattenom entstehen wird. Dies hat BKW-Direktionspräsident Kurt Rohrbach an der Jahresmedienkonferenz vom 29. März 2007 in Bern bekannt gegeben.
CO2-Reduktion wichtiger als «2000-Watt-Gesellschaft»
In der Schweiz nimmt jeder Einwohner durchschnittlich eine Leistung von rund 5000 Watt in Anspruch. Dazu kommen nochmals rund 4000 Watt sogenannte «graue Energie», die wir in Form von Gütern importieren. Diese Zahlen nannte das Paul Scherrer Institut (PSI) am 26. April 2007 an einer Medienkonferenz. Die Wissenschafter des PSI mahnten bei dieser Gelegenheit, mit dem Begriff «2000-Watt-Gesellschaft» vorsichtig umzugehen. Bezüglich Klimaschutz sei vor allem wichtig, aus welcher Quelle die Energie stamme. Das PSI geht davon aus, dass die Schweiz ihren Energieverbrauch sozialverträglich bis 2050 höchstens um 30% auf 3500 Watt drücken kann (ohne graue Energie). «Dass wir 2000 Watt pro Kopf nicht erreichen, ist aber für das Klima nicht entscheidend», schreibt das PSI. Es gehe vielmehr darum, möglichst rasch die CO2-Emissionen zu senken.
Stellungnahme des Nuklearforums zum Entwurf Sachplankonzept «Geologische Tiefenlager»
Im Rahmen der am 20. April 2007 abgeschlossenen Anhörung zum Entwurf Sachplankonzept «Geologische Tiefenlager» hat das Nuklearforum Schweiz folgende Stellungnahme abgegeben:
- Das Sachplanverfahren darf nicht auf die Abfälle aus den bestehenden Kernkraftwerken beschränkt werden, sondern muss dem Umstand Rechnung tragen, dass die vom Bundesrat Mitte Februar 2007 vorgestellte Energiepolitik den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz vorsieht. Eine Beschränkung wäre politisch irreführend.
- Das Verfahren bis zur Einreichung eines Rahmenbewilligungsgesuchs soll gestrafft werden. Die Dauer des Mitwirkungsverfahrens ist auf vier Jahre zu beschränken.
- Im Einklang mit dem neuen Kernenergiegesetz muss das Sachplankonzept unbedingt verhindern, dass ein einzelner Kanton die nationale Aufgabe der Standortwahl blockieren oder unverhältnismässig verzögern kann.
Baugenehmigung für Kernkraftwerk in der Normandie
Der EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) in Flamanville an der Kanalküste kann gebaut werden. Der dazu notwendige Erlass ist am 10. April 2007 von Premierminister Dominique de Villepin unterzeichnet worden. Die französische Regierung hob die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen des EPR hervor und wies darauf hin, dass beim Betrieb pro Kilowattstunde weniger radioaktive Abfälle anfallen. Die Bauzeit beträgt fünf Jahre. Die Inbetriebnahme ist für 2012 vorgesehen. Die Bauherrin Electricité de France schätzt die Investitionskosten auf umgerechnet rund 5,4 Milliarden Franken.
Grünes Licht für deutsches Endlager
Das ehemalige Eisenerzbergwerk «Schacht Konrad» in Salzgitter im Bundesland Niedersachsen kann zum ersten deutschen Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ausgebaut werden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 3. April 2007 die Beschwerden mehrerer Kläger abgewiesen. Damit ist ein jahrzehntelanger Rechtsstreit zu Ende gegangen. Für die hochradioaktiven Abfälle wird in Gorleben ein Salzstock auf die Eignung als Tiefenlager erkundet.
G7-Minister befürworten Kernenergie
Die Finanzminister der sieben grössten Industrieländer (G7) haben an ihrem Treffen in Washington D.C. im April 2007 erklärt, dass sie neben «sauberen» Kohlekraftwerken und erneuerbaren Energien auch die Kernenergie zu den fortschrittlichen Technologien zählen. Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der Klimaerwärmung spielten sie eine bedeutende Rolle für die zukünftige Energieversorgung.
USA: erfolgreiches Programm «Megatonnen zu Megawatt»
Im Rahmen des Programms «Megatonnen zu Megawatt» sind in den USA bereits 300 Tonnen hoch angereichertes Uran aus russischen militärischen Beständen für den zivilen Einsatz in Kernkraftwerken zurückverdünnt worden. Dies entspricht der Menge, die in rund 11’000 Sprengköpfen enthalten wäre. Das Programm beruht auf einem Abkommen von 1993 zwischen der amerikanischen und der russischen Regierung über die zivile Verwendung von 500 Tonnen hoch angereichertem Uran aus Russland.
Russland: Baubeginn für schwimmendes Kernkraftwerk
Mit der Kiellegung ist am 15. April 2007 in Russland der Baubeginn des weltweit ersten schwimmenden zivilen Kernkraftwerks gefeiert worden. Standort für Bau und Betrieb der Anlage «Academic Lomonosov» ist Sewerodwinsk in der Region Archangelsk am nördlichen Eismeer. Das Kernkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 70 Megawatt soll den Betrieb im Jahr 2010 aufnehmen. Die Anlage wird auf einem nicht motorisierten Schiff gebaut und befindet sich auf dem Gelände des Maschinenbauunternehmens Sewmach, Russlands grösster Werft für den Bau von Unterseebooten. Das Kernkraftwerk wird Sewmach selbst sowie die nahe liegende Stadt Sewerodwinsk mit Elektrizität und Fernwärme versorgen.
17. indisches Kernkraftwerk in Betrieb
Am 14. April 2007 wurde das indische Kernkraftwerk Kaiga-3 erstmals ans Netz gekoppelt. Damit sind in Indien insgesamt 17 Kernkraftwerke in Betrieb. Der dritte Block in Kaiga hat 202 Megawatt Leistung. An diesem Standort im Bundesstaat Karnataka im Südwesten des Landes stehen bereits zwei Einheiten in Betrieb und ein vierter Block ist im Bau.
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