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Kernpunkte November 2008 

Italien: Ausstieg aus dem Ausstieg

Der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, erklärte am 16. Oktober 2008 anlässlich des Jubiläums zum 50-jährigen Bestehen der Kernenergieagentur NEA, dass Italien noch vor 2013 mit dem Bau neuer Kernkraftwerke beginnen werde. Dazu müsse die Regierung als Erstes die juristischen, administrativen und technischen Voraussetzungen schaffen. Weiter bemerkte er, dass die Stilllegung aller italienischen Kernkraftwerke nach dem Referendum von 1987 ein «gewaltiger Fehler» gewesen sei und dem Land direkte und indirekte Kosten in der Höhe von umgerechnet 75 Milliarden Franken verursacht habe. Das langfristige Ziel sei, die Stromproduktion in Italien neu auf einen Mix aus 25% Kernenergie, 25% erneuerbaren Energien und 50% fossiler Energie auszurichten, so Scajola weiter. Derzeit ist Italien zu über 60% von mehrheitlich importiertem Erdgas abhängig.
 

Nagra schlägt Standortgebiete für Tiefenlager vor

Das Bundesamt für Energie (BFE) und die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) haben am 6. November 2008 die Standortregionen vorgestellt, die sich aufgrund ihrer Geologie für den Bau von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle eignen. Für das Lager für hochradioaktive Abfälle werden die Gebiete Zürcher Weinland, «Nördlich Lägeren» und Bözberg vorgeschlagen. Für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle kommen – neben den drei bereits genannten – die Gebiete Südranden, Jura-Südfuss sowie Wellenberg in Frage. Die Auswahl der Standortgebiete erfolgte ausschliesslich aufgrund der technisch-wissenschaftlichen Kriterien im Sachplan, den der Bundesrat am 2. April dieses Jahres verabschiedet hatte, unterstrich die Nagra. Dabei hatte das Gebot der Langzeitsicherheit immer oberste Priorität. Die weitergehende gesamtheitliche Beurteilung sei Aufgabe der Behörden und des Bundesrates. Bei der Präsentation der Standortregionen betonte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Nagra, Thomas Ernst, dass die Kantone, Gemeinden und die Bevölkerung in einem transparenten Verfahren in die kommende Entscheidungsfindung einbezogen werden. Es sei der Nagra ein Anliegen, ein offener Gesprächspartner für alle Interessierten zu sein. 1988 und 2006 hatte der Bundesrat die Entsorgungsnachweise für schwach- und mittelradioaktive sowie hochradioaktive Abfälle genehmigt und damit bestätigt, dass in der Schweiz geologische Tiefenlager für die Entsorgung dieser Abfälle grundsätzlich machbar sind. In den nächsten Jahren wird nun die Frage geklärt, wo diese Tiefenlager gebaut werden.
 

EU-Kommission begrüsst Ausbau der Kernenergie

Die Europäische Kommission hat am 13. November 2008 ein umfassendes Energiepaket verabschiedet, das die Energiesicherheit in Europa ins Zentrum stellt. Eine der vorgeschlagenen Schlüsselaktionen ist die Ankurbelung von Investitionen in eine effizientere CO2-arme Energieinfrastruktur. Das Energiepaket umfasst zudem Massnahmen im Bereich der Kernenergienutzung. Mit Blick auf die Versorgungssicherheit hält die Kommission Investitionen in neue Kernkraftwerke für sinnvoll und befürwortet die Verlängerung der Betriebsdauer bestehender Anlagen. Beim Bau neuer Reaktoren soll, so die Kommission, die modernste Technologie zum Einsatz kommen und somit die höchsten Standards der nuklearen Sicherheit eingehalten werden. Weiter sollen die gegenwärtig unterschiedlichen Genehmigungsauflagen und -verfahren in den Mitgliedstaaten angeglichen werden. Die Kommission betont nach wie vor, dass die Entscheidung über die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung jedem einzelnen Mitgliedstaat überlassen wird.
 

Kernkraftwerk Beznau: positive Ökobilanz

Strom aus dem Kernkraftwerk Beznau (KKB) gehört zu den klimafreundlichsten Energieformen in der Schweiz. Mit Treibhausgasemissionen von total 3,04 g CO2-Äquivalenten pro kWh liegt Beznau deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt der Strom- und Wärmeerzeugung von 24 g CO2 pro kWh. Dies bestätigt die Umweltdeklaration der Stromproduktion ab KKB, die gemäss dem internationalen ISO-Standard 14025 erarbeitet und zertifiziert worden ist. Das bald 40-jährige KKB der Axpo-Tochtergesellschaft Nordostschweizerische Kraftwerke (NOK) ist das erste Kraftwerk der Schweiz, für das eine solche Umweltdeklaration unter Berücksichtigung der gesamten Produktionskette vom Uranabbau bis und mit der zukünftigen Tiefenlagerung der Abfälle erarbeitet wurde. Es nimmt damit international eine Vorreiterrolle ein.
 

Russland beginnt mit Bau von Leningrad-II-1 …

Am 25. Oktober 2008 hat das russische Ingenieur- und Bauunternehmen Atomenergoproekt den ersten Beton für die Kernkraftwerkseinheit Leningrad-II-1 gegossen, das sich rund 80 km westlich von St. Petersburg befindet. Der Bau wird vorerst zwei Druckwasserreaktorblöcke umfassen, mit der Möglichkeit, dass vier weitere Einheiten dazukommen. Verwirklicht wird das Vorhaben im Rahmen des Zielprogramms 2007–2015 für die Entwicklung der russischen Kernenergieindustrie. Leningrad-II-1 wird voraussichtlich 2013 in Betrieb gehen. In der Nähe befindet sich das Kernkraftwerk Leningrad, das vier Blöcke mit je 1000 Megawatt umfasst. Diese Blöcke sollen zwischen 2019 und 2026 stillgelegt werden.
 

… und Slowakei setzt Bau von Mochovce-3 und -4 fort

Am 3. November 2008 wurde der Weiterbau der beiden Reaktorblöcke Mochovce-3 und -4 offiziell wieder aufgenommen. Anfangs der 1990er-Jahre mussten die Bauarbeiten aus Geldmangel unterbrochen werden. Die Inbetriebnahme des Blocks 3 ist für 2012 vorgesehen, Block 4 soll 2013 folgen. Zusammen werden sie eine Leistung von rund 810 Megawatt erbringen und so die Versorgungslücke füllen helfen, die sich nach der Abschaltung der beiden ältesten Reaktoren des Kernkraftwerks Bohunice (je 405 Megawatt) abzeichnet. Die Kosten für die Fertigstellung werden auf rund 2,8 Milliarden Euro (4,2 Milliarden Franken) geschätzt.
 

Experten bewerten Deutschen Kinderkrebsstudie

Die im Dezember 2007 vom deutschen Kinderkrebsregister publizierte Kinderkrebsstudie ist von einer Expertengruppe – der deutschen Strahlenschutzkommission – bewertet worden. Die Kinderkrebsstudie hatte ein erhöhtes Auftreten von Leukämieerkrankungen bei Kleinkindern im Umkreis von maximal fünf Kilometer von Kernkraftwerken festgestellt. Damit könne jedoch nicht generell auf eine erhöhte Rate von Leukämie in der Umgebung von Kernkraftwerken geschlossen werden, stellt die Expertengruppe in ihrer Stellungnahme vom Oktober 2008 fest. Das Design der Studie weise zahlreiche methodische Schwächen auf, so dass es vernünftiger gewesen wäre, die Studie in dieser Weise nicht durchzuführen, so die Experten. Sie bestätigen zudem, wie bereits die Autoren der Studie, dass nach heutigem Wissenstand die Strahlung aus Kernkraftwerken als Ursache der Erkrankungen nicht in Betracht komme, da sie viel zu gering sei. Um die vielen widersprüchlichen Befunde in der Literatur und auch das Ergebnis der deutschen Studie zu verstehen, sei eine weitergehende, interdisziplinäre Erforschung der Ursachen und Mechanismen der Entstehung von Leukämien im Kindesalter notwendig, schliessen die Experten ihre Bewertung. 

Kernpunkte November 2008 (PDF)



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