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Kernpunkte März 2008

Aktionspläne des Bundesrats mit Lücken

Am 20. Februar 2008 hat der Bundesrat seine vor Jahresfrist vorgestellte Energiepolitik konkretisiert und zwei Aktionspläne verabschiedet. Im Bereich der Stromversorgung will der Bundesrat den Anstieg des Stromverbrauchs zwischen 2010 und 2020 auf maximal 5% begrenzen. Zur Deckung des künftigen Strombedarfs will er das geltende Gewässerschutzgesetz ändern mit dem Ziel, «die noch vorhandenen Potenziale der Wasserkraft nachhaltig zu nutzen». Zudem will er prüfen, wie im Rahmen der Verhandlungen mit der EU «die Versorgungssicherheit der Schweiz durch eigene Kraftwerke und Übertragungsleitungen an geeigneten Standorten im Ausland verbessert werden kann». Gleichzeitig verzichtet der Bundesrat darauf, den von ihm auf 16 bis 18 Jahre geschätzten Zeitbedarf der Bewilligungsverfahren für neue Kernkraftwerke zu verkürzen. Dennoch bekräftigt die Landesregierung ihre im Februar 2007 vorgestellte Energiepolitik, die neben der Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien auch den Neubau von Grosskraftwerken fordert. Befremdet reagierten die schweizerischen Stromverbundunternehmen auf die Aktionspläne: «Mit Erstaunen hat Swisselectric zur Kenntnis genommen, dass die Landesregierung zu einer Säule – dem Bau von Kernkraftwerken und Gaskombikraftwerken – nur eine sehr lückenhafte Strategie und keinen Massnahmenplan vorlegt.»

Vertrauen in die Kernenergie nimmt zu

Gemäss einer neuen repräsentativen Umfrage zur Kernenergie anerkennt die Mehrheit (70,3%) der Befragten, dass die bestehenden Atomkraftwerke für die Stromversorgung in der Schweiz notwendig sind. Die Frage, ob sie persönlich für den Ersatz eines bestehenden Kernkraftwerks durch einen Typ neuester Generation sind, bejahen 52%. Die bestehenden Standorte würden dabei deutlich bevorzugt (72,9%). Der Hauptgrund für den Bau neuer Kernkraftwerke ist für die Befragten klar der steigende Stromverbrauch. Dennoch glauben 51,9%, dass in einer Abstimmung am nächsten Wochenende die Mehrheit des Schweizer Volkes Nein sagen würde; 40,3% glauben an ein Ja. Die im Auftrag von Swissnuclear durchgeführte Umfrage fand im Oktober 2007 bereits zum achten Mal statt; es wurden dafür 2212 Telefoninterviews in der ganzen Schweiz geführt. Der Vergleich mit den Resultaten der Vorjahre zeigt, dass sich die allgemeine Stimmung in der Schweizer Bevölkerung gegenüber der Kernenergie weiter positiv entwickelt hat.

Mühleberg-2: Information der Bevölkerung

Die BKW FMB Energie AG will das Kernkraftwerk Mühleberg-2 entweder in Mühleberg neben dem bestehenden Kernkraftwerk oder in der Runtigenau in Radelfingen – der nördlichen Nachbargemeinde des jetzigen Standorts – bauen. Anlässlich von Informationsveranstaltungen Anfang März 2008 stellte sie den Einwohnern beider Gemeinden ihr Vorhaben vor. Die BKW will sich noch dieses Jahr für den genauen Standort entscheiden. Das neue Werk soll eine Leistung von 1600 MW und einen Kühlturm anstelle der heutigen Flusskühlung haben und spätestens im Jahr 2030 den Betrieb aufnehmen. Der Gemeinderat von Mühleberg und die Mehrheit der Bevölkerung stehen nach Medienberichten hinter dem neuen Kernkraftwerk. Der Gemeindepräsident von Radelfingen wiederum hofft, dass die BKW die Anlage in seiner Gemeinde baut. «Die Steuerzahler würden vom Bau eines Kernkraftwerks in Radelfingen profitieren », erklärte er.

Atel kündigt Rahmenbewilligungsgesuch an

Die Atel will noch dieses Jahr beim Bund ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein Kernkraftwerk am bestehenden Standort Gösgen im solothurnischen Däniken einreichen. Dies hat das Unternehmen an seiner Jahresmedienkonferenz vom 12. März 2008 angekündigt. Um künftig eine sichere Stromversorgung ohne Auslandsabhängigkeit gewährleisten zu können, brauche die Schweiz zusammen mit Energieeffizienzmassnahmen und der Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien mindestens zwei neue Kernkraftwerke, erklärte Atel-CEO Giovanni Leonardi. Gaskombikraftwerke kommen laut Leonardi aufgrund der ungünstigen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen nicht als Lösung im grossen Stil zur Schliessung der Schweizer Stromlücke in Frage und Kohlekraftwerke seien für die Atel kein Thema.

ETH Zürich: primär CO2 reduzieren

Die ETH Zürich will dem Klimawandel mit Effizienzsteigerung, erneuerbarer Energie und Elektrifizierung entgegenwirken. Dies sind die Säulen der am 25. Februar 2008 publizierten Energiestrategie. Als zentrale Herausforderung will sie die durch den Energieverbrauch verursachten Treibhausgasemissionen schnell und umfassend senken. In der Schweiz werden pro Jahr und Einwohner für die Primärenergie rund 9 Tonnen CO2 freigesetzt – die importierte graue Energie nicht mitgerechnet. «Das klima- und energiepolitische Jahrhundertziel muss sein, dass im Durchschnitt jeder Bürger pro Jahr nicht mehr als 1 Tonne CO2 verursacht», erklärte Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, anlässlich der Präsentation der Energiestrategie. In einem Interview im St. Galler Tagblatt bezeichnete er einen allfälligen Ausstieg aus der Kernenergie als Fehler. «Die Nuklearenergie ist eine von vielen Möglichkeiten und hat wie jede Energieform ihre Vor- und Nachteile. Aber wir brauchen sie auch», so Eichler.

Finnland: Umweltbericht für sechstes Kernkraftwerk

Die finnische Energiegesellschaft Teollisuuden Voima Oyj (TVO) hat am 14. Februar 2008 beim finnischen Wirtschaftsministerium die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für ein sechstes Kernkraftwerk eingereicht. Es soll am bestehenden Standort Olkiluoto gebaut werden, wo derzeit das fünfte Kernkraftwerk des Landes errichtet wird, das 2011 den Betrieb aufnehmen soll. Die UVP bewertete die Auswirkungen des Neubaus auf die Arbeitsplätze, die Wirtschaft und einzelne Unternehmen in den Gemeinden dieser Region als positiv. Ein wichtiges Element war eine Umfrage unter Einwohnern der Gegend rund um Olkiluoto. 55% der ortsansässigen Bevölkerung befürworteten den Bau.

China: Baustart für weiteres Kernkraftwerk

Am 18. Februar 2008 ist mit einer Zeremonie der Baubeginn des chinesischen Kernkraftwerks Ningde-1 gefeiert worden. In zwei Bauphasen sollen insgesamt sechs Reaktorblöcke an der südostchinesischen Küste zwischen Shanghai und Hong Kong errichtet werden. In der ersten Phase ist der Bau von vier Reaktorblöcken vorgesehen. Die Baukosten für die vier Einheiten sind auf insgesamt umgerechnet 7,8 Milliarden Franken veranschlagt. Der erste Block soll den kommerziellen Betrieb im Jahr 2012 aufnehmen.

Namibia: zweite Uranmine in Betrieb

Die zweite Uranmine Namibias, Langer Heinrich, hat Ende 2007 das Produktionsziel von 1000 Tonnen Uran erreicht. Wie die australische Betreiberin Paladin Resources Ltd. weiter meldete, soll in einer zweiten Phase bis Ende 2008 der Abbau auf 1440 Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Die Mine hatte die Förderung im März 2007 aufgenommen. Das 15 km lange Abbaugebiet liegt in der Wüste Namib, 80 km östlich des Atlantikhafens Walvisbaai und 40 km südlich der seit 1976 betriebenen Uranmine Rössing. Von dort stammten im Jahr 2006 rund 8% der weltweiten Uranproduktion. Mitte 2008 soll nördlich von Rössing die dritte Uranmine Namibias – Trekkopje – die Produktion beginnen. In Namibia befinden sich rund 7% der weltweit gesicherten Uranreserven.

Kernpunkte März 2008 (PDF)



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