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Kernpunkte November 2009

Kernenergie als Brücke zu Klimaschutz: die Internationale Energieagentur …

Die Finanz- und Wirtschaftskrise könnte im Jahr 2009 zu einer Reduktion der globalen CO2-Emissionen von drei Prozent führen – seit 40 Jahren der stärkste Rückgang. Die Rückkehr zum steigenden Trend dürfte allerdings nicht lange auf sich warten lassen, wenn die Regierungen nicht mit entsprechenden Massnahmen Gegensteuer geben. Dies bekräftigte die Internationale Energieagentur (IEA) der OECD bei der Veröffentlichung des «World Energy Outlook 2009» am 10. November 2009. Gemäss der IEA sind kosteneffiziente Massnahmen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf etwa 2°C verfügbar. Sie zählt hierzu die Energieeffizienz, aber auch Technologien mit niedrigem CO2-Ausstoss, wie die Kernenergie und die erneuerbaren Energien. Im Energiebereich sieht sie im Ausbau der Kernenergie die effizienteste Massnahme – pro investierten Dollar kann hier die grösste CO2-Reduktion erlangt werden. Die IEA rechnet bis ins Jahr 2030 mit fast einer Verdopplung der weltweiten Kernkraftwerkskapazität.
 

… und die Eurelectric stimmen zu

Der Dachverband der europäischen Elektrizitätswirtschaft Eurelectric hat am 10. November 2009 dem europäischen Parlament dargestellt, wie die CO2-Emissionen der EU-27 bis 2050 um 75% gesenkt werden können. Um dies zu erreichen, sieht die Eurelectric den Neubau von Kernkraftwerken, die Einführung der CO2-Sequestrierung bis 2020 und den Ausbau der erneuerbaren Energien als notwendig an. Auch verbraucherseitig müsse ein Paradigmenwechsel stattfinden. Dieser soll durch die Internalisierung sämtlicher Energieversorgungskosten in allen Wirtschaftszweigen vorangetrieben werden. Fernziel ist es, dass energieeffiziente Systeme wie Elektroautos und Wärmepumpen verstärkt fossile Brennstoffe ablösen. Dies bedingt die Erhöhung der Stromproduktion von 3100 TWh im Jahr 2005 auf 4800 TWh im Jahr 2050. Nach Berechnungen der Eurelectric läge dann der nukleare Anteil der Stromproduktion mit 1300 TWh bei 27 statt 30 Prozent.
 

Koalitionsvertrag besiegelt neue Atompolitik in Deutschland

Nach der Bundestagswahl vom 27. September 2009 wird Deutschland künftig von einer bürgerlichen Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP regiert. Ende Oktober 2009 unterzeichnete die neue Regierung den Koalitionsvertrag. Darin wird festgehalten, dass die Voraussetzungen für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke mit den Betreibern möglichst schnell geregelt werden soll. Das Neubauverbot bleibt bestehen, während das Moratorium zur Erkundung des Salzstockes Gorleben unverzüglich aufgehoben wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte dazu: «Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann. Andernfalls werden wir unsere Klimaziele, erträgliche Energiepreise und weniger Abhängigkeit vom Ausland nicht erreichen.»
 

Deutschland: neue Leitung für Energiedossier

In Deutschland sind die Zuständigkeiten für das Energiethema wie bisher zersplittert. Wesentliche Bestandteile des Themenfelds verteilen sich auf die Ressorts Wirtschaft und Umwelt. Das Umweltministerium ist für die erneuerbaren Energien, die Kernenergieaufsicht, den Emissionshandel und den Klimaschutz verantwortlich. Das Wirtschaftsministerium befasst sich mit den fossilen Energieträgern, der Energiebevorratung, der Energieeffizienz sowie den Strom- und Gasnetzen. Umweltminister ist seit Ende Oktober der Jurist Norbert Röttgen (CDU). Er ersetzt Sigmar Gabriel (SPD). Rainer Brüderle (FDP) übernimmt das Wirtschaftsministerium von Karl Theodor zu Guttenberg (CSU), der ins Verteidigungsministerium wechselt.
 

Deutsches Energiekonzept bis Oktober 2010

Umweltminister Norbert Röttgen soll laut Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle für eine «Energiepolitik aus einem Guss» sorgen. Wie eine «tragfähige, wirtschaftsfähige und umweltfreundliche Energieversorgung» in Deutschland aussehen soll, werde die Regierung bis Oktober 2010 beantworten, teilte Merkel nach der ersten Kabinettsklausur Mitte November 2009 mit. Unter anderem müsse festgelegt werden, wie die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke gestaltet werden könne.
 

Grossbritannien: zehn Standorte für Neubauprojekte genehmigt

Am 9. November 2009 hat das britische Energie- und Klimadepartement zehn potenzielle Standorte für den Bau von Kernkraftwerken genehmigt. Sie befinden sich alle in der Nähe bereits bestehender Kernkraftwerke. Eine neugegründete Kommission soll künftige Bauprojekte optimal umsetzen. Dank eines beschleunigten Planungs- und Bewilligungsverfahrens wird sie Baueingaben innerhalb eines Jahres beurteilen können. Die Regierung will der Industrie damit unnötige Ausgaben ersparen. Gemäss einem im Juli 2009 vorgestellten Weissbuch sollen die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2020 um 22 Prozent gegenüber 2008 gesenkt werden. Bis 2020 sollen rund 40 Prozent des benötigten Stroms aus kohlenstoffarmen Quellen (Kernenergie, erneuerbare Energien und saubere Kohle) stammen.
 

Frankreich unterstützt Polen beim Bau von Kernkraftwerken

Polen und Frankreich haben am 5. November 2009 ein Zusammenarbeitsabkommen in den Bereichen Energie, Umwelt und Klima unterzeichnet. Frankreich verpflichtet sich darin, Polen beim Bau von Kernkraftwerken zu unterstützen. Mit der Zusammenarbeit soll langfristig die Versorgungssicherheit der Europäischen Union gestärkt werden – durch eine technologische und geografische Diversifikation des Energiemix. Die polnische Regierung hatte im August 2009 angekündigt, bis 2016 mit dem Bau eines neuen Kernkraftwerks beginnen zu wollen.
 

Cern: Teilchenbeschleuniger wieder in Betrieb

Der weltweit grösste Teilchenbeschleuniger, der Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf, ist am 23. November 2009 erneut in Betrieb genommen worden. Die Cern-Forscher können jetzt wieder Protonen kreisen und erstmals kollidieren lassen. Die Anlage wird vorerst bei niedriger Leistung getestet. In der nächsten Phase soll die Leistung des LHC weiter gesteigert und die Teilchen auf eine höhere Energie beschleunigt werden. Im September 2008, nur wenige Tage nach der Erstinbetriebnahme, hatten die Forscher das LHC-Experiment wegen eines technischen Defekts unterbrechen müssen. Ein Kurzschluss hatte die Anlage beschädigt. Mit den Ergebnissen des LHC hoffen die Wissenschafter in den kommenden 10 bis 15 Jahren den Ursprung und die Entwicklung des Universums zu entschlüsseln.
 

Kernpunkte November 2009 (PDF)



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