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Kernpunkte Januar 2009

Mehrheit hält Kernenergie für notwendig

Schweizer Bürgerinnen und Bürger sind mehrheitlich für den Ersatz der bestehenden Kernkraftwerke und glauben nicht, dass diese durch Stromsparmassnahmen überflüssig würden. Dies ergab eine im Oktober 2008 zum neunten Mal schweizweit durchgeführte repräsentative Telefonbefragung zur Kernenergie. Die Kernkraftwerke sind aus Sicht von 70 Prozent der Befragten für die sichere Stromversorgung in der Schweiz notwendig. Weiter halten vier Fünftel der Schweizer die bestehenden Kernkraftwerke in der Schweiz eher für sicher. Insgesamt hat sich die allgemeine Grundstimmung gegenüber der Kernenergie 2008 im Vergleich zu 2007 positiv entwickelt. Auffallend ist, dass die Anzahl der Befragten, die der Kernenergie negativ gestimmt sind, abgenommen hat. Im Gegenzug haben sowohl die positiven wie auch die unentschlossenen beziehungsweise nicht wissenden Stimmen zugenommen. Unverändert blieb die grundsätzlich kritischere Haltung der Frauen im Vergleich zu den Männern sowie der Westschweiz gegenüber der Deutschschweiz.
 

Kernenergie beste Lösung für klimafreundliche Stromversorgung

Die Schweiz könnte ihre Treibhausgasemissionen in den kommenden 20 Jahren ohne Komforteinbusse fast halbieren. Zu diesem Schluss kommt das Beratungsunternehmen McKinsey in einer Studie, die im Januar 2009 veröffentlicht worden ist. Das grösste Einsparpotenzial sieht McKinsey bei den Gebäuden und dem Verkehr. Dahinter folgen die Energie, die Industrie und die Landwirtschaft. Zu den Massnahmen, wie der konsequenten Umsetzung technischer Neuerungen an Fahrzeugen und Bauweisen nach Minergie-Standard, zählen die Autoren der Studie auch den Bau von Kernkraftwerken. Ein neues Kernkraftwerk der dritten Generation mit einer Leistung von 1600 Megawatt könnte im Jahr 2030 den Treibhausgasausstoss um rund 2,8 Millionen Tonnen reduzieren. Der Studie zufolge werden neue Technologien wie Solar- oder Windenergie oder das sogenannte Carbon Capture Storage (CCS) auch bis 2030 keine Rolle bei der Treibhausgasverminderung spielen. Sie bleiben schlichtweg zu teuer.
 

Aus Atel und EOS wird Alpiq

Die Atel und die EOS sind seit Anfang 2009 unter dem Namen Alpiq Holding AG zusammengeschlossen. Am 18. Dezember 2008 wurden die entsprechenden Transaktionsverträge unterzeichnet. Operativer Start der Alpiq ist der 1. Februar 2009. Hauptaktionäre werden die EOS Holding und ein Konsortium schweizerischer Minderheitsaktionäre mit je 31 Prozent sowie die Electricité de France (EDF) mit 25 Prozent sein. Das Unternehmen wird mit über 10'000 Mitarbeitenden in 26 Vertriebsgesellschaften und 29 Ländern Europas tätig sein. Zusammen haben Atel und EOS 2007 einen Umsatz von mehr als 16 Milliarden Franken erzielt und sind in der Schweiz verantwortlich für einen Drittel der Stromversorgung. Die Alpiq betreibt in ganz Europa Kern-, Wasser-, Gas- und Kohlekraftwerke sowie Anlagen für die Erzeugung neuer erneuerbarer Energien wie Kleinwasserkraft, Wind und Biomasse. Fast 60 Prozent von Alpiqs Stromproduktion ist CO2-frei, hälftig aus Kernenergie sowie Wasserkraft und weiteren erneuerbaren Energien.
 

Finnland: Gesuch um Grundsatzentscheid für neues Kernkraftwerk eingereicht

Das Energieunternehmen Fennovoima Oy hat am 14. Januar 2009 bei der finnischen Regierung ein Gesuch für den Grundsatzentscheid zum Bau eines neuen Kernkraftwerks eingereicht. Der politische Grundsatzentscheid wird von der Regierung getroffen. Sie hat die Frage zu beantworten, ob das vorgeschlagene Projekt im Einklang mit dem allgemeinen Wohl der Gesellschaft steht. Der Grundsatzentscheid der Regierung muss anschliessend vom Parlament bestätigt (ratifiziert) werden. Die Antwort des Parlaments wird 2010 erwartet. Erst wenn sie positiv ausfällt, wird der definitive Standort für das neue Kernkraftwerk ausgewählt, erklärte das Unternehmen. Dies ist bereits das zweite Gesuch für einen Grundsatzentscheid. Im April 2008 hatte die Teollisuuden Voima Oyj (TVO) ihren Antrag zum Bau des vierten Blocks am Standort Olkiluoto bei der Regierung eingereicht. Finnland hat derzeit vier Kernkraftwerkseinheiten in Betrieb und eine im Bau. Olkiluoto-3, der weltweit erste europäische Druckwasserreaktor (EPR), soll im Juni 2012 den kommerziellen Betrieb aufnehmen.
 

Slowakei stellt Kernkraftwerkseinheit wie geplant ab

Die Slowakei hat am 31. Dezember 2008 die Kernkraftwerkseinheit Bohunice-2 endgültig abgeschaltet. Vor zwei Jahren war bereits Bohunice-1 vom Netz genommen worden. Die vorzeitigen Stilllegungen waren eine der Voraussetzungen, damit die Slowakei der EU betreten konnte. Beide Einheiten sind russische Druckwasserreaktoren der ältesten Generation. Das Kernkraftwerk Bohunice liegt in der Westslowakei und befindet sich rund 100 km nordöstlich von Wien. Weiterhin in Betrieb stehen am selben Standort die beiden Einheiten Bohunice-3 und -4 – ebenfalls russische Reaktoren, aber neueren Typs. Bohunice-1 und -2 trugen rund einen Fünftel an die slowakische Stromproduktion bei. Die Slowakei besitzt ein weiteres Kernkraftwerk am Standort Mochovce. Hier stehen zwei Einheiten in Betrieb und zwei weitere sollen bis 2012 beziehungsweise 2013 fertiggestellt werden.
 

Ende des Abbauverbots für Uran in Westaustralien

Die Regierung des Bundesstaats Westaustralien hat nach der Aufstellung einer neuen Regierung das Verbot des Abbaus von Uran Mitte November 2008 aufgehoben. Der liberale westaustralische Premierminister Colin Barnett gab bekannt, dass von nun an der Abbau aller Mineralien erlaubt sei, inklusive Uran. In Westaustralien gibt es rund 25 bekannte Uranlagerstätten. Vor dem Hintergrund der Aufhebung des Uranabbauverbots gab der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton bekannt, dass er seine Explorationstätigkeiten an einer Lagerstätte wieder aufnehmen wird. Das Unternehmen will die Abbau- und Verarbeitungsmöglichkeiten dieser Lagerstätte abschätzen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorbereiten lassen. Australien, der zweitgrösste Uranproduzent, überlässt es seinen Bundesstaaten, über den Uranabbau zu befinden. Queensland lehnt damit als einziger Bundesstaat den Abbau von Uran auf seinem Territorium weiterhin ab.
 

Erster Nuclear Energy Outlook veröffentlicht

Mitte Oktober 2008 hat die Kernenergieagentur NEA der OECD zum ersten Mal den Nuclear Energy Outlook veröffentlicht. Der Bericht leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion der Rolle der Kernenergie im Energiemix der Mitgliedstaaten. Laut Energy Outlook reichen die gesicherten Uranvorkommen aus, um einen Ausbau der weltweiten Kernenergiekapazität bis mindestens 2050 zu ermöglichen. Mit den vermuteten Vorkommen könnte die Uranversorgung sogar für mehrere Hundert Jahre gesichert werden. Eine grosse globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird die Deckung des Energiebedarfs bei anhaltendem sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt sein, mit gleichzeitiger Bewältigung der damit verbundenen potenziellen ökologischen und gesellschaftspolitischen Probleme, hält die NEA fest. Bis 2050 wird mit einem Anstieg des weltweiten Stromverbrauchs um einen Faktor von etwa 2,5 gerechnet. Die NEA hat zur Abschätzung der Entwicklung der nuklearen Stromerzeugung ein hohes und ein niedriges Szenario erstellt. Demnach könnte die weltweit installierte elektrische Kernkraftwerksleistung zwischen 2008 und 2050 von heute 372’000 Megawatt auf 580’000 (niedriges Szenario) bis 1’400’000 Megawatt (hohes Szenario) anwachsen. Um diesen Leistungsausbau zu erreichen, müssten zwischen 2030 und 2050 durchschnittlich 23 (niedriges Szenario) bis 54 (hohes Szenario) neue Kernkraftwerke pro Jahr fertiggestellt werden. Diese Hochrechnungen decken sich weitgehend mit denen anderer Organisationen, betont die NEA.
 

Faktenblatt zur Ökobilanz der Kernenergie

In der öffentlichen Diskussion wird oft der Begriff «Ökostrom» verwendet. Verstanden wird darunter in der Regel Strom aus erneuerbaren und CO2-armen Quellen wie Wasserkraft, Wind oder Sonne. Zu Unrecht ausgeklammert wird dabei die Kernenergie. Das neue Faktenblatt des Nuklearforums «Ökobilanz der Kernenergie: umweltschonend und effizient» zeigt, dass auch der Atomstrom zu den umweltschonenden Energiequellen gehört, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Die Kernenergie zählt zusammen mit der Wasserkraft heute sogar zu der umweltfreundlichsten und energieeffizientesten Art der Stromerzeugung überhaupt. Das Faktenblatt kann kostenlos bei der Geschäftsstelle des Nuklearforums Schweiz bestellt oder direkt von der Website www.nuklearforum.ch -> Fakten heruntergeladen werden.
 

Kernpunkte Januar 2009 (PDF)



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