Kernpunkte September 2010
Geologische Tiefenlager: Anhörung zu potenziellen Standortgebieten
Die Berichte, Gutachten und Stellungnahmen zu den von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vorgeschlagenen sechs potenziellen Standortgebieten für geologische Tiefenlager liegen nun vor. In der Anhörung, die vom 1. September bis 30. November 2010 dauert, können sich Kantone, Nachbarstaaten, Parteien, Organisationen und die interessierte Bevölkerung dazu äussern. Der Bundesrat wird voraussichtlich Mitte 2011 entscheiden, welche Standortgebiete im weiteren Auswahlverfahren verbleiben.
Bis zu 17% Kernenergie im Jahr 2050
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) schätzt, dass im Jahr 2050 bis zu 17% des weltweit produzierten Stroms aus Kernkraftwerken stammen könnten. Dabei rechnet sie mit einer guten Verdoppelung des weltweiten Primärenergiebedarfs bis ins Jahr 2050. Der Stromanteil daran wird laut IAEO von knapp 37% auf 55% zunehmen. Ende 2009 betrug der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromproduktion knapp 14%. Zum Total des CO2-armen Stroms trägt sie gut 40% bei. Die Schweiz liegt heute mit ihren Kernenergieanteil von rund 40% auf dem siebten Rang der Liste aller Staaten, die Kernkraftwerke betreiben.
Italien: Sparpotenzial dank Kernenergie
Ein Energiemix, der die Kernenergie mit einbezieht, ist in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht die günstigste Variante für Italien. Im Vergleich zu einem Mix ohne Kernenergie könnte das Land zwischen 2020 und 2030 umgerechnet bis zu 90 Milliarden Franken einsparen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie zur Kernenergie in Italien unter der Leitung der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Wiedereinführung der Kernenergie würde die Energiekosten und -preise verringern und stabilisieren. Die Nutzung der Kernenergie würde auch Italiens Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen vermindern und – was die Studie als «erheblichen Vorteil» bezeichnet – als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung wirken. Italien importiert 14% seines Stromverbrauchs und gehört damit zu den weltweit grössten Einfuhrländern von Strom, so die Studie weiter. Sie stellt fest, dass die Strompreise in Italien durchschnittlich 25 bis 30% höher sind als in der EU und zu grossen Schwankungen neigen.
China: weiteres Kernkraftwerk am Netz
Am 1. August 2010 ist an der chinesischen Ostküste das neue Kernkraftwerk Qinshan-II-3 mit dem Stromnetz synchronisiert worden. Die Bauzeit betrug rund viereinhalb Jahre. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für nächstes Jahr geplant. Eine weitere Einheit an diesem Standort ist noch im Bau. In beiden Fällen handelt es sich um Druckwasserreaktoren chinesischer Bauart mit einer elektrischen Leistung von 610 Megawatt. Zusammen mit einem neuen Kernkraftwerk am Standort Ling-Ao bei Hongkong stehen nun zwei Anlagen vor der kommerziellen Inbetriebnahme. In China stehen derzeit 11 Kernkraftwerkseinheiten in Betrieb und 23 weitere im Bau.
Japan: Kashiwazaki-Kariwa-1 wieder in Betrieb
Block 1 des weltweit grössten Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa hat Anfang August 2010 nach dreijährigem Stillstand den kommerziellen Betrieb wieder aufgenommen. Block 1 ist die dritte Einheit des Kernkraftwerks, die den Betrieb nach dem schweren Erdbeben vom 16. Juli 2007 wieder aufgenommen hat. Es waren damals keine sicherheitsrelevanten Schäden an den Anlagen aufgetreten. Die Blöcke 6 und 7 sind bereits 2009 ans Netz gegangen.
Kernkraftwerk Leibstadt: Zwischenfall während Revision
Bei Instandhaltungsarbeiten während der Jahreshauptrevision kam es am 31. August 2010 im Kernkraftwerk Leibstadt zu einem Zwischenfall. Ein Taucher hob einen Gegenstand vom Boden des Transferbeckens und legte ihn in einen Behälter. Beim Hochziehen des Behälters löste die Raumstrahlungsüberwachung Alarm aus. Der Behälter wurde daraufhin wieder tiefer ins Wasser abgelassen. Nach einer ersten Auswertung des Dosimeters des Mitarbeiters wurde der gesetzliche Jahresgrenzwert von 20 Millisievert (mSv) für seine Ganzkörperdosis nicht überschritten. Jedoch wurde festgestellt, dass an der Hand des Tauchers der Jahresgrenzwert für Hände überschritten wurde. Nach ersten ärztlichen Untersuchungen hat er keine bleibenden gesundheitlichen Schäden zu erwarten. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) wurde über das Ereignis informiert. Der Vorfall wurde vorläufig auf Stufe 2 der siebenstufigen internationalen Störfallbewertungsskala Ines gesetzt.
Erste Stufe des SwissFEL am PSI eingeweiht
Im Rahmen einer feierlichen Einweihung mit Bundesrat Didier Burkhalter hat das Paul Scherrer Institut (PSI) am 24. August 2010 in Villigen die erste Stufe des Schweizer Freie-Elektronen-Röntgenlicht-Lasers SwissFEL in Betrieb genommen. Ab 2016 soll der SwissFEL neue Einblicke in physikalische, chemische und biologische Vorgänge ermöglichen, da mit der Anlage atomare Vorgänge «gefilmt» werden können. Forschende versprechen sich davon unter anderem grundlegende Erkenntnisse über Aufbau und Verhalten innovativer Materialien für die Energie- und Informationstechnologien.
Aktualisierte Auflage «Kernenergie für die Schweiz»
Die Broschüre «Kernenergie für die Schweiz» des Nuklearforums Schweiz zeigt in ihrer vierten, aktualisierten Auflage anhand von Daten und Fakten auf, dass die Kernenergie auch künftig einen wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung leisten kann und soll. Die Publikation ist modular aufgebaut und eignet sich zum Nachschlagen wie auch als Basis für Präsentationen vor einem interessierten Publikum. Sie kann kostenlos als CD bestellt werden und steht zudem auf der Website www.nuklearforum.ch als PDF-Datei zum Herunterladen bereit.
nuclea’10 – Rahmenbedingungen für die Renaissance der Kernenergie
Landesregierung und Stromwirtschaft sind sich einig: Unser Land muss in absehbarer Zeit seinen Kernkraftwerkspark erneuern, um die drohende Versorgungslücke zu vermeiden. Die Stromwirtschaft stellt sich diesen Herausforderungen und bereitet die Erneuerung des Schweizer Kernkraftwerkparks vor. Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit dieses Jahrhundertvorhaben gelingen kann? Diese Frage wird an der nuclea’10 aus politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive diskutiert. Die diesjährige Industrietagung des Nuklearforums Schweiz «Rahmenbedingungen für die Renaissance der Kernenergie» findet am 11. November 2010 im Kultur- und Kongresszentrum Trafo in Baden statt. Laufend aktualisierte Informationen zur nuclea finden Sie unter www.nuclea.ch.
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