Kernpunkte August 2010
Unteres Aaretal: Beznau-3 als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Würde das Ersatzkernkraftwerk Beznau-3 nicht gebaut, gingen im unteren Aaretal über 500 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen von bis zu 2 Millionen Franken verloren. Das ergab eine sozio-ökonomische Studie der Ecoplan im Auftrag der Axpo AG. Für das Bauprojekt selbst rechnet Ecoplan mit 3000 zusätzlichen Vollzeitstellen. Im Normalbetrieb von Beznau-3 hingegen dürfte der Personalbestand gegenüber heute um knapp 140 Stellen abnehmen. Trotz steigender Mietpreise und höherer Verkehrsbelastung während der Bauarbeiten sehen die Gemeinde- und Verbandsvertreter dieser Zeit laut der Studie gelassen entgegen.
Neuer Zeit- und Finanzierungsplan für Iter
Am 28. Juli 2010 haben sich die sieben Projektpartner des Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktors (Iter) an einer Sondersitzung im südfranzösischen Cadarache auf einen gestreckten Finanzierungs- und Zeitrahmen geeinigt. Gemäss neuem Projektplan soll im November 2019 erstmals Brennstoff in Form von Plasmagas im Iter-Fusionsreaktor eingeschlossen werden, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Der Betrieb des Fusionsreaktors ist für 2026/27 vorgesehen. Zusätzlich verständigten sich die sieben Projektpartner China, Indien, Japan, Südkorea, Russland, die EU und die USA auch über die Finanzierung. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich neu auf rund 21,5 Milliarden Franken.
Uran: Versorgungssicherheit bestätigt
Die weltweit identifizierten Uranressourcen reichen beim aktuellen Verbrauch für über 100 Jahre. Dies geht aus der neuesten Ausgabe des sogenannten «Red Book» der Kernenergieagentur NEA der OECD und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) hervor. Gemäss «Red Book» beliefen sich die weltweit zu einem Preis von bis zu 260 US-Dollar pro kg Uranmetall festgestellten Reserven auf rund 6,3 Millionen Tonnen (Stand 1. Januar 2009). Obwohl die insgesamt identifizierten Ressourcen generell zugenommen haben, gab es eine signifikante Verringerung bei den kostengünstigeren Ressourcen, bedingt durch die gestiegenen Abbaukosten. Trotzdem wurden seit der letzten Ausgabe des «Red Book» im Jahr 2007 die Investitionen für die weltweite Urangewinnung mehr als verdoppelt, und dies bei rückläufigen Marktpreisen seit Mitte 2007.
Waldbrände in Russland: keine Strahlungsgefahr
Bei Waldbränden in Gebieten, die seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl als radioaktiv kontaminiert gelten, besteht keine zusätzliche Gefahr durch Strahlung – weder vor Ort noch in anderen europäischen Ländern. Zu diesem Schluss kommt das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit IRSN in einer Stellungnahme vom 12. August 2010. Laut IRSN ist in der Luft wohl eine leicht erhöhte Radioaktivität durch Cäsium-137 nachweisbar. Doch diese macht nur rund einen Millionstel der natürlichen Radioaktivität aus. Analysen der finnischen Sicherheitsbehörde Stuk bestätigen die Aussagen des IRSN. Die Stuk hat in finnischen Städten Proben mit Verbrennungsgasen aus den Waldbränden Russlands genommen und auf Radioaktivität untersucht.
IEA: erste Anzeichen einer Energie-Revolution erkennbar
Seit mehreren Jahren weist die Internationale Energieagentur (IEA) darauf hin, dass es für die Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels einer Energie-Revolution bedarf. Erste Anzeichen einer solchen Revolution seien erkennbar, proklamiert die IEA in den «Energietechnologischen Perspektiven 2010» (ETP 2010). Darin schlägt die IEA vor, bis 2050 die energiebedingten weltweiten CO2-Emissionen im Vergleich zu 2005 zu halbieren – hauptsächlich durch eine Erhöhung der weltweiten Energieeffizienzmassnahmen auf das Niveau der OECD-Länder und die Dekarbonisierung des Elektrizitätssektors. Hierfür müssten die Anteile der Kernenergie und der Erneuerbaren an der Stromproduktion dramatisch erhöht werden. Bei der Kernenergie rechnen die Autoren der ETP 2010 mit dem Neubau von 30 Werken pro Jahr bis 2050.
China: seit Jahresbeginn fünf neue Kernkraftwerke im Bau
Im ersten Halbjahr 2010 sind in China fünf weitere Bauprojekte für neue Kernkraftwerke in Angriff genommen worden. Mit dem Baubeginn eines weiteren Druckwasserreaktors des Typs AP1000 Mitte Juni stehen in China derzeit vier solche Reaktoren im Bau, die zu der sogenannten 3. Generation gehören. China ist vorerst das einzige Land, in dem AP1000-Reaktoren gebaut werden. Nach dem Startschuss des neusten Bauprojekts für ein Kernkraftwerk in Fangchenggang im Süden Chinas befinden sich in diesem Land 25 Kernkraftwerke im Bau. Voraussichtlich im Oktober dieses Jahres soll eines davon, Ling-Ao-II-1, den kommerziellen Betrieb aufnehmen. China betreibt heute elf Kernkraftwerke.
Italienisches Nuklearforum gegründet
Am 27. Juli 2010 ist in Rom das Forum Nucleare Italiano offiziell gegründet worden. An seiner Spitze ist Chicco Testo, ehemaliger Präsident der italienischen Energieversorgerin Enel und jetziger Direktor der Privatbank Rothschild. Das Forum hat zum Ziel, aktiv an der Wiederaufnahme der öffentlichen Debatte über die Entwicklung der Kernenergie in Italien teilzunehmen. Es will vor allem wissenschaftliche und technische Informationen zur Kernenergie «transparent und verständlich» verbreiten. Die 24 Gründungsmitglieder stammen aus Industrie und Wissenschaft.
Zwei Abendveranstaltungen des Nuklearforums Schweiz
«Der Einsatz von ionisierenden Strahlen in der Krebsbehandlung – immer genauer, sicherer und erfolgreicher»
Die Strahlentherapie hat sich – neben der Chirurgie und der Chemotherapie – als einer der drei Eckpfeiler in der Behandlung von Tumoren durchgesetzt. Dr. med. Christian von Briel, Leiter der Radiotherapie Hirslanden, wird am Forums-Treff einen Einblick in modernste und innovative Krebsbehandlungsmöglichkeiten mittels ionisierender Strahlen geben. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist Christian von Briel amtierender Präsident des «Forum Medizin und Energie» (FME). Der Forums-Treff findet am 8. September 2010 um 17.00 Uhr im Kursaal Bern statt.
«Technology Roadmap Nuclear Energy»
Der weltweite durch die Stromproduktion verursachte CO2-Ausstoss wird sich ohne griffige Massnahmen bis ins Jahr 2050 verdoppeln. Um diesen Pfad zu verlassen, braucht es eine eigentliche Revolution der kohlenstoffarmen Energiequellen. Die Internationalen Energieagentur (IEA) stellt in ihrer jüngst publizierten Roadmap eine Reihe von Technologiestrategien vor, welche die Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich zu 2005 halbieren könnten. Der Kernspaltung wird dabei, je nach Szenario, eine zentrale Rolle zugesprochen. Die am Forums-Treff durch den Co-Autor Martin Taylor vorgestellte Roadmap untersucht die Herausforderungen für Staat und Wirtschaft, um die Kernenergie auf diesen ambitiösen Pfad zu führen. Der Forums-Treff findet am 23. September um 17.00 Uhr im Hotel Kreuz in Bern statt.
Weitere Angaben zu diesen Veranstaltungen sowie die Anmeldemodalitäten finden Sie hier
Kernpunkte August 2010 (PDF)