Kernpunkte Juli 2010
Finnisches Parlament: Ja zu Neubauten…
Das finnische Parlament hat am 1. Juli 2010 zwei der drei eingereichten Gesuche um Grundsatzentscheide für die Kernkraftwerks-Neubauprojekte mit 121 zu 71 Stimmen gutgeheissen und ist damit dem Regierungsentscheid vom 6. Mai 2010 gefolgt. Geplant sind eine vierte Einheit am bestehenden Standort Olkiluoto und eine weitere an einem neuen Standort im Norden des Landes. Die betroffenen Gemeinden haben bereits bestätigt, dass sie den Bau eines neuen Kernkraftwerks auf ihrem Boden begrüssen würden. Die Unternehmen haben nun fünf Jahre Zeit, ein Baubewilligungsgesuch einzureichen, sonst verfallen die Grundsatzentscheide.
… und Erweiterung des Tiefenlagers
Gleichentags sprach sich das finnische Parlament mit 159 zu 35 Stimmen für den Ausbau des geologischen Tiefenlagers für ausgedienten Kernbrennstoff auf der Halbinsel Olkiluoto aus. Die Erweiterung berücksichtigt den Bau der geplanten vierten Kernkraftwerkseinheit am Standort Olkiluoto. Die Regierung hatte sich bereits am 6. Mai 2010 dafür ausgesprochen.
Türkisches Parlament genehmigt Kernkraftwerksbau
Das türkische Parlament hat am 15. Juli 2010 ein Abkommen zwischen der Türkei und Russland über den Bau des ersten Kernkraftwerks des Landes gebilligt. Gemäss der Vereinbarung werden die beiden Länder beim Bau und Betrieb von Kernkraftwerken am Standort Akkuyu zusammenarbeiten. Akkuyu befindet sich an der Mittelmeerküste in der südlichen Provinz Mersin.
Vietnam plant Bau von Kernkraftwerken bis 2030
Die vietnamesische Regierung will bis zum Jahr 2030 acht Kernkraftwerke mit insgesamt 14 Einheiten bauen, um den gewaltigen Strombedarf des Landes zu decken. Das Bauprogramm ist Teil eines von Ministerpräsident Nguyen Tan Dung am 23. Juni 2010 genehmigten Plans zur Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Russland wird Vietnam beim Bau des ersten Kernkraftwerks in der Provinz Ninh Thuan an der südöstlichen Küste Vietnams unterstützen.
EU: zusätzliche Finanzhilfe für Stilllegung von Kosloduj
Während der Beitrittsverhandlungen im Jahr 2005 willigte Bulgarien ein, die Blöcke 1 bis 4 des Kernkraftwerks Kosloduj frühzeitig abzuschalten und anschliessend stillzulegen. Im Gegenzug erklärte sich die EU bereit, die Stilllegungsmassnahmen bis 2009 finanziell zu unterstützen. Da die Stilllegung bis heute nicht abgeschlossen ist, hat die EU-Kommission im Oktober 2009 einen Vorschlag ausgearbeitet, der eine zusätzliche Unterstützung in der Höhe von umgerechnet 402 Millionen Franken für den Zeitraum 2010–2013 vorsieht. Dieser Zusatzfinanzierung haben die Finanzminister der EU am 13. Juli 2010 mit einer entsprechenden Verordnung zugestimmt.
Nuclear Roadmap der IEA: Kernenergie für die Energierevolution
Bis ins Jahr 2050 könnte rund ein Viertel des weltweit produzierten Stroms aus Kernkraftwerken stammen. Dies geht aus der «Technology Roadmap Nuclear Energy» der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Kernenergieagentur (NEA) der OECD hervor. Dafür müsste die Produktionskapazität in den nächsten 40 Jahren verdreifacht werden. Die Kernenergie sei eine ausgereifte, CO2-arme Technologie und bereit für diese Erweiterung. Um das Ziel zu verwirklichen, brauche es zuallererst ein klares Bekenntnis zur Kernenergie als Teil einer umfassenden Energiestrategie seitens der Politik.
Schweiz: Gesamtenergieverbrauch gesunken
Der gesamte Endenergieverbrauch der Schweiz lag im Jahr 2009 mit 877’560 Terajoule um 2,5% unter dem Wert des Vorjahres. Dies gab das Bundesamt für Energie (BFE) bekannt. Wichtigste Gründe für den Rückgang des Energieverbrauchs waren die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung und der wirtschaftliche Abschwung: Die Heizgradtage nahmen gegenüber 2008 um 4,9% ab und das Bruttoinlandprodukt sank um 1,5%. Diese beiden Einflussfaktoren kompensierten den Mehrverbrauch, der sich aus dem Zuwachs der mittleren Wohnbevölkerung um 1,1% und der Zunahme des Motorfahrzeugbestands um 0,5% ergab, meldete das BFE. Der Elektrizitätsverbrauch ging 2009 absolut gesehen um 2,1% zurück; der Stromanteil am Gesamtenergiekonsum stieg indessen auf 23,6%. Der Atomstromanteil bei der Inlanderzeugung betrug 39,3%. Im Jahr 2008 war der Endenergieverbrauch noch um 4,1% angestiegen und hatte damit den höchsten nationalen Jahresenergieverbrauch aller Zeiten erreicht.
Radioaktivitäts-Messflüge der Nationalen Alarmzentrale
Vom 5. bis 8. Juli 2010 hat die Nationale Alarmzentrale (NAZ) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz ihre alljährlichen Radioaktivitäts-Messflüge durchgeführt. Die Flüge fanden im Auftrag des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) statt. Dieses Jahr flog der Messhelikopter turnusgemäss über der Region um die Kernkraftwerke Leibstadt und Beznau. In der Umgebung der Kernanlagen Beznau, Leibstadt, PSI und Zwilag wurde laut NAZ keine Ablagerung von künstlicher Radioaktivität festgestellt.
Deutsche Kernkraftwerke: kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Neugeborenen
Kinder in der näheren Umgebung der Kernkraftwerksstandorte Biblis und Philippsburg haben kein höheres Risiko, mit einer angeborenen Fehlbildung zur Welt zu kommen als Kinder in anderen Regionen Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer am 21. Juli 2010 publizierten Studie des Geburtenregisters der Universität Mainz im Auftrag des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Die Studie ermittelte in der Umgebung dieser Kernkraftwerke die Häufigkeit angeborener Fehlbildungen und verglich die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Region ohne Kernkraftwerk. Sie umfasste 5273 Kinder und Feten, davon 5218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 induzierte Aborte. Mit der vorgelegten Studie wurde gemäss BfS eine der weltweit umfangreichsten Studien zum Thema Fehlbildungen in der Umgebung von Kernkraftwerken durchgeführt.
Kernpunkte Juli 2010 (PDF)