Kernpunkte Mai 2010
Finnische Regierung für Neubauten…
Die finnische Regierung hat am 6. Mai 2010 formell zwei der drei hängigen Gesuche um Grundsatzentscheide für die geplanten Kernkraftwerks-Neubauprojekte gutgeheissen und ist damit der Empfehlung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft gefolgt. Über die beiden Grundsatzentscheide stimmt in letzter Instanz das Parlament ab.
… und Erweiterung des Tiefenlagers
Am 6. Mai 2010 hat die finnische Regierung das Gesuch um den Grundsatzentscheid zur Erweiterung des geologischen Tiefenlagers auf der Halbinsel Olkiluoto ebenfalls mit grossem Mehr gutgeheissen. Mit dem Ausbau kann das Tiefenlager somit auch ausgedienten Kernbrennstoff der geplanten vierten Kernkraftwerkseinheit am Standort Olkiluoto aufnehmen. Das Entsorgungsunternehmen Posiva plant, das Baugesuch für das Tiefenlager 2012 einzureichen. Ziel sei es, mit dem Bau im Jahr 2015 zu beginnen und das Betriebsbewilligungsgesuch 2018 der finnischen Regierung zu unterbreiten. Damit könne das Tiefenlager 2020 den Betrieb aufnehmen.
GB: neue Koalitionsregierung verständigt sich über Kernkraftwerks-Neubau
Die neue britische Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten unter Premierminister David Cameron hat am 11. Mai 2010 ihren Plan für den Energiesektor des Landes diskutiert und sich über die Zukunft der Kernenergie im Grundsatz geeinigt. Die Liberaldemokraten waren lange gegen den Bau von Kernkraftwerken. Die Konservativen hingegen befürworten den Ersatz der bestehenden Kernkraftwerke, sofern sie dem normalen Planungsprozess für Grossprojekte unterliegen, und unter der Voraussetzung, dass sie keine öffentlichen Zuschüsse erhalten. Mit dem Bau neuer Kernkraftwerke will die Regierung den alternden Kernkraftwerkspark ersetzen, die CO2-Emissionen verringern und die Energieversorgung des Landes sicherstellen.
Kernkraftwerksneubau in China …
Am 15. April 2010 haben die Bauarbeiten für den zweiten europäischen Druckwasserreaktor des Typs EPR am chinesischen Standort Taishan begonnen. Damit stehen zusammen mit den laufenden Projekten Flamanville-3 (Frankreich) und Olkiluoto-3 (Finnland) derzeit weltweit vier EPR im Bau. Die beiden Kernkraftwerke Taishan-1 und -2 sollen 2013 beziehungsweise 2014 in Betrieb genommen werden. Zudem wurde in China am 25. April der Baustart des ersten Kernkraftwerks am Standort Changjiang auf der Insel Hainan im Süden des Landes gefeiert. Gemäss Plan soll das Kraftwerk Changjiang-1 eines einheimischen Typs nach vierjähriger Bauzeit seinen Betrieb aufnehmen. In China stehen damit 23 Kernkraftwerke im Bau.
… und Russland
Mitte April 2010 ist in Russland das Betonfundament für das zweite Kernkraftwerk am Standort Leningrad-II gegossen worden, womit die Bauarbeiten offiziell begonnen haben. Das Kernkraftwerk soll 2016 in Betrieb gehen. Am selben Standort steht seit 2008 eine weitere Anlage im Bau, die 2013 fertiggestellt werden soll.
Eurobarometer zur Sicherheit der Kernenergie
Die EU-weite Umfrage «Europeans and Nuclear Safety» hat ergeben, dass 56% der EU-Bürgerinnen und -Bürger den Anteil der Kernenergie am Strommix beibehalten oder erhöhen wollen. Das sind 8% mehr als bei der letzten Befragung 2006. Knapp 70% sind der Meinung, Europa wäre weniger abhängig von Brennstoffimporten, wenn mehr Kernenergie eingesetzt würde. Stabile Strompreise und der Kampf gegen die Klimaerwärmung sprechen laut rund der Hälfte aller Befragten zusätzlich für die Kernenergie. Drei Viertel fühlen sich jedoch schlecht informiert. Trotzdem sind 59% der Meinung, der sichere Betrieb von Kernkraftwerken sei gegeben. In Ländern, die Kernenergie verwenden, ist dieser Anteil im Allgemeinen höher. Für die Umfrage wurden im Auftrag der EU-Generaldirektion Energie und Verkehr im Herbst 2009 knapp 26’500 Bürger in den 27 EU-Mitgliedsstaaten befragt.
«Roadmap 2050»: CO2-freier Strom für Treibhausgasreduktion
Die European Climate Foundation hat in ihrer Studie «Roadmap 2050: practical guide to a prosperous, low-carbon Europe» die technischen Voraussetzungen für eine Treibhausgasreduktion um 80% bis 2050 aufgezeigt. Grundsätzlich ist dafür neben massiven Effizienzsteigerungsmassnahmen und einem flächendeckenden Ersatz fossiler Energiequellen eine praktisch CO2-freie Stromerzeugung nötig. Die Roadmap zeigt in drei Szenarien mit verschiedenen Strommixen auf, wie diese technisch machbar wären. Der Anteil der Kernenergie liegt dabei zwischen 10% und 30%. Für ein weiteres Szenario, bei dem der Strom komplett aus erneuerbaren Energiequellen stammt, wären 15% Strom aus Solaranlagen in Nordafrika sowie ein technischer Durchbruch bei der Geothermie nötig. Die benötigten Investitionen in Produktionsstätten und Übertragungsnetze sowie notwendige politische und wirtschaftliche Veränderungen sind in allen Szenarien immens, so die Autoren der Roadmap.
SVP plädiert für mindestens zwei neue Kernkraftwerke
Die Schweizer Kernkraftwerke sind am Ende ihrer Betriebsdauer durch neue Werke an den bestehenden Standorten zu ersetzen. Dies fordert die Schweizerische Volkspartei (SVP) in ihrem am 19. April 2010 veröffentlichten Positionspapier «Für eine sichere und günstige Stromversorgung». Die SVP verstärkt damit ihre Resolution vom 23. Januar 2010 mit denselben Anliegen. Sie fordert im Positionspapier die Sicherung der Stromversorgung der Schweiz auf der Basis des bestehenden Strommix mit den Schwerpunkten Wasser- und Kernenergie. Dazu sind der Ausbau der inländischen Stromproduktion voranzutreiben sowie neue Lenkungs- und Förderabgaben, die den Strom verteuern, konsequent abzulehnen. Es sind unverzüglich neue Kernkraftwerke an den bisherigen Standorten zu planen und zu bauen, um die bestehenden Anlagen am Ende ihrer Betriebsdauer zu ersetzen, so die SVP.
Kernenergie: Der Bund steht in der Pflicht
An der Jahresversammlung des Nuklearforums Schweiz am 18. Mai 2010 in Bern hat Nationalrätin Corina Eichenberger, Präsidentin des Nuklearforums Schweiz, auf die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Fakten bei der Schweizer Stromversorgung hingewiesen. Dass Strom die Schlüsselenergie der Zukunft ist, werde kaum bestritten. «Dennoch geht ein beachtlicher Teil der Schweizer Bevölkerung davon aus, dass allein mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien die Stromversorgung in Zukunft sichergestellt werden kann, wie Umfragen zeigen. Viele Menschen reagieren überrascht, wenn sie erfahren, dass die Photovoltaik nur ein halbes Promille unseres Stroms liefert, und der Wind noch weniger», so Eichenberger. «Der Bundesrat hat die Kernenergie zu einem zentralen Standbein seiner Strompolitik erklärt. Jetzt steht er in der Pflicht, die öffentliche Debatte darüber anzuführen.» Der Bund rechne schon heute in einem Kältewinter oder während langer Sommerhitze mit Stromengpässen, ergänzte der Direktor des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen Josef A. Dürr. «Kurzfristige Stromunterbrüche durch notwendige Abschaltungen könnten sich häufen», mahnte er. Eichenberger und Dürr plädierten vehement für das Schweizer Erfolgsrezept der letzten Jahrzehnte: den zuverlässigen und wirtschaftlichen Mix aus Wasserkraft und Kernenergie, neu ergänzt durch Strom aus Biomasse, Wind und Sonne.
Kernpunkte Mai 2010 (PDF)