Kernpunkte März 2010
Geologische Tiefenlager: Standortwahl auf Kurs
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) hat die von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Ende 2008 vorgeschlagenen Standortgebiete für den Bau geologischer Tiefenlager für radioaktive Abfälle hinsichtlich ihrer Sicherheit und bautechnischen Machbarkeit überprüft. In seinem am 26. Februar 2010 vorgestellten Sicherheitsgutachten stimmt das Ensi den sechs Standortvorschlägen der Nagra für den Bau eines Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) zu. Die drei potenziellen Standortregionen Zürcher Weinland, «Nördlich Lägeren» und Bözberg eignen sich laut Ensi-Gutachten auch für ein Lager für hochaktive Abfälle (HAA). Die Expertise wird nun der Kommission für nukleare Sicherheit zur Stellungnahme vorgelegt. Sobald diese Stellungnahme und damit alle behördlichen Bewertungen vorliegen, erstellt das Bundesamt für Energie einen Ergebnisbericht. Dieser wird in eine dreimonatige Anhörung bei Kantonen, Nachbarstaaten, Parteien und Organisationen geschickt und dem Bundesrat voraussichtlich Mitte 2011 vorgelegt. Der Bundesrat entscheidet dann, welche Standortgebiete im Sachplan festgelegt und vertieft untersucht werden.
Richtplanverfahren für Ersatzkernkraftwerk im Kanton Aargau beginnt
Der Kanton Aargau hat am 15. März 2010 das Richtplanverfahren für das geplante Ersatzkernkraftwerk auf der Beznau begonnen. Bis zum 14. Juni 2010 können Bürgerinnen und Bürger, Behörden, Parteien und Organisationen zur Anpassung des Richtplans Stellung nehmen. Laut den Unterlagen verlangt der Kanton, dass das Ersatzkernkraftwerk Beznau durch architektonische und gestalterische Massnahmen «bestmöglich in die Aarelandschaft» eingepasst wird. Eine direkte Flusswasserkühlung sei ausgeschlossen. Zudem sei das Kühlsystem so auszulegen, dass keine störende Dampffahne entstehen könne und es eine maximale Höhe von 60 Metern aufweise. Diese Bedingungen erfüllt ein Hybrid-Kühlturm, den die Axpo in ihrem am 4. Dezember 2008 eingereichten Rahmenbewilligungsgesuch bereits vorsieht. Für die endgültige Beschlussfassung im Rahmen des Richtplanverfahrens ist der Grosse Rat zuständig.
Schweden: Gesetzesentwurf für Ersatzkernkraftwerke
Die schwedische Regierung hat am 18. Februar 2010 einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der den Bau von höchstens zehn neuen Kernkraftwerkseinheiten als Ersatz für die bestehenden ermöglicht. Die Ersatzanlagen dürften nur an den bisherigen Standorten Forsmark, Oskarshamn und Ringhals gebaut werden. Derzeit sind dort zehn Blöcke in Betrieb. Das Parlament wird Mitte Juni über die Gesetzesvorlage abstimmen. Das neue Gesetz würde den 1980 beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig machen. Damals hatte das Parlament beschlossen, die Nutzung der Kernenergie bis 2010 auslaufen zu lassen. Bisher wurden zwei Kernkraftwerke vorzeitig abgeschaltet. Der Atomstromanteil des Landes beträgt rund 46%.
Sarkozy fordert einfachere Finanzierung von Kernkraftwerken
An einer internationalen Konferenz am 8. März 2010 in Paris hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy massive internationale Finanzhilfen für Investitionen in die Kernenergie gefordert. Er verstehe und akzeptiere nicht, dass Finanzinstitute wie die Weltbank oder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung den Bau von Kernkraftwerken nicht unterstützen, meinte er. «Wir brauchen die Kernenergie, um die globalen Ziele bei der Bekämpfung und der Verlangsamung des Klimawandels zu erreichen.»
Gorleben wird weiter erkundet
Das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat am 15. März 2010 bekannt gegeben, dass das Moratorium zur Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager für radioaktive Abfälle aufgehoben wird. Die Aufhebung ist keine Überraschung, sie wurde bereits mit dem neuen deutschen Koalitionsvertrag letzten Herbst vereinbart. In einem mehrstufigen Verfahren soll nun auf der Basis einer Sicherheitsanalyse, eines aktualisierten Endlagerungskonzeptes und eines internationalen Gutachtens unabhängiger Wissenschafter zunächst geprüft werden, ob Gorleben als Endlager in Frage kommt.
USA: offizielles Ende des Yucca-Mountain-Projekts
Das amerikanische Energiedepartement hat am 3. März 2010 sein Bewilligungsgesuch zum Bau des geologischen Langzeitlagers für zivile hochaktive Abfälle und bestrahlte Kernbrennstoffe – das Yucca-Mountain-Projekt im Bundesstaat Nevada – zurückgezogen. Der amerikanische Energieminister Steven Chu sei zum Schluss gekommen, dass ein geologisches Langzeitlager in Yucca Mountain keine brauchbare Option für die langfristige Lagerung der ausgedienten Brennelemente und hochaktiven Abfälle der USA sei, stellte das Energiedepartement in seinem Rückzugsgesuch fest. Eine Ende Januar 2010 geschaffene unabhängige Expertenkommission werde eine umfassende Prüfung aller Entsorgungsmöglichkeiten vornehmen und Empfehlungen abgeben. Der Kongress hat bereits umgerechnet 5,4 Millionen Franken dafür gesprochen.
Südkoreas ehrgeizige Nuklearpläne
Die Regierung Südkoreas will bis 2030 rund 80 Kernreaktoren exportieren und am globalen Nuklearmarkt einen Anteil von 20 Prozent erreichen. Damit würde das Land zum weltweit drittgrössten Reaktorlieferanten. Zudem plant Südkorea Investitionen in ausländische Uranabbauprojekte, damit sich das Land eine stabile Brennstoffversorgung sichern kann. Zurzeit decken die Uranquellen Südkoreas lediglich 7 Prozent des Eigenbedarfs ab. Der Anteil soll bis 2016 auf 25 Prozent erhöht werden und bis 2030 bereits 50 Prozent erreichen. Ausserdem sieht das Ministerium vor, 2800 Nuklearingenieure auszubilden und die technologische Selbstversorgung anzukurbeln, damit die Nuklearindustrie bis 2012 «vollkommen unabhängig» wird.
Wano: alle Kernkraftwerke der Welt überprüft
Bis Ende 2009 hat die weltweite Organisation der Kernkraftwerksbetreiber Wano in allen kommerziellen Kernkraftwerken der Welt mindestens ein Mal eine Sicherheitsüberprüfung durchgeführt. Die 1989 gegründete Wano hat zum Ziel, den verantwortungsvollen, sicheren Betrieb von Kernkraftwerken weltweit zu gewährleisten und permanent weiter zu verbessern. Dazu führt sie in den Anlagen regelmässig Sicherheitsüberprüfungen durch, die freiwillig sind und zusätzlich zu den ländereigenen Kontrollen stattfinden.
Kernenergie – mittendrin oder an der Seitenlinie?
Das Nuklearforum Schweiz stellt an seiner Jahresversammlung die Frage ins Zentrum, welche Auswirkung die öffentliche und politische Wahrnehmung der Kernenergie auf die Zukunft unserer Stromversorgung hat: «Kernenergie – mittendrin oder an der Seitenlinie?». Auch dieses Jahr konnten hochkarätige Fachleute aus Wirtschaft und Forschung gewonnen werden, die in ihren Referaten die Herausforderungen zur Bewahrung eines optimalen Strommix aufzeigen. Die Jahresversammlung findet am 18. Mai 2010 vormittags im Hotel Bellevue Palace in Bern statt. Gäste aus der Energiebranche, der Politik und der Wissenschaft sind herzlich dazu eingeladen. Anmeldungen werden unter www.nuklearforum.ch, Rubrik Nuklearforum Schweiz, Jahresversammlung 2010, entgegengenommen.
Kernpunkte März 2010 (PDF)