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Durch Erdbeben betroffene Nuklearanlagen in Japan

Update, 14.3.2011, 07:15 Uhr

Eine Zusammenfassung der Ereignisse finden Sie hier (World Nuclear News):
http://www.world-nuclear-news.org/RS_Battle_to_stabilise_earthquake_reactors_1203111.html

An der Küste der Provinz Fukushima, rund 240 Kilometer nördlich von Tokio, gibt es zwei Kernkraftwerkskomplexe, die beide von der Tokio Electric Power Company (TEPCO) betrieben werden. Am Standort Fukushima-Daiichi (Fukushima-I) befinden sich sechs Kernkraftwerksblöcke mit Siedewasserreaktoren. Am Standort Fukushima-Daini (Fukushima-II) stehen vier Siedewasserreaktoren. Fukushima-II befindet sich rund 12 Kilometer südlich der Anlage Fukushima-I. Beide Anlagen stehen unmittelbar an der Küste des Pazifiks.

Die IAEA hat den Vorfall in Fukushima-Daichi provisorisch als "Unfall mit lokaler Auswirkung" eingestuft. Das entspricht der Stufe 4 auf der von 0 bis 7 reichenden internationalen Störfallbewertungsskala Ines. Zum Vergleich: die Katastrophe vonTschnobyl wurde mit 7 bewertet, der Unfall von Three-Mile-Island mit 5.

Der Status der vom Erdbeben betroffen Nuklearanlagen in Fukushima ist gemäss der japanischen Nuklear- und Industriesicherheitsbehörde NISA vom 13.3.2011  00:30 Uhr (hiesige Zeit) wie folgt:

 

Fukushima-Daiichi (Fukushima-I):

Block-1 (460MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-2 (784MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-3 (784MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-4 (784MWe): Wartungsstillstand

Block-5 (784MWe): Wartungsstillstand

Block-6 (1100MWe): Wartungsstillstand

Lage im Block-1

In Fukushima-Daiichi (Fukushima-I) ist es am 12.3. um 7:29 Uhr (hiesige Zeit) nach einem weiteren heftigen Erdstoss zu einer Explosion im Reaktorgebäude des Blocks-1 gekommen. Dabei wurden vier Mitarbeiter verletzt und die Gebäudehülle stürzte ein. Nach Behördenangaben hat sich im Reaktor selbst keine Explosion ereignet. Der Kabinettssekretär Yukio Edano gab bekannt, dass auch das Stahlcontainment um den Reaktor unbeschädigt geblieben sei. Die Explosion geht laut Edano auf Wasserstoff zurück, der aus dem Stahlcontainment in das umgebende Gebäude ausgetreten ist. Wie weit der Reaktorkern beschädigt ist, bleibt vorderhand unklar.

Am 12.3.  12.20 Uhr begann man damit, den Block-1 mit Meerwasser zu kühlen (Fukushima-I liegt direkt am Meer). Dabei wird dem Wasser Borsäure zugegeben, um allfällige neue Kernspaltungen zu vermeiden. Nach Angaben von Edano geht man davon aus, dass das Reaktordruckgefäss inzwischen mit Wasser gefüllt ist (Stand 13.3. in den frühen Morgenstunden). Der Strahlungspegel in der Anlage habe sich nicht verändert.

Lage im Block-2

Im Block-2 ist der Wasserpegel tief, aber weiterhin stabil (Stand: 13.3. 14:00 hiesige Zeit). Die Kühlung erfolgt mit Hilfe der Dampfturbine (Reactor Core Isolation Cooling System, RCIC) aber stabil. Auch hier wurden Massnahmen zur Druckentlastung ergriffen.

Lage im Block-3

World Nuclear News vermeldete am 13.3., dass im Block 3 kurz nach Mitternacht (hiesige Zeit) Druckentlastungsmassnahmen vorgenommen werden mussten. Dabei gelangten geringe Mengen radioaktiver Stoffe in die Umgebung.

http://www.world-nuclear-news.org/RS_Venting_at_Fukushima_Daiichi_3_1303111.html

Der Versuch, den Reaktordruckbehälter mit reinem Wasser zu füllen, war nicht erfolgreich, da der Wasserstand weiterhin fiel. Gemäss der bis 13.3. 17:00 (hiesige Zeit) vorliegenden Informationen war dagegen die Meerwassereinspeisung wahrscheinlich erfolgreich. Vermutlich war der Reaktorkern zuvor teilweise abgedeckt gewesen, so dass sich wie im Block-1 Wasserstoffgas im oberen Teil des Reaktorgebäudes angesammelt hat, mit der Gefahr einer  Wasserstoff-Explosion wie im Block-1.

Am 14.3. fand um die Mittagstzeit (Ortszeit) eine Explosion statt ähnlich wie zuvor bereits im Reaktorblock-1. Es wird angenommen, dass es sich um eine Wasserstoff-Explosion handelt und das Reaktorgefäss sowie das Containment weiterhin intakt sind. Die Zufuhr von Meerwasser zur Kühlung des Reaktorkerns wurde nicht unterbrochen. Die Strahlungspegel um die Anlage haben sich nach dem Vorfall nicht erhöht. Die Zahl der Verletzten wurde zwischen 5 und 11 angegeben.

Am 13.3.  wurden deutlich erhöhte Strahlungswerte in der unmittelbaren Umgebung der Anlage Fukushima-I festgestellt. Am Zaun der Kernkraftwerksanlage wurden maximal bis 1,2 mSv/h gemessen, wahrscheinlich als Folge der Druckentlastung im Block-1. Seither sind nach Angaben von Kabinettssekretär Yukio Edano die Werte wieder zurückgegangen.

Nach Angaben der TEPCO war ein Mitarbeiter einer hohen Strahlendosis von gut 100 mSv ausgesetzt und wurde zur Behandlung ins Spital gebracht.

Die Behörde der betroffenen Präfektur Fukushima hat auf Anweisung der japanischen Regierung um 10.30 Uhr (hiesige Zeit) die Evakuierungszone von bisher 10 Kilometern auf 20 Kilometer erweitert.

 

Fukushima-Daini (Fukushima-II):

Block-1 (1100MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-2 (1100MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-3 (1100MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Block-4 (1100MWe): automatische Schnellabschaltung unmittelbar nach dem Erdbeben am 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit)

Ein Feuer in der Anlage konnte gelöscht werden.

Wie bei den Blöcken von Fukushima-I werden auch hier bei allen vier Blöcken Druckentlastungen durchgeführt. Nach Angaben der japanischen Nuklear- und Industriesicherheitsbehörde NISA kann es dadurch zu geringen Freisetzungen radioaktiver Stoffe kommen. Die Evakuierungszone wurde um 10.30 Uhr (hiesige Zeit) von 3 auf 10 Kilometer erweitert.

Nach Angaben der Betreiberin TEPCO wurden bisher (12. März, 15:00 hiesige Zeit) keine erhöhten Radioaktivitätswerte festgestellt. Ein Mitarbeiter, der durch das Erdbeben eingeklemmt worden war, konnte nur noch tot geborgen werden.

 

Weitere Informationen

Nach dem Haupt-Erdbebenstoss vom 11.3.2011, 6:46 Uhr (hiesige Zeit) kam es neben Fukushima-I und -II in den folgenden japanischen Kernkraftwerken zu automatischen Schnellabschaltungen (siehe Übersichtskarte):

– Onagawa (drei Siedewasserreaktoren). Ein Feuer in der Turbinenhalle konnte gelöscht werden. Onagawa liegt in der Nähe der vom Tsunami schwer getroffenen Region Sendai an der Küste des Pazifik, rund 350 Kilometer nördlich von Tokio. Am 13.3. 08:00 (hiesige Zeit) gab Kabinettssekretär Yukio Edano bekannt, dass die Tohoku Electric Power Company als Betreiberin der Anlage in Onagawa eine vorsorgliche Warnung an die japanische Regierung übermittelt hat, da die Strahlung am Zaun der Anlage auf 21 microSv/h angestiegen ist.

– Tokai (1 Siedewasserreaktor), und 120 Kilometer nördlich von Tokio.

Insgesamt kam es in 11 Kernkraftwerksblöcken zu automatischen Schnellabschaltungen.

Die Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho an der Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu wird mit Strom aus Notstromaggregaten versorgt. Das in der Nähe liegende Kernkraftwerk Higashidori (1 Siedewasserreaktor) befindet sich im Revisionsstillstand.

Das starke Nachbeben in der Präfektur Nagano (12.3.; 03:58 Ortszeit) hat nicht zur automatischen Abschaltung des Werks Kashiwazaki Kariwa (7 Siedewasserreaktoren) geführt. Die Reaktoreinheiten 1, 5, 6, 7 arbeiten normal, 2 und 4 sind aufgrund regulärer Inspektionen ausser Betrieb. Die Präfektur Nagano liegt auf der Fukushima gegenüberliegenden Seite der Hauptinsel Honshu.

 

Links

Medienmitteilungen der Tepco (Betreiberin der Anlagen in Fukushima)

Japan Atomic Industrial Forum (JAIF)

Status der Reaktoren in Fukushima-I und -II (Quelle: JAIF, Stand 12.30 Uhr Lokalzeit)

Nuclear and Industrial Safety Agency

International Atomic Energy Ageny IAEA

Übersichtskarte

Faktenblatt «Erdbebensicherheit von Kernkraftwerken»