18.05.2000

Atomausstieg in Japan ein Fremdwort

Hochrangige Fachleute der Kerntechnik aus Japan und Deutschland trafen sich am 18. und 19. Mai 2000 in Hannover, um den Stand der Kerntechnik in beiden Ländern zu erörtern.

Teilnehmer waren mehr als 30 Vertreter aus der Industrie, von Kraftwerksbetreibern, aus Forschung und Verwaltung. Das "Deutsch-Japanische Treffen zur Kernenergie" fand seit seiner Gründung im Jahr 1980 zum 14. Mal statt. Die Expertengruppe erörterte die inzwischen stark voneinander abweichenden energiepolitischen Standpunkte beider Länder, die in früheren Jahren weitgehend übereinstimmten. Vertreter Japans informierten über die andauernde Ausweitung der Kernenergie in Japan, wo die bereits bestehenden 53 Kernkraftwerke noch um weitere 13 ergänzt werden sollen. In vollem Gange ist ausserdem der Aufbau des nuklearen Brennstoffkreislaufs, einschliesslich der Errichtung einer Wiederaufarbeitungsanlage und eines umfassenden Abfallbehandlungskonzepts.
Aufgrund der wirtschaftlichen Vorteile und der bedenklichen Auswirkungen anderer Energiequellen auf das Weltklima sieht Japan keine Alternative zur Nutzung der Kernenergie. Übereinstimmung herrscht darin, dass diese Gründe uneingeschränkt auch für Deutschland gelten. Insbesondere ist man sich einig, dass die Kernenergie nach wie vor die wirtschaftlichste Energiequelle für den Grundlastbetrieb in Deutschland ist, gerade unter den Bedingungen eines durch die Liberalisierung des Strommarktes verschärften Wettbewerbs.
Die japanischen Experten warfen die Frage auf, wie Deutschland den im Abkommen von Kyoto eingegangenen Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen nachkommen will, wenn die Kernenergie durch CO2-ausstossende Energiequellen ersetzt werden soll. Die Frage musste offen bleiben, da eine umfassende Energiepolitik in Deutschland fehlt. Andere Diskussionsthemen des Forums waren die Auswirkungen der liberalisierten Strommärkte sowie Sicherheitsaspekte und Abfallbehandlung.
Als Fazit gaben die versammelten Fachleute der Hoffnung Ausdruck, dass die Politik des "Atomausstiegs" sobald wie möglich revidiert wird. Nach dem Treffen, das vom Forschungszentrum Karlsruhe und der PreussenElektra organisiert wurde, besichtigte die Gruppe den Salzstock in Gorleben, über dessen Zukunft bei den Konsensgesprächen zwischen der Bundesregierung und den Kraftwerksbetreibern derzeit verhandelt wird.

Quelle: 
M.S. nach Presseinformation FZK, 19. Mai 2000