14.11.2016

Bürgerforum gegen Südaustralien als internationaler Tiefenlagerstandort

Die Mehrheit eines Bürgerforums aus Südaustralien will nicht, dass der Bundesstaat die radioaktiven Abfälle aus Drittstaaten bei sich lagert.

Die südaustralische Nuclear Fuel Cycle Royal Commission war beauftragt worden, die Machbarkeit des Baus eines Lagers für ausgedienten Kernbrennstoff und mittelaktive Abfälle von Drittstaaten zu untersuchen. In ihrem im Mai 2016 veröffentlichten Bericht kam sie zum Schluss, Südaustralien besitze die Voraussetzungen und Fähigkeiten, solche Abfälle sicher zu lagern. Sie empfahl der Regierung des Bundesstaats, dieser Option nachzugehen.

Ein Bürgerforum aus nahezu 350 zufällig ausgewählten Personen befasste sich im Rahmen des Anhörungsverfahrens mit der Frage «Unter welchen Bedingungen, wenn überhaupt, könnte Südaustralien die Möglichkeit der Lagerung und Entsorgung von Nuklearabfällen aus Drittländern verfolgen?». Nach sechs Tagen Beratung im Oktober und November 2016, an denen das Bürgerforum über 100 Sachverständige anhörte, wollen zwei Drittel der Mitglieder unter keinen Umständen diese Option verfolgen während sich ein Drittel unter bestimmten Bedingungen für ein solches Engagement entschied. Zur Ablehnung haben ungenügende Belege für ein Ja, fehlende Zustimmung der Indigenen und mangelndes Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts geführt.

Die Regierung Südaustraliens wird die Stellungnahme des Bürgerforums – sowie Äusserungen weiterer Gruppierungen – in ihrer Antwort an die Nuclear Fuel Cycle Royal Commission berücksichtigen, die Ende Jahr eingereicht werden muss.

Bürgerforum überfordert

Nigel McBride, CEO der Chamber of Business and Industry Südaustraliens (Business SA) stellte das Bürgerforumsverfahren in Frage. Er ist der Ansicht, die Stellungnahme des Bürgerforums sei überstürzt erfolgt, ohne dass die Mitglieder über genügend Zeit verfügten, sich umfassend zu informieren und die «komplexen Herausforderungen der nuklearen Abfälle» zu verstehen. «Aufklärung, Transparenz und Information vertreiben die Angst. Meiner Meinung nach gab es dafür nicht genügend Zeit, sodass die Menschen auf die Angst setzten: Wenn unschlüssig, sage nein. Ich glaube, das ist passiert», sagte McBride.

Quelle: 
M.A. nach Nuclear Fuel Cycle Consultation and Response Agency, Medienmitteilungen, 5. und 6. November, sowie Business SA, Medienmitteilung, 7. November 2016