16.10.2015

Deutschland: Energieversorger finanziell abgesichert

Ein vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Auftrag gegebenes Gutachten bescheinigt den Energieversorgern ausreichend finanzielle Kapazitäten, um den Rückbau und die Entsorgung ihrer Kernkraftwerke leisten zu können. 

Das von der Wirtschaftsprüfergesellschaft Warth & Klein Grant Thornton AG erstellte Gutachten zur Überprüfung der Kernenergie-Rückstellungen in Deutschland errechnete die erwartenden Kosten für die Kernkraftwerkbetreiber. Auf Basis verschiedener Annahmen stellten die Wirtschaftsprüfer Szenarien auf, die Rückstellungen in unterschiedlichen Höhen nötig machen.

Die Spannbreite der anfallenden Kosten reicht von rund EUR 29–77 Mrd. (CHF 31–83 Mrd.). So würden die von den Unternehmen gebildeten Rückstellungen in Höhe von EUR 38,3 Mrd. (CHF 41,5 Mrd.) innerhalb der von den Gutachtern errechneten Szenarien liegen, erklärte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Erstmalig seien im erstellten Gutachten für die allgemeine Öffentlichkeit transparent die zu erwartenden Kosten in insgesamt fünf Kategorien (von Rückbau bis Endlagerung) aufgeschlüsselt worden. Zu den Extremszenarien von EUR 77 Mrd. meinte Gabriel: «Die Szenarien mit den hohen Rückstellungswerten halten wir für unwahrscheinlich, da sie langfristig höhere wirtschaftliche Verluste unterstellen.»

Die vier Eigentümerinnen von Kernkraftwerken in Deutschland – die EnBW AG, die E.On SE, die RWE Power AG und die Vattenfall GmBH – erklärten in einer gemeinsamen Medienmitteilung, das Gutachten habe keinerlei Beanstandung der Bilanzierungspraxis ergeben. Es akzeptiere damit die seit Jahrzehnten geübte Rückstellungspraxis, die zudem von weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften bestätigt werde. Mit diesen Feststellungen hätten Spekulationen über einen etwaigen Bedarf für höhere Rückstellungen in den Bilanzen keine sachliche Grundlage.

Quelle: 
M.A. nach EnBW, E.On, RWE und Vattenfall, gemeinsame Medienmitteilung, sowie BMWi, Medienmitteilung, 10. Oktober 2015