21.12.2016

Ensi fordert Überprüfung von Dampferzeuger-Schmiedeteilen

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) fordert von den Betreibern der Kernkraftwerke Beznau und Gösgen, die Qualität und die Ausführung der Schmiedeteile für die Dampferzeuger hinsichtlich der Einhaltung der Materialspezifikationen zu überprüfen.

Das Ensi hat die Betreiber der Kernkraftwerke Beznau und Gösgen angewiesen, die Herstellerunterlagen zu ihren Dampferzeugern vertieft zu überprüfen. Im Fokus stehen Angaben der betroffenen Bauteile, Hersteller, Herstellungszeitraum, Material, angewendete Bauvorschrift und Regelwerke, Abweichungen während der Herstellung, Herstellung mit Angaben zum Schmiedeverfahren, Grösse der Rohlinge (sogenannte Ingots), durchgeführte Abnahmeprüfungen inklusive Prüfzeugnisse, Prüfanforderungen, Prüffirma sowie Abnahmeinstanzen. Zudem ist die Durchführung zerstörungsfreier Materialprüfungen zur weiteren Abklärung zu prüfen, so das Ensi. Die Betreiber müssen ihre Berichte zur Überprüfung der Herstellungsdokumentation bis am 30. April 2017 dem Ensi einreichen.

Befunde aus Frankreich

Die französische Autorité de sûreté nucléaire (ASN) hatte Ende September 2016 informiert, dass an mehreren Schmiedeteilen von Dampferzeugern Bereiche mit erhöhtem Kohlenstoffgehalt festgestellt worden waren. Ein erhöhter Kohlenstoffgehalt kann bei der Materialherstellung entstehen und zu einer Verschlechterung der Materialeigenschaften des Stahls führen. Betroffen sind gemäss den Informationen der ASN insbesondere Bauteile für Dampferzeuger, die in den Schmiedewerken Le Creusot Forge und Japan Casting & Forging Corporation JCFC hergestellt wurden.

Da potenziell gefährdete Schmiedeteile der Werke auch ausserhalb Frankreichs eingebaut worden sind, hat das Ensi eine Überprüfung veranlasst. Georg Schwarz, stellvertretender Ensi-Direktor und Leiter des Aufsichtsbereichs Kernkraftwerke, betont indessen: «Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Hinweise darauf, dass die Dampferzeuger in Beznau und Gösgen von unzulässigen Abweichungen der Materialeigenschaften betroffen sind.»

Die Dampferzeuger in Beznau wurden gemäss Ensi in den 1990er-Jahren ausgetauscht. Die heute im Einsatz stehenden Dampferzeuger wurden teilweise in Le Creusot Forge hergestellt. Die Komponenten der Dampferzeuger in Gösgen stammen aus deutschen Schmieden, so das Ensi.

Keine betroffenen Teile im KKG

Die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG (KKG) teilte einen Tag nach der Publikation der Ensi-Forderungen mit, dass sie schon vor Monaten auf mögliche Qualitätsprobleme bei Dampferzeugern aufmerksam wurde. Umgehend eingeleitete Abklärungen zeigten, dass im Kernkraftwerk Gösgen keine Schmiedeteile der Werke Le Creusot Forge und JCFC vorhanden sind. Dies habe auch die Areva, Lieferantin des Kernkraftwerks, unabhängig von den Abklärungen des KKG bestätigt. Das KKG teilte zudem mit, dass bei den Kalotten der Dampferzeuger keine Schmiedeteile, sondern gepresstes Blech verwendet werden. Diese Befunde seien dem Ensi am 27. Juni 2016 übermittelt worden.

Das KKG fügte hinzu, dass es dem Ensi den verlangten Bericht fristgerecht einreichen werde.

Quelle: 
M.B. nach Ensi, Medienmitteilung, 13. Dezember sowie KKG, Medienmitteilung, 14. Dezember 2016