29.10.2012

IEA: Ukraine braucht neue Kernkraftwerke

Die Ukraine benötigt 3000–5000 MW neue Kernkraftwerkskapazität, damit die Kernenergie weiterhin eine Stütze der Stromversorgung des Landes bleibt. Dies ist eine der Erkenntnisse aus dem neuen Bericht zur ukrainischen Energiepolitik, den die Internationale Energieagentur (IEA) der OECD am 19. Oktober 2012 vorgestellt hat. 

Eine Tiefenprüfung der IEA umfasst alle Energieformen und wird regelmässig in den Mitgliedsländern durchgeführt. Zum Bereich Kernenergie empfiehlt die IEA in ihrem jüngsten Bericht «Ukraine 2012 Energy Policy Review» die Finanzierung der Lebensdauerverlängerung der bestehenden 15 Reaktoreinheiten fundiert zu planen, denn diese gewährleisten 47% der Landesstromversorgung. Gemäss dem IEA-Bericht plant die Energoatom, für sämtliche elf Reaktoreinheiten, deren Betriebsgenehmigung vor 2030 ausläuft, eine Verlängerung zu beantragen. Die Energoatom beziffert die hierfür nötigen Nachrüstungen mit USD 3,7 Mrd. (CHF 3,5 Mrd.). Die beiden dienstältesten Blöcke des Landes, Rowno-1 und -2, haben bereits im Dezember 2010 von der zuständigen Nuklearaufsichtsbehörde die Verlängerung der Betriebszeit um 20 Jahre genehmigt erhalten. Sie können bis 2030 beziehungsweise 2031 am Netz bleiben.

Nebst der Betriebsdauerverlängerung wird auch die Fertigstellung der beiden Kernkraftwerkseinheiten Chmelnizki-3 und -4 zur Deckung des steigenden Strombedarfs beitragen. Die Bauarbeiten waren Mitte der 1980er-Jahre unterbrochen worden. Die zwei Einheiten des russischen Typs WWER-1000 sollen ingenieurtechnisch weiterentwickelt und zu Ende gebaut werden. Die Fertigstellung ist mit USD 5,2 Mrd. (CHF 4,9 Mrd.) budgetiert und die kommerzielle Inbetriebnahme gemäss IEA-Bericht für 2018 und 2020 vorgesehen. Zusätzlich benötigt die Ukraine 3000–5000 MW neue Kernkraftwerkskapazität, sind sich die IEA-Experten sicher. Eine Liste mit 30 möglichen Standorten für neue Werke sei bereits vorhanden. Mögliche Bauentscheide werden zwischen 2015 und 2018 erwartet. Die Investitionskosten werden auf USD 12–20 Mrd. (CHF 11,2–18,7 Mrd.) beziffert. 

Quelle: 
D.S. nach IEA, Medienmitteilung, 19. Oktober 2012