21.06.2013

Investoren stehen hinter der Kernenergie

Der Wert der wichtigsten Unternehmen der Kernenergie hat seit dem Jahr 2002 weit stärker zugenommen als die Leitindizes der Börsen generell gewachsen sind.

Der Nuclear Energy Index der World Nuclear Association (WNA-Index*) mit den weltweit wichtigsten börsenkotierten Unternehmen der Nuklearindustrie legte seit Januar 2002 auf USD bezogen um 149% zu, wie unsere Berechnungen zeigen. Nehmen wir zum Vergleich einen der wichtigsten Leitindizes der Börsen, den S&P500 mit den 500 wichtigsten US-Konzernen: Dieser legte in derselben Zeitspanne nur um 42,3% zu.

Der WNA-Index enthält 57 börsenkotierte Unternehmen aus dem Bereich Brennstoffe, Reaktoren, Technologie-Ausrüster, Dienstleister sowie Bau. Die grössten Indexgewichte haben derzeit die Areva (7,8%), Toshiba (5,3%), Denison Mines Corp. (3,35%), Exelon Corp. (3,11%), Energy Resources of Australia (3,06%), Cameco Corp (3,04%), Emerson Electric (3,03%), Uranium One (3,02%), E.On (2,99%) und RWE (2,98%). Mit 26 Unternehmen sind die USA am stärksten vertreten. Danach folgt Japan mit 15 Unternehmen. Ein Schweizer Unternehmen sucht man vergebens; bis vor kurzem war noch die BKW FMB Energie vertreten.

Höhen und Tiefen

Der Index hat Höhen und Tiefen erlebt: Das Rekordhoch erreichte der Leitindex der globalen Nuklearindustrie im November 2007. Damals boomte der gesamte Rohstoff- und Energiesektor. In vielen Bereichen zeigten sich jedoch Überhitzungserscheinungen. Die Immobilienkrise, die 2008 in eine Finanzkrise und schliesslich in eine Weltwirtschaftskrise mündete, zog den WNA-Index nach unten – parallel zu anderen Leitindizes und Rohstoffnotierungen.

Der oft zitierte Fukushima-Effekt war auch bei den Investoren spürbar. Dieser kurzfristige Effekt lässt sich mit 10,4% beziffern. Diese Berechnung für den WNA-Index im Vergleich zum Leitindex S&P500 (jeweils Mittelwerte) beruht auf dem Kursunterschied acht Wochen vor und acht Wochen nach dem Reaktorunfall. Die Divergenz beziehungsweise Under-Performance können wir als Fukushima-Effekt bezeichnen.

Langfristig ist ein solcher Effekt nicht mehr nachweisbar. Zwar hat der WNA-Index von März 2011 bis heute um 9,6% nachgegeben (S&P500: +24,3%). Doch diese schlechtere Kursperformance ist hauptsächlich mit der schwierigen Situation der Elektrizitätsbranche generell erklärbar. Nicht wenige Aktienkurse – gerade in der Sparte Solar- und Windenergie – sind in den Keller gesunken. Die Solar- und Windenergie und die enorme Subventionierung durch den Staat (vor allem in Deutschland) sind dafür verantwortlich, dass der Strommarkt in Kontinental-Europa aus den Fugen geraten ist.

* Der WNA Nuclear Energy Index wurde auf Initiative der World Nuclear Association (WNA) entwickelt. Ein Benchmark soll die Leistung der globalen Nuklearindustrie transparent darstellen. Der WNA-Index umfasst Unternehmen aus der ganzen Welt. Dabei müssen die Unternehmen eine gewisse Grösse aufweisen. Das wird von der Finanzindustrie deshalb verlangt, damit die Liquidität gewährleistet ist. Der Hintergrund dazu: Einige Fonds-Gesellschaften ziehen den WNA-Index nicht nur als Benchmark heran, sondern übernehmen sogar die Konstruktion mit den Indexgewichten und investieren in die entsprechenden Aktien.
Die Aufnahme in den WNA-Index bedeutet nicht, dass das Unternehmen fast vollständig die Wertschöpfung in der Kernenergie haben muss. Deren Engagement in der Kernenergie sollte jedoch einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtleistung des Konzerns haben. Der WNA Nuclear Energy Index hängt von klar definierten Regeln und einer Methodik ab, die ein unparteiisches Index Committee beaufsichtigt.

Quelle: 
Hans Peter Arnold