30.01.2015

Kasachstan denkt über Neubauten nach

Wie die Nachrichtenagentur Nowosti Kasachstan unter Berufung auf den kasachischen Energieminister Wladimir Schkolnik meldet, denkt die Regierung über den Bau zweier neuer Kernkraftwerke nach.

In Kasachstan stehen derzeit keine Kernkraftwerke in Betrieb. 1999 beschloss die damalige Regierung das einzige Kernkraftwerk des Landes, den BN-350 in Aktau am Kaspischen Meer, mit internationaler Hilfe stillzulegen.
 
Laut Schkolnik soll eines der geplanten Kernkraftwerke in der Nähe der Stadt Kurtschatow mit russischer Unterstützung errichtet werden. Die Stadt in Nordostkasachstan wurde nach dem Physiker Igor Wassiljewitsch Kurtschatow benannt. Dort befand sich das ehemalige nukleare Testgelände Semipalatinsk.
 
Der im September 2014 unterzeichnete Entwurf des Regierungsabkommens zwischen Russland und Kasachstan sieht erste vorvertragliche Arbeiten vor, um technische, finanzielle und wirtschaftliche Parameter eines Kernkraftwerk-Neubauprojekts festzulegen, die Infrastrukturbedürfnisse zu analysieren und einen Entwicklungsplan zu erstellen. Gegenwärtig sei eine Überarbeitung des Plans im Gang, erklärte Schkolnik.

Ein potenzieller Standort für das zweite Kernkraftwerk sei das Dorf Ülken in der Provinz Almaty im Südosten des Landes. Eine vielversprechende Auslegung für dieses Kernkraftwerk stamme von der Westinghouse Electric Company. Schkolnik erinnerte daran, dass die staatliche Kazatomprom Anteile an der Westinghouse halte. Die japanische Toshiba Corporation hatte 2007 10% ihrer Aktienmehrheit an die Kazatomprom verkauft.

Laut Schkolnik will die Regierung ihren Entscheid, ein zweites Kernkraftwerk zu bauen, ab 2019 treffen, wenn die Schaffung des Energie-Binnenmarktes mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EWU) erwartet wird. «Der Entscheid hängt von unserem Strombedarf und dem Wirtschaftswachstum sowie davon ab, ob wir die Möglichkeit haben, Strom in Nachbarstaaten zu exportieren», sagte Schkolnik zu Medienvertreter nach einem Parlamentariertreffen.

Kasachstan importierte im letzten Jahr 0,644 TWh und exportierte 2,9 TWh elektrische Energie. Die Stromerzeugung stieg um 2,1% auf 93,3 TWh, während die Nachfrage 91,6 TWh betrug. 73% des erzeugten Stroms stammten aus Kohle, 18% aus Gas, 8% aus Wind und 0,6% aus anderen erneuerbaren Energien einschliesslich kleiner Wasserkraftwerke. Im Rahmen des Übergangs zu einer «grünen Wirtschaft» plant Kasachstan, den Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bis 2020 auf 3%, bis 2030 auf 10% und bis 2050 auf 50% der Gesamtproduktion zu erhöhen.

Quelle: 
M.A. nach Nowosti Kasachstan, 26. Januar, und Premierministeramt, Medienmitteilung, 26. Januar 2015