20.12.2017

Mehrheit für Kernkraft in Polen

Zwei von drei Polen sind der Ansicht, dass der Bau eines Kernkraftwerks im Land eine gute Möglichkeit ist, den Klimawandel zu bekämpfen. Dies zeigt eine im Auftrag des polnischen Energieministeriums durchgeführte Umfrage. 

In einer im November 2017 durchgeführten Umfrage sprachen sich 59% der Befragten für den Bau eines Kernkraftwerks im Land aus. Ein Viertel davon bekundete eine starke Unterstützung eines solchen Vorhabens, eine Steigerung von 4% gegenüber dem Vorjahr. 42% der Befragten zeigten sich damit einverstanden, sollte ein Neubau in der Nähe ihres Wohnortes errichtet werden.

Laut dem Ministerium sind 76% der Befragten der Ansicht, dass der polnische Staat sich an jedem Projekt zum Bau eines Kernkraftwerks beteiligen sollte, und derselbe Prozentsatz findet, der Staat soll die Finanzierung eines solchen Projektes unterstützen, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten.

Die Umfrageergebnisse zeigten weiter, dass 65% die Kernenergie als emissionsarme Energiequelle betrachten, die eine Möglichkeit zur Bekämpfung des Klimawandels darstellt. Zudem befürworten 67% der Befragten den Bau von Kernkraftwerken, um die Versorgungssicherheit des Landes zu erhöhen.

Als Quelle für Informationen zur Kernenergie nutzen die Befragten am häufigsten das Internet (39%), gefolgt von Fernseher (22%) und Zeitungen (15%). Die überwiegende Mehrheit der Polen, nämlich 90%, sieht die Notwendigkeit einer Informationskampagne zur Kernenergie.

Die repräsentative Umfrage führte das ASM-Centrum Badan i Analiz Rynku Sp. z o.o. im November 2017 durch. 2000 Personen im Alter von 15 bis 75 Jahren nahmen daran teil. Seit 2012 werden im Auftrag des Ministeriums Meinungsumfragen durchgeführt. «In den letzten sechs Jahren ist ein Aufwärtstrend für den Bau eines Kernkraftwerks in Polen zu beobachten», stellte das Ministerium fest.

Polens Neubaupläne

Die Regierung Polens genehmigte 2014 ein Kernenergieprogramm, das den Bau von Kernkraftwerken mit einer elektrischen Gesamtleistung von 6000 MW bis 2035 vorsieht. Polen betreibt derzeit den Forschungsreaktor Maria. Der 30-MW-Schwimmbadreaktor wurde nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl von 1986 gründlich renoviert und 1992 wieder in Betrieb genommen. Nach Angaben von Sicherheitsexperten darf Maria bis 2020 in Betrieb bleiben. Der erste Forschungsreaktor Polens Ewa wurde 1995 abgeschaltet. Die radioaktiven Abfälle aus Medizin und Forschung werden in einer alten Militäranlage in Różan, 90 km nördlich von Warschau, zwischengelagert. Der Bau eines Tiefenlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle ist seit längerem geplant.

Quelle: 
M.A. nach polnischem Energieministerium, Medienmitteilung, 12. Dezember 2017