12.05.2017

Neuer Linearbeschleuniger am Cern eingeweiht

Am 9. Mai 2017 hat das Europäische Kernforschungszentrum Cern bei Genf den Linearbeschleuniger Linac-4 eingeweiht. Die Maschine wird nach eingehenden Tests während der für 2019–2020 vorgesehenen Betriebspause mit dem Beschleunigerkomplex des Cern verbunden. Der Linac-4 ersetzt den seit 1978 in Betrieb stehenden Linac-2. 

Linearbeschleuniger sind das erste Element in einer Beschleunigerkette. Hier werden die Teilchen erzeugt und erstmals beschleunigt. Hier werden auch Dichte und Intensität der Teilchenstrahlen vorgegeben. Linac-4 ist knapp 90 m lang. Die Maschine befindet sich 12 m unter der Erdoberfläche. Der Bau nahm fast zehn Jahre in Anspruch. Mit dem Linac-4 erreichen die Forscher neu eine Strahlenergie von 160 MeV. Das ist rund dreimal mehr als mit dem Linac-2. Der Linearbeschleuniger wird negativgeladene Wasserstoffionen – ein Wasserstoffatom mit zwei Elektronen – zum nächsten Glied in der Beschleunigerkette, dem Proton Synchrotron Booster (PSB), schicken. Die Verwendung von Wasserstoffionen in Kombination mit höherer Strahlenergie ermöglicht es, den grossen Beschleunigerring Large Hadron Collider (LHC) am Ende der Beschleunigerkette mit einer doppelt so hohen Strahlintensität zu speisen. Womit im LHC wiederum eine höhere Luminosität erreicht wird.

Die Luminosität ist ein Indikator für die Anzahl Teilchenkollisionen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Die Spitzenluminosität des LHC soll bis 2025 um den Faktor fünf erhöht werden. Dadurch wird die Datenmenge an den Cern-Experimenten enorm zunehmen. Die Forscher wollen damit Elementarteilchen noch genauer vermessen und hoffen, seltene Prozesse beobachten zu können, welche heute ausserhalb der Sensitivität der Maschine liegen.

Am 9. Mai 2017 wurde am Cern in Genf der neue Linearbeschleuniger Linac-4 eingeweiht.
Quelle: Maximilien Brice/ Cern
Quelle: 
M.B. nach Cern, Medienmitteilung, 9. Mai 2017