28.11.2017

Ruthenium-106 in der Luft: Ursache weiterhin unbekannt

Am 21. November hat der russische meteorologische Dienst, Rosgidromet, bestätigt, dass auch auf russischem Gebiet Ende September 2017 «sehr hohe» Konzentrationen von Ruthenium-106 (Ru-106) in der Luft gemessen wurden. Zuvor hatten mehrere europäische Messstellen Spuren von diesem Radioisotop festgestellt. 

Ende September bis Anfang Oktober 2017 wurden von mehreren Europäischen Messstellen Spuren von radioaktivem Ru-106 in der Luft festgestellt. Dieses Radioisotop, welches unter normalen Umständen in der Atmosphäre nicht nachweisbar ist, muss bei einer ungeplanten Abgabe freigesetzt worden sein. Das Fehlen jeglicher anderer künstlicher Radioisotope schliesst eine Abgabe aus einem Kernkraftwerk aus. Hingegen kann das Ru-106 aus einer Anlage zur Aufbereitung von Kernbrennstäben oder zur Herstellung von radioaktiven Quellen stammen. Es hat allerdings bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Land eine entsprechende Freisetzung bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gemeldet, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Basierend auf den zahlreichen vorliegenden Messresultaten kamen das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das französische Institut de radioprotection et de sûreté nucléaire (IRSN) bei voneinander unabhängigen Ausbreitungsrechnungen zum Schluss, dass die Quelle dieser radioaktiven Kontamination mit grosser Wahrscheinlichkeit im südlichen Ural zu suchen ist. Das russische Staatsunternehmen Rosatom erklärte in einer Stellungnahme vom 22. November 2017, die jüngste Freisetzung von Ru-106 stamme nicht aus einer seiner Anlagen. Die russische Sicherheitsbehörde Rostechnadsor kontrollierte insbesondere den Uranaufarbeitungskomplex Majak der Rosatom und stellte keine erhöhten Konzentrationen fest. Sie gab bekannt, dass die Messwerte in Europa sehr stark voneinander abwichen und zwischen 10 μBq/m3 bis 100 mBq/m3 Ru-106 in der Aussenluft betrugen. Der Höchstwert von 145 mBq/m3 wurde am 30. September in Bucharest – rund 3000 km von Majak entfernt – gemessen. Majak selber teilte mit, dass 2017 kein Ru-106 in der Anlage erzeugt worden sei und dass die Emissionen in der Atmosphäre innerhalb der gesetzlichen Grenzwerten lägen. Der russische Hydrometeorologische Dienst Rosgidromet hingegen erklärte, dass die Messstation in Argajasch, 30 km südlich von Majak, zwischen dem 25. September und dem 1. Oktober sehr hohe Konzentrationen an Ru-106 festgestellt habe, rund 986 höher als im vorangehenden Monat. Die Rosatom erwiderte darauf, dass diese Dosis immer noch weit unterhalb des Grenzwertes liege und keine Gefahr darstelle.

Ruthenium-106 in der Schweiz – keine Gefahr für die Schweiz

In der Schweiz zeigte die Überwachung der Radioaktivität in der Luft durch das BAG Spuren von Ru-106 bei Cadenazzo im Tessin. Zwischen dem 25. September und 2. Oktober 2017 ergab sich eine Konzentration von 50 μBq/m3 Ru-106 in der Aussenluft. Im Zeitraum vom 2. bis 3. Oktober ist der Wert auf 1900 μBq/mIn der Schweiz zeigte die Überwachung der Radioaktivität in der Luft durch das BAG Spuren von Ru-106 bei Cadenazzo im Tessin. Zwischen dem 25. September und 2. Oktober 2017 ergab sich eine Konzentration von 50 μBq/m3 Ru-106 in der Aussenluft. Im Zeitraum vom 2. bis 3. Oktober ist der Wert auf 1900 μBq/m3 angestiegen. Danach sanken die Messwerte wieder. Der zwischen dem 3. und 4. Oktober bestaubte Luftfilter zeigte noch 480 μBq/m3, für die Zeit vom 4. bis 5. Oktober betrug die Konzentration 470 μBq/m3, vom 5. bis 6. Oktober noch 320 μBq/m3. Seit dem 7. Oktober ist in der Luft im Tessin kein Ru-106 mehr nachweisbar.
 
Der Höchstwert von 1900 μBq/m3 entspricht einem Wert, der 350-mal kleiner ist, als der für dieses Radionuklid in der Strahlenschutzverordnung (StSV) festgelegte Immissionsgrenzwert in der Luft. Daher besteht für die Gesundheit der Bevölkerung kein Risiko.
 
Ru-106 ist ein Radionuklid mit einer Halbwertszeit von 373,6 Tagen, das zum Beispiel in der Medizin zur Strahlenbehandlung von Augentumoren verwendet wird. Eine weitere, seltenere Anwendung findet Ruthenium-106 in Radionuklidbatterien (Radioisotope thermoelectric generators, RTG), die der Stromversorgung von Satelliten dienen.

Quelle: 
M.A. nach BAG, Medienmitteilung, 10. Oktober, IRSN, Informationen, 9. Oktober, Umweltradioaktivität.ch, sowie NucNet, 21. November, Rosatom und Rostechnadsor, Medienmitteilungen, 22. November 2017