11.08.2017

USA: Fortschritte bei eigener Isotopenproduktion

Die amerikanische Shine Medical Technologies Inc. hat Bauarbeiten für ihre erste Isotopenproduktionsanlage aufgenommen. Mit dem Projekt soll die Abhängigkeit vom Ausland für das in der medizinischen Diagnostik benötigte Molybdän-99 (Mo-99) verringert werden.

Die Shine feierte am 3. August 2017 mit einer Zeremonie den Spatenstich für das «Building One» ihrer neuen Isotopenproduktionsanlage in Janesville im Bundesstaat Wisconsin. Im gut 1000 m2 grossen Gebäude soll die neuartige Anlage der Shine zur Produktion von Mo-99 und anderen in der Medizin verwendeten Isotopen verfeinert und ihre Funktionstüchtigkeit aufgezeigt werden. Das Unternehmen rechnet damit, erste Isotope 2020 ausliefern zu können.

Die Shine hatte der NRC 2013 ihr Baubewilligungsgesuch unterbreitet. Diese untersuchte unter anderem die vorläufige Auslegung sowie die Umweltverträglichkeit der Anlage. Das Advisory Committee on Reactor Safeguards empfahl der NRC Mitte Oktober 2015, die Baubewilligung auszustellen.

Neuerungen

Die Shine setzt im Gegensatz zu den grossen Produktionsanlagen nicht auf spezialisierte Kernreaktoren, sondern nutzt eine Beschleuniger basierte Neutronenquelle. In dieser werden Deuteriumionen auf Tritiumgas geschossen, wobei die Kerne zu Helium fusionieren und hochenergetische Neutronen freigesetzt werden. Dieser Prozess findet innerhalb eines Gefässes statt, das mit einem flüssigen Target gefüllt ist. Als Target verwendet die Shine schwach angereichertes Uran. Die Neutronen treffen im Target auf Urankerne und lösen eine Kernspaltung aus, wobei unter anderem Mo-99 entsteht.

Auf dem Weg zu mehr LEU

Rund drei Viertel des weltweiten Mo-99 wird mit hoch angereichertem Uran (HEU, Anreicherungsgrad von U-235 > 90%) hergestellt, dass potenziell in Explosivwaffen eingesetzt werden kann. Es gibt weltweit Bemühungen, die medizinische Isotopenproduktion vermehrt auf schwach angereichertes Uran (LEU, Anreicherungsgrad < 20%) umzustellen. Die Shine hat vom Department of Energy vor diesem Hintergrund Fördermittel in der Höhe von USD 25 Mio. (CHF 24 Mio.) erhalten.

Rund die Hälfte des weltweit produzierten Mo-99 wird in den USA verwendet. Die USA verfügen seit Ende der 1980er-Jahre über keine eigene Mo-99-Produktion mehr.

Quelle: 
M.B. nach Shine, Medienmitteilung, 4. August 2017