31.01.12

Analyse von Fukushima als Kontrapunkt zur Schweizer Energiepolitik

Schnell ist nicht immer gut: Der politische Entscheid zum Atomausstieg der Schweiz wurde ohne seriöse Analyse der Gründe für den Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi gefällt. Er missachtet den Leistungs- und Sicherheitsnachweis der Kernenergie in der Schweiz und das enorme Potenzial dieser Technologie. Das ist das Fazit einer Fachtagung des Nuklearforums Schweiz in Olten zu den Lehren aus Fukushima.

Ein knappes Jahr nach der Naturkatastrophe in Japan und der Havarie der Kernkraftwerk-anlage Fukushima-Daiichi haben Fachleute aus dem In- und Ausland eine Bilanz zu den Lehren aus diesem Unfall gezogen. Dabei wurde offensichtlich, dass das Sicherheitsniveau bei Naturkatastrophen in den Schweizer Kernkraftwerken um ein entscheidendes Mass höher ist als in Fukushima und laufend weiter verbessert wird. Deshalb haben sich seit dem Unfall im März 2011 schon mehrere Delegationen aus Japan in der Schweiz über die nukleare Sicherheit informiert.

Sicherheit als Daueraufgabe

Nationalrätin Corina Eichenberger, Präsidentin des Nuklearforums Schweiz, appellierte an die Öffentlichkeit, diese Fakten vorurteilslos zur Kenntnis zu nehmen. Sie mahnte aber zugleich, dass das gute Zeugnis bei den inzwischen erfolgten Sicherheitsüberprüfungen der Schweizer Kernkraftwerke nicht zu Selbstzufriedenheit führen dürfe.

«Sicherheit ist kein Zustand – Sicherheit ist ein Prozess», erklärte Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi). Der Unfall in Fukushima bringe neue Erkenntnisse und neue Verpflichtungen für weitere Nachrüstungen und Optimierungen der Sicherheit. «Die Erkenntnisse aus Fukushima machen unsere Kernkraftwerke noch sicherer», sagte Wanner. Der Ausstiegsbeschluss ändere nichts an der Schweizer Sicher-heitskultur: Das Ensi wacht über die Umsetzung der von der Politik vorgegebenen gesetzlichen Bestimmungen, während für die Sicherheit der Kernkraftwerke die Betreiber zuständig sind.

Umfassende Nachrüstungen vor Jahrzehnten

«Fukushima zeigte nicht das Restrisiko der Kernenergie», betonte Johannis Nöggerath, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft der Kernfachleute (SGK). Die in Fukushima nach der Überschwemmung durch Tsunamis aufgetretenen Probleme wie Stromausfall, Verlust der Kühlfähigkeit sowie Wasserstoffexplosionen sind in der Schweiz bereits vor zwei Jahrzehnten analysiert worden. Als Folge der damals durchgeführten Nachrüstungen auf den aktuellen Stand der Technik enthalten die Schweizer Kernkraftwerke all jene Vorsorgemassnahmen, die in Japan zur Beherrschung des Unfalls fehlten. Eine solche Sicherheitskultur war in Japan nicht vorhanden, machte Nöggerath deutlich. So habe die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) der Uno festgestellt, dass die Unfallursache auch in Defiziten bei Behördenaufsicht und Gesetzgebung lag.

Ein ähnlicher Technikstand gilt auch für die deutschen Kernkraftwerke, wie Prof. Frank-Peter Weiss von der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit ausführte. Deutsche Kernkraftwerke sind viel robuster gegen Stromausfall und naturbedingte Ereignisse wie Überflutungen gewappnet als die Anlagen in Fukushima.

Alles andere als ein Auslaufmodell

Angesichts ihrer ökonomischen und ökologischen Vorteile wird die Kernenergie weltweit auf höchstem Sicherheitsniveau weiterentwickelt, unter Einschluss der Lehren aus Fukushima. Anders als die Schweiz wollen zahlreiche Länder in Europa und Übersee in den kommenden Jahrzehnten ihren Kernkraftwerkspark mit modernen Anlagen der fortgeschrittenen, dritten Generation erneuern, ausbauen oder neu in diese Technologie einsteigen. Denn, wie Stephan Döhler, Leiter der Division Kernenergie der Axpo festhielt: «Die Kernenergie ist eine sichere, zuverlässige, wirtschaftliche und umweltschonende Form der Stromerzeugung mit einem beachtlichen Technologie-Potenzial in der Zukunft.»

Mit ihrem bisherigen Strommix aus Kernenergie und erneuerbaren Energien ist die Schweiz sehr gut gefahren. Das Nuklearforum Schweiz sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern. Die Schweizer Kernkraftwerke produzieren zuverlässig, umweltfreundlich und sicher rund 40% des Schweizer Stroms.

Kontakt: 

Matthias Rey
Media Relations
Nuklearforum Schweiz
Tel.: 031 560 36 50 E-Mail: matthias.rey@nuklearforum.ch