21.05.14

Erneuerung der Stromversorgung: Grossbritannien hat die Nase vorn

Jahresversammlung 2014 des Nuklearforums Schweiz
Die «Energiestrategie 2050» des Bundesrats ist voller Stolpersteine. Andere Länder verstehen die Kernenergie als Teil der Lösung der Energie- und Klimaproblematik. Auch das Nuklearforum Schweiz steht weiterhin für die Nutzung der Kernenergie ein. An der Jahresversammlung 2014 in Bern bezeichnete Präsidentin Corina Eichenberger das Resultat der Abstimmung über die Zukunft des Kernkraftwerks Mühleberg als Vertrauensvotum für die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke.

Die Jahresversammlung 2014 des Nuklearforums Schweiz stand unter dem Eindruck der Abstimmung über die kantonalbernische Volksinitiative «Mühleberg vom Netz», die am Sonntag mit 63,3% Nein-Stimmen verworfen wurde. «Das deutliche Votum gegen die sofortige Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerks Mühleberg zeigt, dass die Bevölkerung keinen überstürzten Atomausstieg will und eine vorzeitige Abschaltung nur aus politischen Gründen ablehnt», erklärte Nationalrätin Corina Eichenberger, Präsidentin des Nuklearforums Schweiz, zur Eröffnung der Jahresversammlung. Die Berner Stimmbevölkerung habe damit ein deutliches Signal an das Eidgenössische Parlament geschickt: Die Betreiberfirmen unter der Aufsicht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) wissen am besten, wie der sichere Betrieb der Schweizer Kernkraftwerke gewährleistet werden kann.

«Die Gleichungen gehen nicht auf, das Gebäude ist nicht stabil»
Der bekannte Publizist Jens Lundsgaard-Hansen, Autor des Buches «Energiestrategie 2050 – das Eis ist dünn», ging an der Jahresversammlung den Problemen der Ausstiegspolitik auf den Grund. Er bezeichnete die vom Bundesrat vorgeschlagene Energiepolitik als weder durchdacht noch fundiert. Inzwischen sei Ernüchterung eingekehrt, nachdem es wenige Wochen nach Fukushima geheissen hat: «weg mit der Kernenergie, und weg mit drei Vierteln des Heizöls und Benzins!» Lundsgaard-Hansen zeigte die schwerwiegenden Konstruktionsfehler der Vorlage auf, die mittlerweile zur Grossbaustelle des Parlaments geworden ist. Sein Fazit ist klar: Die Gleichungen gehen nicht auf, das Gebäude ist nicht stabil.

Nicht nur Grossbritannien setzt auf Kernenergie
Den zur «Energiestrategie 2050» diametral entgegengesetzten Weg geht das Vereinigte Königreich, das seine heutigen Kernkraftwerke in den kommenden Jahren mit Neubauten der modernsten dritten Generation ersetzen will. Lady Barbara Judge, Vorsitzende des Energy Institute am University College in London, nannte die Gründe für diesen Richtungsentscheid. In der Energiepolitik gelte es, drei Aspekte zu berücksichtigen: Versorgungsicherheit, Unabhängigkeit und Klimaschutz. Die Kernenergie sei, so Lady Judge, die einzige effiziente Technologie, die all diesen Ansprüchen genügt. Zu diesem Schluss sind neben Grossbritannien zahlreiche weitere Länder in und ausserhalb Europas gekommen.

Derzeit stehen weltweit rund 70 Kernkraftwerke in 16 Ländern im Bau. Projektiert sind über 150 Anlagen in 20 Ländern.