11.05.12

Ernüchterung über Atomausstieg

Ernüchterung im grauen Energiealltag: Ein Jahr nach der überstürzten Ausstiegsankündigung des Bundesrats bleibt die Energiepolitik ohne feste Konturen. Widersprüche mit der Klimapolitik und Interessenkonflikte mit dem Schutz von Natur und Landschaft werden sichtbar. An seiner Jahresversammlung am Freitag in Bern zog das Nuklearforum Schweiz eine erste Zwischenbilanz.

«Wir brauchen Zahlen und Fakten. Das Prinzip Hoffnung taugt schlecht als Leitplanke für unsere Strompolitik», erklärte Nationalrätin Corina Eichenberger, Präsidentin des Nuklearforums Schweiz an der Jahresversammlung. Der Blick ins Ausland zeige, dass es in den meisten Ländern mit Kernenergie kaum Anzeichen für einen Verzicht gebe. «Auch wir im Nuklearforum Schweiz sind von den Stärken der Kernenergie überzeugt», machte sie deutlich. «Wir halten den Verzicht auf die Kernenergie für den falschen Weg. Günstige Energiepreise und hohe Versorgungssicherheit waren bisher einer der Standortvorteile für Gewerbe und Industrie in der Schweiz».

Beschränkte Effizienzpotenziale
Unterstützung erhielt sie von Urs Näf, dem stellvertretenden Leiter des Bereichs Infrastruktur, Energie und Umwelt von economiesuisse. Für den Wirtschaftsdachverband leitet die absehbare Verschlechterung der Versorgungslage und die Aussicht auf massiv steigende Strompriese eine bedenkliche Entwicklung ein. Näf warnte vor Selbsttäuschungen: «Unsere Studien zeigen, dass die Effizienzpotenziale im Industrie- und Dienstleistungsbereich wesentlich tiefer sind, als die neue Energiepolitik annimmt.» Zudem sei inzwischen klar, dass der Schweizer Strommix nach dem Atomausstieg wesentlich mehr Erdgas und Importe beinhalten werde.

Tiefer Eingriff in die Volkswirtschaft
Die bisherigen deutschen Erfahrungen mit dem Atomausstieg belegen, dass die Hürden der praktischen Umsetzung sehr hoch sind. «Die Energiewende ist ein äusserst ambitioniertes Programm, das tief in die Grundfesten einer Volkswirtschaft eingreift», bestätigte Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums. «Aktuell profitiert Deutschland stark von Erzeugungstechnologien in den Nachbarländern», relativierte er das deutsche Ausstiegs-modell. Güldner warb für einen gesamteuropäischen Ansatz zur Lösung der anstehenden Probleme. «Um soziale Akzeptanz zu erreichen, ist eine realisierbare Perspektive nötig.»

Nutzen bestimmt Wahrnehmung
Das gilt auch für die Schweiz. Zwar ging die Akzeptanz der Kernenergie nach dem Unfall in Fukushima etwas zurück, wie der Psychologe Michael Siegrist, Professor am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich, darlegte. Die Daten zeigten aber, dass auch nach Fukushima der wahrgenommene Nutzen die Einschätzung der Kernenergie dominiere, und weniger die Risiken. «Sollte sich die Energiewende als Illusion erweisen, dann dürfte die Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung wieder rasch zunehmen», sagte Siegrist.

Überzeugende Stärken der Kernenergie
Mit ihrem Strommix aus Kernenergie und erneuerbaren Energien ist die Schweiz bis heute sehr gut gefahren. Das Nuklearforum Schweiz sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern. Die Schweizer Kernkraftwerke produzieren zuverlässig, umweltfreundlich und sicher rund 40% des Schweizer Stroms.

Kontakt: 
Matthias Rey
Media Relations Nuklearforum Schweiz
Tel.: 031 560 36 50
E-Mail: matthias.rey@nuklearforum.ch