09.10.14

Schweizer Energiepolitik: Kehrtwende im Alleingang

Kein anderes Land der Welt will wegen Fukushima die Kernenergie aufgeben
Als einziger Staat der Welt soll die Schweiz nach Fukushima ihre Energiepolitik auf den Kopf stellen. Keine andere Regierung hat nach dem Reaktorunfall in Japan eine solche Kehrtwende eingeleitet wie der Schweizerische Bundesrat. Dieser will längerfristig auf die Kernenergie als bewährte Stütze der Schweizer Stromversorgung verzichten. Dabei ist die Schweiz heute nicht zuletzt dank ihres Strommix aus Wasserkraft und Kernenergie Weltmeister in der umwelt- und ressourcenschonenden Energieversorgung.

Der Reaktorunfall von Fukushima hatte weltweit nicht derart weitreichende energiepolitische Folgen wie verschiedentlich berichtet wird. Ausser der Schweiz hat kein Land nach dem Erdbeben und Tsunami vom März 2011 in Japan den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen – und auch hier ist der Beschluss noch nicht bestätigt. Wenn die Schweiz wie in der Energiestrategie 2050 des Bundesrates geplant wegen Fukushima den Bau neuer Kernkraftwerke verbietet, setzt sie ihren ersten Platz im Ranking der nachhaltigen Energieversorgung aufs Spiel. Diesen Spitzenplatz erhielt sie unter anderem dank des Beitrags der Kernenergie zu einer umweltschonenden und nahezu CO2-freien Stromproduktion (siehe auch http://www.worldenergy.org/data/sustainability-index/). Nur Italien und Venezuela haben ihre Haltung zur Kernenergie nach den Ereignissen in Japan revidiert und den Einstieg respektive Wiedereinstieg abgebrochen. Deutschland hat zwar im Jahr 2011 das Tempo des Ausstiegs erhöht, doch dort war er schon lange zuvor beschlossen worden. Auch Belgien und Spanien wollen nicht erst seit dem Fukushima-Unfall aussteigen.

Auf diesen Sachverhalt hat das Nuklearforum kürzlich in einer formellen Beschwerde über eine Aussage in der Sendung «10vor10» von Schweizer Radio und Fernsehen hingewiesen. Siehe auch http://www.srf.ch/tv/allgemein/korrekturen

71 Reaktoren im Bau und über 150 projektiert
Andererseits anerkennen nach wie vor die meisten Staaten mit Kernkraftwerken die Vorzüge der Kernenergie. So befinden sich in 15 Ländern insgesamt 71 Kernkraftwerke im Bau. China und Russland liegen an der Spitze, aber auch in den USA und in Europa wird gebaut. Grossbritannien ist nur ein Beispiel jener Staaten, die heute Kernkraftwerke betreiben und mit zahlreichen angekündigten Neubauten weiterhin auf die Kernenergie setzen. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe Länder, die den Neueinstieg planen (siehe Grafik). 


Ausrichtung der Kernenergiepolitik nach Fukushima: Kehrtwende nur in der Schweiz

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