31.10.16

Verordneter Atomausstieg: der Tunnel am Ende des Lichts?

Diskussionsrunde zur Atomausstiegsinitiative
(Aarau, 31.10.2016) Auf Einladung des Nuklearforums Schweiz haben heute in Aarau Vertreter der Stromwirtschaft, der Wissenschaft und der Politik über die Atomausstiegsinitiative informiert und debattiert.

Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, Präsident des Nuklearforums, begrüsste die rund 100 Gäste in Aarau mit einer Warnung: «Bei Annahme der Ausstiegsinitiative müssten wir in kürzester Zeit eine gewaltige neue Kraftwerkskapazität hinstellen – oder wir werden vom Ausland abhängig.» Da die Nachbarstaaten der Schweiz zeitweise selbst auf Importe angewiesen sind, sei dies «eine Abhängigkeit auf Gedeih und Verderb».

Kurt Rohrbach, Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, verwies in seinem Referat auf die im internationalen Vergleich hervorragende Energieversorgung der Schweiz. Er verglich den Energiemix mit einem Sportteam, wo es angebracht sei, «mit der Zeit Spieler auszutauschen und Neue einzubinden». Doch ein guter Trainer tue dies nicht, indem er von heute auf morgen fast die halbe Mannschaft entlässt – «mit dem Hinweis, sich bitte ohne Folgen für die Teamstärke möglichst schnell zurückzuziehen». Es sei absurd, ohne konkreten Plan darauf zu bauen, «möglichst schnell Jungtalente zuzukaufen, um so irgendwie wieder zu einem kompetitiven Team zu kommen». Genau dies verlangt laut Rohrbach die Atomausstiegsinitiative und deshalb sei sie abzulehnen.
 
«Ein polit-ökonomischer Jahrhundertfehler»
Ökonom Slivio Borner nannte den Atomausstieg einen «Jahrhundertfehler». Neben der Schweiz versuche niemand, «Nuklearstrom durch Flatterstrom zu ersetzen – ausser Deutschland mit seinen immensen Kohle-Reserven, die auch vermehrt eingesetzt werden.» Als Ersatz für die Kernkraft kämen laut Borner nur flexible Fossilkapazitäten wie Gaskraftwerke und/oder Importe von Strom aus Kohle-, Gas-, oder Kernkraftwerken infrage. «Technisch ist fast alles machbar, aber wirtschaftlich ist nur ganz wenig», so Borner. Die Stromversorgung mit 100% Wind- und Sonnenstrom sei denn auch «eine bestenfalls technisch vorstellbare Extremlösung, aber mit Sicherheit eine ökonomische Utopie.»

An der anschliessenden Podiumsdiskussion debattierten Rohrbach und Borner mit Prof. Dr. Anton Gunzinger, ETH, und Nationalrat Balthasar Glättli, Grüne Partei Schweiz.
 

Kontakt: 

Beat Bechtold, Geschäftsführer
Nuklearforum Schweiz, Postfach 1021, 3000 Bern 14
Tel.: 079 579 11 02    E-Mail: beat.bechtold@nuklearforum.ch