Fusionsanlage Wendelstein 7-X nimmt Betrieb auf

In der Fusionsanlage Wendelstein 7-X im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald wurde das erste Plasma erzeugt. Es bestand aus Helium, hatte eine Zehntelsekunde Bestand und erreichte eine Temperatur von rund einer Million Kelvin (K).

11. Dez. 2015
Die Fusionsanlage Wendelstein 7-X aufgenommen im Dezember 2015.
Die Fusionsanlage Wendelstein 7-X aufgenommen im Dezember 2015.
Quelle: IPP, Thorsten Bräuer

Nach rund zehn Jahren Bauzeit und Vorbereitungsarbeiten wurde am 10. Dezember 2015 in der Fusionsanlage Wendelstein 7-X im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern das erste Helium-Plasma erzeugt. Dazu speiste eine computergeregelte Experimentsteuerung rund ein Milligramm Heliumgas in das leergepumpte Plasmagefäss ein und schaltete die Mikrowellenheizung für einen kurzen 1,8-Megawatt-Puls an. Anschliessend konnte das Plasma mit Kameras und Messgeräten beobachtet werden. Der Plasmazustand dauerte rund eine Zehntelsekunde an und eine Temperatur von rund einer Million K wurde erreicht.

Das IPP will im nächsten Schritt die Dauer der Plasmaentladungen verlängern und untersuchen, wie Helium-Plasmen durch Mikrowellen am besten zu erzeugen und aufzuheizen sind. Im Januar 2016 geht es laut IPP mit Einschlussstudien weiter, die das erste Plasma aus Wasserstoff vorbereiten.

10. Dezember 2015: Das erste Plasma in Wendelstein 7-X. Es bestand aus Helium, der Zustand dauerte eine Zehntelsekunde an und es erreichte eine Temperatur von rund einer Million Kelvin. (Eingefärbtes Schwarz-Weiss-Foto)
10. Dezember 2015: Das erste Plasma in Wendelstein 7-X. Es bestand aus Helium, der Zustand dauerte eine Zehntelsekunde an und es erreichte eine Temperatur von rund einer Million Kelvin. (Eingefärbtes Schwarz-Weiss-Foto)
Quelle: IPP

Kraftwerktauglichkeit von Stellaratoren beweisen

Der Wendelstein 7-X ist die grösste Stellarator-Fusionsanlage der Welt. Sie soll die Eignung dieses Bautyps für den Kraftwerksbetrieb untersuchen. Energielieferndes Plasma, wie es der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor (Iter) des Typs Tokamak erzeugen soll, erwarten die Verantwortlichen in Greifswald nicht. Mit Wendelstein 7-X soll dennoch ein Plasmagleichgewicht und -einschluss erstmals in einer Qualität, die der eines Tokamaks ebenbürtig ist. Mit 30 Minuten langen Entladungen soll die Anlage laut IPP zudem die Fähigkeit zum Dauerbetrieb demonstrieren, der ein entscheidender Vorteil der Stellaratoren ist. Tokamaks können ohne aufwendige Zusatzmassnahmen lediglich in Pulsen arbeiten.

Kosten

Die von der deutschen Regierung, dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und der EU getragenen Investitionskosten für Wendelstein 7-X beliefen sich auf EUR 370 Mio. (CHF 400 Mio.). Die Bauteile fertigten Firmen in ganz Europa und Aufträge im Wert von weit über EUR 70 Mio. (CHF 75 Mio.) gingen an Unternehmen in der Region. Zahlreiche Forschungseinrichtungen im In- und Ausland waren am Aufbau der Anlage beteiligt.

Quelle

M.Re. nach IPP, Medienmitteilungen, 10. Dezember und 30. November 2015

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