19.09.2007

Aufträge für Tschernobyl-Standortsanierung erteilt

Das staatliche ukrainische Unternehmen Chernobyl Nuclear Power Plant (ChNPP) hat am 17. September 2007 zwei Schlüsselaufträge für die Langzeitsanierung von Tschernobyl erteilt: Das französische Konsortium Novarka wird eine neue Sicherheitshülle für die 1986 zerstörte RBMK-Einheit Tschernobyl-4 bauen und die amerikanische Holtec International das Langzeit-Trockenlager für die bestrahlten Brennelemente aus den Einheiten 1, 2 und 3 fertigstellen.

Die Auftragserteilung erfolgte nach längerer Evaluierung der eingereichten Offerten und der Finanzierungsgutsprache durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), welche die international für diese Projekte geäufneten Fonds verwaltet. In einer Medienmitteilung kündigte die Bank die Unterzeichnung der Verträge als eigentlichen «Durchbruch» und «grossen Schritt vorwärts» an, um den Standort Tschernobyl für die Umwelt sicherer zu machen.

New Safe Containment bis 2012 fertig

Das Konsortium Novarka - das im Wesentlichen aus den beiden französischen Baugruppen Vinci Construction Grands Projets als Geschäftsführerin und Bouygues Travaux Publics als gleichberechtigte Partnerin besteht - hat den Auftrag zur Auslegung und zum Bau der New Safe Containment genannten Einschlusshülle erhalten. Die Arbeiten sollen im Oktober 2007 beginnen und 53 Monate dauern. Davon sind 18 Monate für die ingenieurtechnische Auslegung und Bewilligung vorgesehen. Die Vinci gibt als Auftragswert EUR 432 Mio. (CHF 712 Mio.) an. Die EBRD beziffert die Gesamtkosten - einschliesslich aller Vorbereitungsarbeiten seit 1997 und bis zum Abschluss aller Projekte im Rahmen des Shelter Implementation Plan - jetzt auf USD 1,39 Mrd. (CHF 1,65 Mrd.).

Das New Safe Containment ist eine 105 m hohe und 150 m lange Halle mit einer freien Spannweite von 257 m. Sie wird östlich des zerstörten Reaktors aufgestellt, wobei allein für das Skelett 18'000 t Metallteile verbaut werden sollen. Die fertige Konstruktion wird dann über den bestehenden, 1986 in aller Eile erstellten und im letzten Jahr sanierten Schutzbau - den sogenannten Sarkophag - geschoben. Eine Belüftung und weitere Einrichtungen werden dafür sorgen, dass keine radioaktiven Stoffe in die Umgebung austreten. Im Schutz der Sicherheitshülle kann der zerstörte Reaktor abgetragen werden, ohne die Umwelt zu gefährden.

Fertigstellung des Zwischenlagers

Den zweiten Auftrag bezeichnete die EBRD als ebenso wichtig. Es geht um die Fertigstellung des Trockenlagers für die über 20'000 bestrahlten Brennelemente aus den Reaktorblöcken 1-3. Ursprünglich sollte ein internationales Konsortium unter der Führung der französischen Areva NP dieses Zwischenlager errichten, in welchem der Brennstoff bis zu 100 Jahre bleiben kann. Nach erheblichen Differenzen zwischen dem Konsortium und der ChNPP wurden die Arbeiten 2003 sistiert und im April 2007 der Vertrag im Rahmen einer gütlichen Einigung vorzeitig beendet.

Die jetzt bei der amerikanischen Holtec International in Auftrag gegebene Fertigstellung umfasst eine rund 18 Monate dauernde Auslegungs- und Bewilligungsphase gefolgt von der Lieferung und Installation der Einrichtungen. Ein Teil der Brennelemente befindet sich heute noch in den Lagerbecken der drei stillgelegten Reaktorblöcke, der Rest in einem nassen Zwischenlager, das spätestens 2016 zu räumen ist. Sobald sich der Brennstoff im Trockenlager befindet, kann der Rückbau der Reaktorblöcke beginnen.

Die Holtec International baut in der Ukraine im Rahmen eines im Dezember 2005 erteilten Auftrags der Kernkraftwerksbetreiberin Energoatom bereits ein zentrales Trockenlager für den verbrauchten Brennstoff aus den Kernkraftwerken Chmelnizki, Rowno und Süd-Ukraine.

Quelle: 
P.B. nach EBWE, Pressemitteilung, und NucNet, beide 17. September 2007