18.03.2003

Calder Hall: KKW-Doyen tritt ab

Nach fast 47 Betriebsjahren ging Ende März 2003 auch Block 1 des britischen Kernkraftwerks Calder Hall endgültig vom Netz.

Damit setzt die Betreiberin, die BNFL, eine schon Mitte 2002 angekündigte Massnahme um. Als Grund für die endgültige Abschaltung nennt die BNFL wirtschaftliche Überlegungen. Das Kraftwerk Calder Hall erfüllte zwar noch alle Sicherheitsforderungen, doch die aus heutiger Sicht geringe Blockleistung von 50 MW führte zu relativ hohen Fixkosten und auch die Brennstoffkosten fielen immer mehr ins Gewicht. Die heute in Grossbritannien zu erzielenden Preise für Grundlaststrom deckten diese Kosten nicht mehr. Die Blöcke 2-4 waren schon seit 2001 abgeschaltet.
Calder Hall war das weltweit erste kommerzielle Kernkraftwerk. Es bestand aus vier gasgekühlten, mit Grafit moderierten Magnox-Blöcken mit einer elektrischen Nettoleistung von je 50 MW. Das Kraftwerk am Standort Sellafield in der Grafschaft Cumberland wurde 1956 von der englischen Königin Elisabeth II feierlich eröffnet, als der Block 1 in den kommerziellen Betrieb ging. Die Blöcke 2-4 folgten 1957-1959. Parallel dazu baute Grossbritannien in der ehemaligen schottischen Grafschaft Dumfries baugleich das Kernkraftwerk Chapelcross. Es wird heute ebenfalls von der BNFL betrieben, die es spätestens in zwei Jahren endgültig abzuschalten plant. Ein Teil der heute rund 800 Mitarbeiter wird an den beiden Standorten weiterbeschäftigt, um den Abbruch vorzubereiten. Den übrigen bietet die BNFL individuelle Lösungen an.

Quelle: 
P.B. nach NucNet, 19. März 2003, und BNFL-Medienmitteilung, 21. Juni 2002