08.06.2020

ElCom zur inländischen Winterproduktion

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) hat sich an ihrer Jahresmedienkonferenz unter anderem zur inländischen Winterproduktion und Importsituation geäussert.

Aus Sicht der ElCom ist bei der Betrachtung der Versorgungssicherheit das Winterhalbjahr zentral. In den vergangenen zehn Wintern hat die Schweiz im Durchschnitt pro Winterhalbjahr netto rund vier Terawattstunden (TWh) Strom importiert. Vor diesem Hintergrund plädiert die ElCom dafür, mit dem Wegfall der Schweizer Kernkraftwerke den Netto-Import im Winterhalbjahr nicht über zehn TWh steigen zu lassen und entsprechend im Inland Anreize zu schaffen für die Aufrechterhaltung einer substantiellen Stromproduktion im Winter aus neuen Erzeugungskapazitäten. Bei der zukünftigen Entwicklung gilt es, den mit den Klimazielen verbundenen Verbrauchszuwachs sowie die vorrausichtlich abnehmende Exportfähigkeit der Nachbarländer zu berücksichtigen. Die ElCom hält geeignete Massnahmen für den Zubau von fünf bis zehn TWh inländischer Winterproduktion für unerlässlich.

Grundlagenpapier

Die ElCom hatte bereits im Februar 2020 ein Grundlagenpapier zu den Rahmenbedingungen für die Sicherstellung einer angemessenen Winterproduktion veröffentlicht. Darin erwähnt sie die für das Jahr 2025 durchgeführten Sicherheitsberechnungen. Die ElCom kommt basierend auf diesen Berechnungen zum Schluss, dass – insbesondere ohne die beiden Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt – die Importabhängigkeit und die damit verbundenen Risiken die Wahrscheinlichkeit für Versorgungsengpässe gerade im Winterhalbjahr markant ansteigen lassen. Die Risiken sind besonders die Exportfähigkeit und -willigkeit der Nachbarländer (rückläufige steuerbare Produktion) sowie mögliche Netzengpässe. Aus diesem Grund stellt sich laut ElCom die Frage, ob langfristig, aber spätestens bei der Ausserbetriebnahme der beiden grossen Kernkraftwerke, die mit der Energiestrategie 2050 beschlossenen Massnahmen ausreichen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Das vorhandene Potenzial für zusätzliche Produktion aus erneuerbarer Energie wäre laut ElCom zwar ausreichend gross, um einen substanziellen Teil der wegfallenden Winterproduktion aus den Kernkraftwerken von rund 14 TWh zu kompensieren. Allerdings erscheint ihr der Ausbau mittels Wind und Geothermie im benötigten Umfang als unwahrscheinlich und der bisherige Zubau von Photovoltaik mit den günstig erschliessbaren Flächen hat bislang lediglich zu einer Jahresproduktion von 1,7 TWh geführt. Es ist nicht davon auszugehen, dass das vorhandene Potenzial an erneuerbarer Energie mit den aktuellen Rahmenbedingungen umfassend erschlossen werden kann.

In Anbetracht der tiefen Preise auf den Grosshandelsmärkten kann auch in der Schweiz nicht erwartet werden, dass in den nächsten Jahren umfangreich in die Produktion investiert wird. Da die Fördergelder begrenzt sind, kommt die ElCom zum Schluss, dass die Überprüfung der Rahmenbedingungen für die Winterproduktion zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit an die Hand genommen werden muss. Ohne zusätzliche Massnahmen erscheint es sonst als sehr wahrscheinlich, dass ein Grossteil der wegfallenden Kernenergie künftig primär durch Importe ersetzt werden muss – wobei bezüglich der zukünftigen Exportfähigkeit und Exportwilligkeit der Nachbarländer erhebliche Unsicherheiten bestehen.

Quelle: 
M.A. nach ElCom, Medienmitteilung, 1. Juni, und Grundlagenpapier «Rahmenbedingungen für die Sicherstellung einer angemessenen Winterproduktion – Einschätzung der ElCom», 27. Februar 2020