17.11.2011

Ensi akzeptiert Verbesserungsvorschläge im Grundsatz

Die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke haben im Auftrag des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) dargelegt, wie sie die festgestellten Schwachstellen in den Bereichen Lagerung der Brennelemente und diversitäre Kühlwasserversorgung beheben wollen. Das Ensi hat die Lösungsansätze grundsätzlich akzeptiert, jedoch teilweise Vorgaben für die noch einzureichenden Freigabeanträge gemacht.

Nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima-Daiichi hatte das Ensi von den Kernkraftwerken bis zum 31. März 2011 einen Bericht zur Kühlwasserversorgung der Sicherheits- und Hilfssysteme sowie zur Sicherheit und Überwachung der Brennelementlagerbecken verlangt. Das Ensi stellte nach der Überprüfung der Eingaben Schwachstellen im Bereich Lagerung der Brennelemente und im Fall des Kernkraftwerks Mühleberg bei der Kühlmittelversorgung der Sicherheits- und Hilfssysteme fest. Daraufhin forderte das Ensi die Betreiber auf, Massnahmenvorschläge zur Behebung der genannten Schwachstellen bis am 31. August 2011 einzureichen. Diese wurden von den Betreibern ebenfalls fristgerecht vorgelegt und inzwischen vom Ensi beurteilt. Es kam zu folgenden Schlussfolgerungen:

KKW Beznau: Mit den geplanten Ertüchtigungsmassnahmen zur Verbesserung des Erdbebenverhaltens des Brennelementlagerbecken-Lagergebäudes, der Errichtung eines zusätzlichen Brennelementlagerbecken-Kühl- und Nachspeisesystems, der Erweiterung des bestehenden alternativen Brennelementlagerbecken-Kühlsystems um eine Nachspeisemöglichkeit, der Nachrüstung einer Druckentlastungsleitung zur Wärmeabfuhr aus dem Brennelementlagerbecken-Lagergebäude sowie einer störfallfesten Instrumentierung für die Füllstands- und Temperaturüberwachung der Brennelementlagerbecken sind die Forderungen erfüllt. Das Ensi hat zusätzliche Vorgaben in die Stellungnahme aufgenommen, die bei Einreichung der Antragsunterlagen in den nachfolgenden Verfahrensschritten zu berücksichtigen sind. Die Nachrüstung des Brennelementlagerbecken-Nachspeisesystems, die Erweiterung des bestehenden alternativen Brennelementlagerbecken-Kühlsystems sowie ein Teil der Brennelementlagerbecken-Instrumentierung sollen Ende 2012 und die Umsetzung der weiteren Massnahmen soll bis Ende 2014 abgeschlossen sein.

KKW Gösgen: Der Lösungsvorschlag erfüllt in wichtigen Punkten wie der sicherheitstechnischen Klassierung sowie der Anzeige der Messungen im Hauptkommandoraum und im Notstandleitstand die Anforderungen der Ensi-Richtlinie. Das Ensi erwartet jedoch, dass vom Betreiber im Freigabeantrag detailliert aufgezeigt wird, wie bei einem Ausfall die Informationen durch ein redundantes System oder innerhalb der notwendigen Zeit der Ausfall behoben werden kann. Die Umsetzung findet mit der Jahresrevision 2012 statt.

KKW Leibstadt: Die beschriebene Nachrüstung einer störfallsicheren Füllstands- und Temperaturüberwachung der Brennelementlagerbecken entspricht den Anforderungen. Die Umsetzung erfolgt bis Ende 2013.

KKW Mühleberg: Die vom KKM ausgearbeiteten Nachrüstungen eines Kompaktkühlturms, eines zusätzlichen Brennelementlagerbecken-Einhängekühlsystems und -Nachspeisesystems sowie einer störfallsicheren Füllstands- und Temperaturüberwachung der Brennelementlagerbecken erfüllen grundsätzlich die Verfügung. Für die beschriebenen Nachrüstungen fordert das Ensi jedoch bei verschiedenen Aspekten eine vertiefte Prüfung und weitere Unterlagen. Das Brennelementlagerbecken-Nachspeisesystem wird in der ersten Hälfte 2012 realisiert. Die Freigabeanträge für die übrigen Nachrüstungen sind bis am 30. Juni 2012 einzureichen. Das Ensi wird diese im Rahmen der sicherheitstechnischen Stellungnahme zum Langzeitbetrieb des Kernkraftwerks zusammen mit weiteren geplanten Nachrüstungen ganzheitlich prüfen und bewerten.

Das Ensi veröffentlichte seine Stellungnahmen unter www.ensi.ch.

Das vom Ensi verlangte Brennelementlagerbecken-Nachspeisesystem im Kernkraftwerk Mühleberg wird in der ersten Hälfte 2012 realisiert.
Quelle: Ensi

Noch zwei Nachweise ausstehend

Insgesamt forderte das Ensi von den Betreibern drei Nachweise:

  • Nachweis der Beherrschung des 10'000-jährlichen Hochwassers bis zum 30. Juni 2011
  • Nachweis der Beherrschung des 10'000-jährlichen Erdbebens bis zum 31. März 2012
  • Nachweis der Beherrschung der Kombination von schweren Erdbeben und gleichzeitigem, erdbebenbedingtem Versagen der Stauanlagen im Einflussbereich des Kernkraftwerks bis zum 31. März 2012

Die Betreiber müssen bis zu diesen Daten nachweisen, dass ein Schadensfall mit erhöhter Strahlenbelastung ausgeschlossen werden kann. Wenn nicht, wird das Ensi die vorläufige Ausserbetriebnahme des entsprechenden Kraftwerks verfügen. Allfällige Nachrüstmassnahmen wären umzusetzen, während das Kernkraftwerk abgeschaltet ist.

Quelle: 
M.A. nach Ensi, Medienmitteilung, 15. November 2011