01.03.2021

Estland: Finanzierung für Planungsverfahren von SMR gesichert

Die estnische Fermi Energia hat die benötigten EUR 2,5 Mio. aufgebracht, um das offizielle Planungsverfahren für den Einsatz eines kleinen, modularen Reaktors (Small Modular Reactor, SMR) im baltischen Land lancieren zu können. Dies teilte der Geschäftsführer des Energie-Start-up, Kalev Kallemets, der internationalen Kernenergie-Nachrichtenagentur NucNet mit.

Gegenüber NucNet sagte Kallemets, die Crowdfunding-Kampagne des Unternehmens auf der in Estland ansässigen Handelsplattform Funderbeam hätte über 1600 Investoren gewonnen, von denen 95% aus Estland stammten. Laut Kallemets haben 1641 Investoren insgesamt rund EUR 4,4 Mio. zugesagt, von denen die Fermi Energia EUR 2 Mio. angenommen hat. Die Fermi Energia gab zudem bekannt, dass vorbereitende Planungsaktivitäten mit Mitteln in Höhe von EUR 560ʼ000 finanziert werden, die von estnischen Privatinvestoren und dem amerikanischen Risikokapitalfonds Last Energy VC kommen.

Damit habe die Fermi Energia die EUR 2,5 Mio. aufgebracht, die erforderlich sind, um das offizielle Planungsverfahren für den Einsatz eines SMR im baltischen Land zu beginnen, sagte Kallemets. In diesem Verfahren wird der Bau eines SMR unter ökologischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und nationalen Sicherheitsgesichtspunkten analysiert und potenzielle Standorte für das Kraftwerk ermittelt.

Die Fermi Energia wird voraussichtlich Ende 2021 ein Gesuch bei der Regierung stellen, um mit dem Planungsverfahren beginnen zu können. Die Behörden haben dann 90 Tage Zeit, sich zu entscheiden. Das Unternehmen schätzt die Kosten für Studien, Planung, Organisationsentwicklung, Umweltprüfung und Bewilligung im Zeitraum 2019–2029 auf etwa EUR 30 Mio. Das Planungsverfahren werde voraussichtlich vier bis fünf Jahre dauern. Laut Kallemets müsse die Fermi Energia diesen Zeitrahmen nutzen, um organisatorische Fähigkeiten, technisches Verständnis für SMR, die Geschäftsidee und den Finanzplan zu entwickeln. «Wir müssen in der Lage sein, der estnischen Regierung nach Abschluss des Planungsverfahrens ein überzeugendes Gesuch für den grundsätzlichen Entscheid einzureichen», erklärte Kallemets. Er hofft, das Gesuch bis 2026 fertiggestellt zu haben.

In Bezug auf die bevorzugte SMR-Technologie erwartet Kallemets, dass sich die Fermi Energia endgültig entscheidet, nachdem Prototypen von neuen Auslegungen verfügbar werden. Im Oktober 2019 hatte die Fermi Energia und die GE Hitachi Nuclear Energy (GEH) mit Sitz in den USA eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit beim potenziellen Einsatz des GEH-SMR BWRX-300 in Estland. Laut Kallemets verfolgt das Unternehmen auch das Genehmigungsverfahren für einen von der Rolls-Royce in Grossbritannien entwickelten SMR. Eine Absichtserklärung dazu soll in naher Zukunft unterzeichnet werden. Das Genehmigungsverfahren von SMR-Auslegungen in den USA und in Kanada werden laut Kallemets ebenfalls verfolgt, um festzustellen, welche Technologien geeignet sind.

Quelle: 
M.A. nach NucNet, 23. Februar 2021