26.11.2020

EU: Kernenergie als kohlenstoffarme Wasserstoffquelle

Die Europäische Kommission stuft aus Kernenergie erzeugten Wasserstoff als CO2-arm ein. Die hat Paula Abreu Marques, Leiterin des Referats für erneuerbare Energien und CCS-Politik in der Energiedirektion der EU-Kommission, vor dem Europäischen Parlament erklärt.

Am 8. Juli 2020 verabschiedete die Europäische Kommission die EU-Wasserstoffstrategie, in der dargelegt wird, wie Wasserstoff die Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr, Stromerzeugung und Gebäuden unterstützen kann. Die Strategie befasst sich mit den Investitionen, der Regulierung, der Schaffung von Märkten sowie der Forschung und Innovation, die erforderlich sind, um dies zu ermöglichen.

Die Strategie besagt, dass die Europäische Kommission zwischen 2020 und 2024 die Installation von mindestens 6 GW erneuerbaren Wasserstoffelektrolyseuren in der EU und die Produktion von bis zu 1 Mio t erneuerbaren Wasserstoffs unterstützt. Von 2025 bis 2030 müssen in der EU mindestens 40 GW erneuerbare Wasserstoffelektrolyseure installiert und bis zu 10 Mio. t erneuerbarer Wasserstoff produziert werden. Von 2030 bis 2050 sollten die erneuerbaren Wasserstofftechnologien ausgereift sein und in grossem Massstab in allen Sektoren, in denen die Dekarbonisierung schwierig ist, eingesetzt werden.

«Wasserstoff kann Sektoren mit Energie versorgen, die nicht für die Elektrifizierung geeignet sind, und die Energie speichern, um variable Energieflüsse aus erneuerbaren Energieträgern auszugleichen, aber dies kann nur durch auf EU-Ebene koordinierte Maßnahmen des öffentlichen und privaten Sektors erreicht werden», erklärte die Kommission. «Vorrangiges Ziel ist die Entwicklung von erneuerbarem Wasserstoff, der hauptsächlich mithilfe von Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird. Kurz- und mittelfristig sind jedoch andere Formen CO2-armen Wasserstoffs erforderlich, um die Emissionen rasch zu senken und die Entwicklung eines tragfähigen Marktes zu unterstützen», fügte sie hinzu.

Erzeugung von Wasserstoff

Als die Kommission ihre Wasserstoffstrategie vorstellte, führte sie das Konzept des «sauberen Wasserstoffs» in Bezug auf Herstellungsverfahren ein, bei denen erneuerbare Elektrizität verwendet wird. Diese Art der Wasserstoffproduktion steht im Mittelpunkt der EU-Strategie.

Die Strategie definiert demnach «erneuerbaren Wasserstoff» als «Wasserstoff, der durch Elektrolyse von Wasser (in einem elektrisch betriebenen Elektrolyseur) und mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. «CO2-armer Wasserstoff» umfasst fossilen Wasserstoff mit CO2-Abscheidung und strombasierenden Wasserstoff, wobei die über den gesamten Lebenszyklus entstehenden Treibhausgasemissionen im gesamten Lebenszyklus im Vergleich zur derzeitigen Wasserstoffproduktion erheblich verringert werden.

«Die Elektrolyse kann mit erneuerbarer Elektrizität durchgeführt werden. Dann wird der Wasserstoff als erneuerbar eingestuft», erklärte Marques am 16. November 2020 den EU-Parlamentsabgeordneten im parlamentarischen Ausschuss für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. «Wenn die Elektrolyseure an Kernkraftwerke angeschlossen werden, würde dies hingegen als CO2-armer Wasserstoff eingestuft werden», stellte Marques klar.

Diese Klarstellung der Europäischen Kommission war notwendig, denn in der Wasserstoffstrategie der EU wird die Kernenergie unter kohlenstoffarmen Stromquellen nicht ausdrücklich erwähnt.

Quelle: 
M.A. nach Euractiv, 20. November 2020, und Europäische Kommission, Medienmitteilung, 8. Juli 2020