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25.09.2012

Europäische Kommission finanziert Forschungszentrum in Rumänien

Die Europäische Kommission hat eine Finanzhilfe für eine EU-Forschungseinrichtung in Rumänien genehmigt, die unter anderem neue Möglichkeiten der Behandlung von Nuklearmaterial und radioaktiven Abfällen erkunden soll.

Mit dem Beschluss der Europäischen Kommission vom 18. September 2012 erhält die Forschungseinrichtung ELI-NP (Extreme Light Infrastructure – Nuclear Physics), die im rumänischen Atomforschungsinstitut Magurele errichtet wird, knapp EUR 180 Mio. (CHF 218 Mio.). Der Investitionsbeitrag stammt aus dem Strukturfonds der EU und deckt die erste Projektphase in den Jahren 2011–2015. Die Gesamtkosten belaufen sich auf EUR 356,2 Mio. (CHF 430 Mio.).

Aufbau einer international anerkannten Forschungsinfrastruktur

Die ELI-NP wird als gesamteuropäisches Labor dienen und eine breite Palette wissenschaftlicher Fachgebiete umfassen wie beispielsweise Grundlagenphysik, neue Nuklear- und Astrophysik sowie Material- und Biowissenschaft. Die Forscherinnen und Forscher werden ausserdem neue Möglichkeiten der Behandlung von Nuklearmaterial und radioaktiven Abfälle erkunden. Das Labor wird über ein Lasersystem verfügen, das kohärentes Licht sehr hoher Intensität (bis zu 1024 W/cm2) mit einer Feldstärke von 1015 V/m erzeugen kann. Zudem erhält Magurele eine brillante Gammastrahlquelle mit schmaler Bandbreite bei einer Energie von 19 MeV. Ziel ist die Förderung der nationalen und europäischen Forschung durch den Aufbau einer Forschungsinfrastruktur, die Fachleuten aus akademischen und privaten Forschungskreisen sowie Unternehmenskreisen offensteht. An der ELI-NP sind 40 Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen aus 13 Mitgliedstaaten beteiligt.

Vier ELI-Pfeiler

Da es sich bei der ELI-NP um ein sogenanntes Grossprojekt handelt, dessen öffentliche Gesamtkosten EUR 50 Mio. (CHF 60 Mio.) übersteigen, war ein spezieller Beschluss der Europäischen Kommission erforderlich. Die ELI-NP ist Teil des Projekts «Extreme Light Infrastructure», welches das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) 2006 zu einem der Schlüsselprojekte für die europäische Forschungsinfrastruktur erklärte. Das Projekt ist der zweite Pfeiler einer gesamteuropäischen Hochleistungs-Laserausrüstung. Im April 2011 hatte die Europäische Kommission EUR 236 Mio. (CHF 286 Mio.) für den ersten ELI-Pfeiler in der Tschechischen Republik genehmigt. Der Finanzierungsbeschluss für den dritten Pfeiler, einer Ausrüstung zur Erzeugung extrem kurzer Laserimpulse im ungarischen Szeged steht noch aus. Der Standort des vierten Pfeilers mit der Infrastruktur zur Erzeugung ultrahoher Feldstärken soll noch im laufenden Jahr bestimmt werden.

Quelle: 
M.A. nach EU-Kommission, Medienmitteilung, 18. September, und ELI, Medienmitteilung und Projektbeschrieb, 19. September 2012