19.11.2013

Frankreich: ausser Fessenheim keine weiteren Stilllegungen

Die französische Regierung wird keine weiteren Kernkraftwerkseinheiten stilllegen, nachdem die ältesten – Fessenheim-1 und -2 – in drei Jahren vom Netz gegangen sind. Dies bestätigte Arnaud Montebourg, französischer Industrieminister, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg News.

In einem Interview mit Bloomberg erklärte Montebourg, nach der endgültigen Abschaltung der beiden Einheiten des ältesten noch in Betrieb stehenden Kernkraftwerks Frankreichs – Fessenheim-1 und -2 – würden alle anderen Einheiten am Netz bleiben. «Meine Antwort ist nein, meine Antwort ist klar», betonte er und unterstrich: «Es ist nicht unsere Strategie.»

Die Zusicherung untergräbt das Wahlversprechen von Präsident François Hollande, den Kernenergieanteil an der Stromerzeugung von heute 75% bis 2025 auf 50% verringern zu wollen. Die Kernenergie biete einen Wettbewerbsvorteil für die französische Industrie, begründete Montebourg den Entscheid und stellte weiter fest: «Unsere nuklearen Investitionen ermöglichen es uns, wettbewerbsfähige Energiekosten zu haben, die tiefer sind als anderswo.»

Vom Entscheid alle nach der Stilllegung von Fessenheim verbleibenden Einheiten in Betrieb zu lassen, profitieren laut Patrick Hummel, Analyst der UBS AG in Zürich, nicht nur die Betreiberin Electricité de France (EDF), sondern auch ihre Kunden. Die Stromrechnungen werden so oder so ansteigen, aber eine frühzeitige Abschaltung weiterer Kernkraftwerke hätte diesen Trend noch beschleunigt, zitierte Bloomberg Hummel. Die EDF-Aktie sei dieses Jahr an der Pariser Börse um 84% geklettert, während die Aktien ihrer deutschen Konkurrentinnen E.On SE und RWE AG in Frankfurt gefallen seien. «Die Deutschen, welche die Kernkraft aufgegeben haben, sind nun gezwungen Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen», sagte Montebourg laut Bloomberg und weiter: «Sie sind jetzt die grössten Verschmutzer Europas.»
 

Arnaud Montebourg, französischer Industrieminister: «Die Kernenergie bietet einen Wettbewerbsvorteil für die französische Industrie.»
Quelle: Europäische Union
Quelle: 
M.A. nach Bloomberg News, 12. November 2013