25.06.2020

Grossbritannien: 10 GW neue Nuklearkapazität gefordert

Grossbritanniens Regierung soll sich jetzt für die Bereitstellung von mindestens 10 GW zusätzlicher Nuklearkapazität der neuen Generation III+ verpflichten. Zudem soll sie Entwicklungsprogramme für kleine modulare Reaktoren (SMR) und fortgeschrittene Reaktoren der Generation IV unterstützen. Dies fordert ein soeben veröffentlichter Bericht der Energy Systems Catapult.

Die Energy Systems Catapult ist eine britische Nichtregierungsorganisation mit Schwerpunkt Energiesektor. Ihr Ziel ist es, «die Transformation des britischen Energiesystems zu beschleunigen und sicherzustellen, dass britische Unternehmen und Verbraucher die Chancen eines sauberen Wachstums nutzen können».
 
Der neue Bericht der Energy Systems Catapult «Nuclear for Net Zero: a Whole Energy System Appraisal» ist eine technisch-ökonomische Bewertung der potenziellen Rolle und des Beitrags der Kernenergie zur Unterstützung verschiedener Dekarbonisierungspfade, damit Grossbritannien bis 2050 seine Nettoemissionen auf Null reduzieren kann, das heisst, kohlenstoffneutral wird. Die britische Regierung hat sich im Rahmen des Pariser Abkommens – so wie die Schweiz und viele andere Staaten auch – dazu verpflichtet. Der Bericht wurde von der Innovate UK finanziert, einer Organisation, die laut der britischen Regierung «eine nichtministerielle öffentliche Einrichtung ist, die unabhängig von der Regierung wirkt».

Der Bericht schlägt den Bau von 10 GW neuer Nuklearkapazität unter Verwendung der bestehenden Reaktortechnologie der Gen III+ vor und fordert parallel dazu stufenweise Entwicklungsprogramme für den Einsatz von Leichtwasser-SMR und von Reaktoren der fortgeschrittenen Generation IV. Die neue Nuklearkapazität könnte potenziell zwischen 2028 und 2035 in Betrieb genommen werden, sofern geeignete Projekte zum richtigen Zeitpunkt in Angriff genommen würden, so der Bericht. Er beschreibt auch, wie die Kernenergie eine Rolle bei der Förderung des Wachstums der Wasserstoffwirtschaft und der Bereitstellung von Fernwärme spielen könnte.

Die Nuclear Industry Association (NIA) begrüsste den Bericht und bezeichnete ihn als «eine detaillierte technische und wirtschaftliche Bewertung», aus der hervorgeht, dass die Lieferung eines Netto-Nullenergiesystems einen erheblichen Anteil an neuer Kernkraftkapazität beinhalten sollte. NIA-Chef Tom Greatrex erklärte, die Kosten könnten durch wiederholten Bau und neue Konstruktionstechniken gesenkt werden – aber auch und vor allem durch einen anderen Ansatz bei der Finanzierung. Er sagte, die Regierung müsse unbedingt die Prüfung der Finanzierungsoptionen für neue Kernkraftwerke abschliessen, damit die Industrie vorankomme.

Quelle: 
M.A. nach Energy Systems Catapult, Medienmitteilung und Zusammenfassung des Berichts «Nuclear for Net Zero: a Whole Energy System Appraisal», sowie NIA, Medienmitteilung, 18. Juni 2020