17.03.1999

Grossdemo gegen deutschen Kernenergie-Ausstieg

Etwa 35'000 Personen protestierten am 9. März 1999 in Bonn gegen die Absicht der deutschen Regierung, aus der Kernenergie auszusteigen.

Ein Sprecher des Deutschen Atomforums erklärte, das Ausmass der Demonstration - eine offizielle Schätzung der Polizei - zeige klar, dass nicht nur Führungspersönlichkeiten der Nuklearindustrie, sondern auch Arbeiter aus dem gesamten deutschen Energiesektor sich vehement gegen die Ausstiegspläne der Regierung stellen. Angestellte von rund 200 Unternehmen einschliesslich des holländischen Kernkraftwerks Borssele, der Electricité de France und der schweizerischen Colenco Power Engineering AG marschierten mit. Zur Kundgebung aufgerufen hatten die Gewerkschaft "Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr" ÖTV - ihr gehört die Mehrzahl der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter der deutschen Kernkraftwerke an - sowie die IG Metall und die IG BCE (Bergbau, Chemie und Energie).
"Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und lassen diese nicht auf dem Altar politischer Ideologien opfern", sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Alwin Fitting von der RWE Energie AG an der Protestaktion. Durch die Ausstiegspläne seien 10'000 Arbeitsplätze direkt in den Kernkraftwerken gefährdet, hinzu kämen weitere 40'000 Arbeitsplätze, die indirekt mit der Kernenergie verbunden seien. Berücksichtige man noch Zulieferer und Handwerker, seien insgesamt rund 150'000 Stellen von einem möglichen Ende der Kernenergie in Deutschland betroffen. Der ÖTV-Vorsitzende Herbert Mai betonte in seiner Rede: "Wir wollen keinen Kompromiss auf dem kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner zwischen Politik und EVU zulasten der Beschäftigten nach dem Motto: Kernenergie-Ausstieg in Deutschland, aber Strombezug aus dem Ausland. Das wäre der beschäftigungspolitische Super-Gau!"

Quelle: 
M.S. nach RWE Energie AG, Presseinformation, 9. März, und Mitteilung der Colenco Power Engineering AG, 18. März 1999