28.09.2021

IAEO erwartet Verdopplung der Kernenergiekapazitäten bis 2050

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hat zum ersten Mal seit dem Unfall in Fukushima-Daiichi vor zehn Jahren ihre Prognosen für das potenzielle Wachstum der Kernenergiekapazität zur Stromerzeugung in den kommenden Jahrzehnten nach oben korrigiert. Sie geht jetzt von einer Verdopplung bis 2050 aus.

Für die in Wien ansässige IAEO markiere die Änderung der jährlichen Prognose für diese kohlenstoffarme Energiequelle zwar noch keinen neuen Trend, komme aber in einer Zeit, in der die Welt im Kampf gegen den Klimawandel die Abkehr von fossilen Brennstoffen anstrebe. Viele Länder erwägen die Einführung der Kernenergie, um die zuverlässige und saubere Energieerzeugung zu steigern.
 
Im High-Case-Szenario ihres Berichts «Energy, Electricity and Nuclear Power Estimates for the Period up to 2050 – Edition 2021» erwartet die IAEO nun eine Verdoppelung der weltweiten Kernenergieerzeugungskapazität von 393 Gigawatt (GW) im letzten Jahr auf 792 GW bis 2050. Verglichen mit der letztjährigen High-Case-Projektion von 715 GW bis 2050 wurde die Schätzung um etwas mehr als 10% nach oben korrigiert. Die Verwirklichung des High-Case-Szenarios der IAEO würde jedoch erhebliche Massnahmen erfordern, einschliesslich einer beschleunigten Umsetzung innovativer Kerntechnologien. Die Low-Case-Projektionen zeigen, dass die weltweite Nuklearkapazität bis 2050 mit 392 GW im Wesentlichen gleich bleiben würde wie heute.
 
«Die neuen IAEO-Projektionen zeigen, dass die Kernkraft weiterhin eine unverzichtbare Rolle bei der kohlenstoffarmen Energieerzeugung spielen wird», sagte IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi. Die Ergebnisse des Berichts seien ein ermutigendes Zeichen für das wachsende Bewusstsein, dass die Kernenergie, die während ihres Betriebs kein Kohlendioxid ausstösst, für unsere Bemühungen, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, absolut unerlässlich seien.
 
Dem Bericht zufolge spiegeln die Prognosen für 2021 die wachsende Anerkennung der Problematik des Klimawandels und der Bedeutung der Kernenergie bei der Reduzierung der Emissionen aus der Stromerzeugung wider. Die Verpflichtungen im Rahmen des Pariser Abkommens von 2015 könnten die Entwicklung der Kernenergie unterstützen, wenn die erforderliche Energiepolitik und die Marktgestaltung Investitionen in kohlenstoffarme Technologien erleichtern. Die High-Case-Prognosen der IAEO für eine Verdopplung der Kernkraftkapazität bis 2050 liegen nahe an den Prognosen der Internationalen Energieagentur vom Mai dieses Jahres.
 
Nach der High-Case-Projektion der IAEO könnte die Kernenergie bis 2050 etwa 12% zur weltweiten Stromerzeugung beitragen, gegenüber 11% in der letztjährigen High-Case-Projektion für 2050. Im Jahr 2020 erzeugte die Kernenergie etwa 10% des weltweiten Stroms. Das Low-Case-Szenario blieb mit einem prognostizierten Anteil der Kernenergie von 6 % an der gesamten Stromerzeugung unverändert. Kohle bleibt mit einem Anteil von etwa 37 % im Jahr 2020 die dominierende Energiequelle für die Stromerzeugung und hat sich seit 1980 kaum verändert.
 
Neue kohlenstoffarme Technologien wie die nukleare Wasserstofferzeugung oder kleine und fortschrittliche Reaktoren werden für das Erreichen des Netto-Null-Ziels entscheidend sein. Die Kernenergie könnte Lösungen für den steigenden Stromverbrauch, die Luftqualität und die Sicherheit der Energieversorgung bieten. Viele Innovationen für den erweiterten Einsatz von Kerntechniken in verwandten Bereichen wie der Wärme- oder Wasserstofferzeugung seien bereits im Gang.

Quelle: 
S.D. nach IAEO, Medienmitteilung, 16. September 2021