08.01.2020

Philippsburg-2 endgültig vom Netz

Am 31. Dezember 2019 hat die deutsche Stromversorgerin EnBW Energie Baden-Württemberg AG Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg nach den Vorgaben des deutschen Atomgesetzes endgültig vom Netz genommen. In Deutschland produzieren damit noch sechs Kernkraftwerkseinheiten Strom.

Die EnBW beschrieb die Abschaltung von Philippsburg-2 in einer Mitteilung als ein technisches Standardverfahren, bei dem die Reaktorleistung durch das schrittweise Einfahren der Steuerstäbe in den Reaktorkern kontinuierlich abgesenkt wurde. Nach dem Absenken der Reaktorleistung erfolgte gegen 18.55 Uhr die Trennung des Generators vom öffentlichen Stromnetz.

35 Jahre am Netz

Philippsburg-2 ist ein Druckwasserreaktor mit einer installierten elektrischen Leistung von 1468 MW. Der Block hatte am 17. Dezember 1984 das erste Mal Strom in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Anlage produzierte in ihrer 35-jährigen Betriebszeit insgesamt über 375 Mrd. kWh elektrische Energie. Nach Angaben der EnBW deckte sie etwa ein Sechstel des Strombedarfs Baden-Württembergs.
 

Nun beginnt der Rückbau

Dass Philippsburg-2 Ende 2019 abgestellt wird, stand seit einer Änderung des Atomgesetzes im Jahr 2011 fest. Schon im Jahr 2012 hatte die EnBW eine umfassende Strategie für den Rückbau ihrer Kernkraftwerke festgelegt. Im Zuge der konsequenten Umsetzung dieser Strategie stellte die EnBW im Jahr 2016 frühzeitig beim Umweltministerium Baden-Württemberg den Antrag auf Stilllegung und Abbau dieses Blocks. Diese Genehmigung wurde vom Ministerium am 19. Dezember 2019 erteilt.

Die EnBW erklärte, dass auf den Erhalt der Genehmigung zunächst weitere formale Schritte folgen werden. So wird Anfang 2020 das neue, für den sogenannten Restbetrieb notwendige Betriebsreglement in Kraft gesetzt und die Genehmigung «in Anspruch» genommen. Danach ist eine behördliche Freigabe der detaillierten Beschreibung der ersten einzelnen Abbau-Vorhaben nötig. Dann kann mit der Vorbereitung der Abbautätigkeiten im engeren Sinne angefangen werden. Die nuklearen Systeme (beispielsweise der Primärkreislauf der Anlage) werden dekontaminiert. Einzelne, definierte Systeme können durch Freischaltung oder Entleerung ausser Betrieb genommen werden. Der eigentliche Rückbau beginnt unter anderem mit der Demontage der Hauptkühlmittelleitungen im zweiten Halbjahr 2020. Ein weiteres erstes Tätigkeitsfeld wird die Zerlegung der Einbauten des Reaktordruckbehälters sein. In ihrer aktuellen Abschätzung geht die EnBW davon aus, dass der Rückbau von Philippsburg-2 im atomrechtlichen Rahmen etwa 10–15 Jahre dauern wird.

Am Standort Philippsburg gut 25 km südlich von Mannheim stehen insgesamt zwei Reaktorblöcke. Diese produzierten in 40 Jahren insgesamt brutto über 570 Mrd. kWh Strom. Der Siedewasserreaktorblock Philippsburg-1 war von 1979 bis 2011 in Betrieb und wird seit 2017 rückgebaut. Am Standort sind derzeit rund 700 EnBW-Mitarbeiter beschäftigt.

Quelle: 
M.B. nach EnBW, Medienmitteilung, 31. Dezember 2019