22.09.2010

Südafrika: Ende für PBMR-Entwicklung

Die südafrikanische Regierung hat beschlossen, nicht mehr in den modularen Kugelhaufenreaktor (PBMR) zu investieren. Dies hat Barbara Hogan, Ministerin für Staatsunternehmen, am 16. September 2010 offiziell bekannt gegeben.

Die Regierung habe nach sorgfältiger Beratung, Analyse und Prüfung den Entscheid getroffen, das PBMR-Projekt nicht länger zu unterstützen, erklärte Hogan der Nationalversammlung. «Deshalb wird die Belegschaft der PBMR Ltd. drastisch verkleinert bis auf eine Handvoll Personen, die schwergewichtig das geistige Eigentum, gewisses Fachwissen und die Vermögenswerte zu bewahren haben.»

Laut Hogan haben verschiedene Gründe zu diesem Entscheid geführt:

  • Der PBMR Ltd. sei es nicht gelungen, in genügendem Umfang und binnen der vereinbarten Frist langfristige Drittinvestoren zu interessieren.
  • Weitere Investitionen in der Höhe von weit über ZAR 30 Mrd. (CHF 4,2 Mrd.) seien zu erwarten.
  • Der Baubeginn der ersten Demonstrationsanlage sei immer wieder verschoben worden.
  • Die Möglichkeit, im amerikanischen Forschungsprogramm Next Generation Nuclear Plant (NGNP) mitzuarbeiten, sei im Mai 2010 verloren gegangen, als die japanische Partnerin der PBMR Ltd. – die Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI) – sich vom Programm zurückgezogen habe.
  • Sollte Südafrika in naher Zukunft neue Kernkraftwerke bauen, so würden Typen der Generation II und III berücksichtigt und nicht die PBMR-Technologie, die noch in der Entwicklungsphase stehe.
  • Die Schwere der finanziellen Krise habe die Regierung gezwungen, ihre Ausgabenpolitik zu überdenken und neue Schwerpunkte zu setzen.

Investitionen von 13 Milliarden Franken erbracht

Laut Hogan sind in den letzten zehn Jahren insgesamt ZAR 9,244 Mrd. (CHF 13 Mrd.) ins PBMR-Projekt investiert worden, wovon rund 80% von der Regierung stammte. Das südafrikanische Elektrizitätsunternehmen Eskom übernahm knapp 9%, die Westinghouse und die Industrial Development Corporation je knapp 5% und die Exelon gut 1%.

Erhaltung der nuklearen Ausbildung

Die universitäre Ausbildung in der Kerntechnik werde weiterhin beibehalten und unterstützt, erklärte Hogan. Das Fuel Development Laboratory und die Helium Test Facility würden jedoch eingemottet. Die Heat Transfer Test Facility an der Northwest University werde ebenfalls eingemottet, es sei denn, die Universität wolle sie weiterhin nutzen, so Hogan weiter.

Hogan betonte, die PBMR-Technologie sei in keiner Weise in Frage gestellt. «Sowohl die USA als auch China sind in der Weiterentwicklung dieser Technologie engagiert.» Sie wies zudem darauf hin, dass Südafrika als Vorreiter des PBMR anerkannt sei. Dies sei eine bemerkenswerte Leistung für ein Entwicklungsland, auf die man berechtigterweise stolz sein könne, fügte sie bei.

Quelle: 
M.A. nach Ministry of Public Enterprises, Medienmitteilung, 16. September 2010