Australien produziert neues Radioisotop

Die Australian Nuclear Science and Technology Organisation (Ansto) hat zum ersten Mal das Radioisotop Scandium-47 hergestellt. Das Nuklid hat das Potenzial, sowohl zur medizinischen Therapie wie auch zur Diagnostik eingesetzt werden zu können.

25. März 2020

Die Ansto teilte am 17. März 2020 mit, dass das Team für die Entwicklung von Radioisotopen im Forschungsreaktor Opal erstmals Scandium-47 hergestellt habe. Das Radioisotop hat gute Aussichten, als sogenanntes Theranostikum angewendet zu werden. Der Begriff Theranostik beschreibt den Einsatz von chemisch ähnlichen radioaktiven Substanzen, bei der eine für die Therapie und die andere für die Diagnostik verwendet wird.

Üblicherweise werden heute beim theranostischen Ansatz die chemisch ähnlichen Radioisotope Gallium-68 und Lutetium-177 eingesetzt, so die Ansto. Scandium-47 hat ähnliche Eigenschaften wie Lutetium-177, weist aber einige bemerkenswerte Vorteile auf. Der Radiochemiker und Ansto-Mitarbeiter Paul Pellegrini führte aus: «Scandium-47 ist ein Beta-Emitter, der für eine gezielte Krebstherapie nützlich ist. Im Vergleich zu Lutetium-177 hat Scandium jedoch das Potenzial zu einem echten Theranostikum.» Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Zerfallsemissionen von Scandium-47 sowohl für eine gezielte Krebstherapie als auch für eine qualitativ hochwertigere Bildgebung geeignet sind. Darüber hinaus liessen sich in einem Zyklotron die Isotope Scandium-43 und Scandium-44 herstellen, die ebenfalls in der medizinischen Bildgebung eingesetzt werden können.

Leena Hogan, Radiochemikerin und Entwicklungsteammitglied, erklärte weiter: «Gallium und Lutetium sind zwar ähnlich, aber wir können aufgrund ihrer chemischen Unterschiede kein gleichwertiges Verhalten im Körper garantieren. Die Verwendung von Radiopharmazeutika auf Basis von Scandium sowohl für die Diagnose wie auch für die Therapie würde dieses Ziel erreichen. Egal, ob es sich um Scandium-44 für die Bildgebung oder Scandium-47 für die Therapie handelt – die Wirkstoffe sind chemisch identisch. Dies ermöglicht es den medizinischen Fachleuten, die Strahlendosis eines Patienten besser abzuschätzen und die Dosierung des Radiotherapeutikums sicher zu maximieren».

Für die Produktion des neuen Radioisotops haben die Ansto-Mitarbeiter im Mehrzweckreaktor Opal ein Kalziumkarbonat-Target bestrahlt. Dabei entstand Kalzium-47, das mit einer Halbwertzeit von viereinhalb Tagen zu Scandium-47 zerfällt. Das gewünschte Ausgangsprodukt wurde anschliessend über einen chemischen Trennprozess isoliert. Das Team fokussiert sich nun auf den Ausbau der Produktion von Scandium-47. Es will zudem Methoden zur Produktion anderer therapeutischen Radioisotope entwickeln.

Quelle

M.B. nach Ansto, Medienmitteilung, 17. März 2020

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