Belgien bereitet Betriebsverlängerung für Doel-4 und Tihange-3 vor

Belgien hat mit dem französischen Energieversorger Engie eine erste Vereinbarung getroffen, die Nutzung der Kernenergie um 10 Jahre zu verlängern. Eine endgültige Regelung soll bis Jahresende getroffen werden.

25. Juli 2022
Energieministerin Tinne Van der Straeten, Premierminister Alexander De Croo
Belgiens Energieministerin Tinne Van der Straeten und Premierminister Alexander de Croo erläuterten an einer Medienkonferen die Pläne für den Weiterbetrieb von zwei Kernkraftwerkseinheiten.
Quelle: YouTube / Alexander De Croo

Die Engie-Tochter Electrabel und die belgische Regierung gaben bekannt, dass sie eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet haben, damit die beiden Kernkraftwerke Doel-4 und Tihange-3 bis 2035 in Betrieb bleiben.

«Diese Vereinbarung ist ein erster entscheidender Schritt und ein wichtiger Vertrauensbeweis zwischen beiden Parteien», schrieb der belgische Premierminister Alexander De Croo auf Twitter. Beabsichtigt sei eine endgültige Einigung bis Ende dieses Jahres, damit das Land in «turbulenten geopolitischen Zeiten» über ausreichend Strom verfüge. Die Regierung wolle, dass das Land «eine gewisse Kontrolle über seine eigene Energieversorgung zurückerlange».

Der Schritt ist eine Folge der russischen Invasion in der Ukraine, die die Regierung zwang, ihre Pläne zu überdenken, sich stärker auf Erdgas zu verlassen. Belgien importiert 100% seines Erdgases, wobei etwa 43% im Jahr 2021 vom Hauptlieferanten Norwegen stammten. Etwa 6,5% wurden aus Russland importiert.

Zuverlässige Energieversorgung ist Frage der nationalen Sicherheit
Energieministerin Tinne Van der Straeten sagte auf einer Pressekonferenz, dass Belgiens Entscheidung, an der Kernkraft festzuhalten, Teil der Bemühungen sei, die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe zu vermeiden, da sich Russland als unzuverlässiger Gaslieferant erweise. «Seitdem ist klarer geworden, wie sehr die Energieversorgung eine Frage der nationalen Sicherheit ist», sagte sie.

Die Regelung zwischen der belgischen Regierung und Engie Electrabel würde die Gründung eines 50:50-Joint Ventures zur Verwaltung der Kernkraftwerkseinheiten und die Begrenzung der zukünftigen Verbindlichkeiten und Kosten für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen und ausgedienten Brennelementen umfassen.

Ursprünglich sollten in Belgien bis 2025 alle sieben Kernreaktoren abgeschaltet werden. Im März bestätigte die Regierung, dass sie den geplanten Atomausstieg verschieben werde, und verwies auf «ein chaotisches geopolitisches Umfeld» nach der Ukraine-Invasion. Die Laufzeit der beiden Reaktoren Doel-4 und Tihange-3 soll deshalb um 10 Jahre verlängert werden.

Quelle

S.D. nach NucNet, 25. Juli 2022

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