Belgien stoppt Rückbau von Kernkraftwerken und verhandelt über staatliche Übernahme

Belgien hat den Rückbau seiner Kernkraftwerke vorläufig gestoppt und gleichzeitig Verhandlungen mit dem Energiekonzern Engie über eine staatliche Übernahme der Anlagen aufgenommen. Grundlage ist eine gemeinsame Erklärung der belgischen Regierung und von Engie, in der beide Seiten exklusive Gespräche über die Zukunft der nuklearen Aktivitäten in Belgien ankündigen.

30. Apr. 2026
Ansicht des Kernkraftwerks Tihange
Das Kernkraftwerk Tihange befindet sich in der Stadt Huy, etwa 25 Kilometer südwestlich von Lüttich. Von den drei Blöcken ist derzeit nur noch einer in Betrieb.
Quelle: Engie-Electrabel

In der gemeinsamen Erklärung wird festgehalten, dass die geplante Transaktion den gesamten nuklearen Bereich umfasst, der derzeit von Engie, dessen Tochter Electrabel sowie verbundenen Unternehmen betrieben wird. Dazu zählen die komplette belgische Reaktorflotte mit sieben Anlagen, das zugehörige Personal, sämtliche nuklearen Tochtergesellschaften sowie alle damit verbundenen Vermögenswerte und Verpflichtungen – einschliesslich Rückbau- und Entsorgungsverpflichtungen. «In der Zwischenzeit werden alle Stilllegungs- und Rückbauarbeiten mit sofortiger Wirkung ausgesetzt», heisst es in der Erklärung.

Aktuell ist in Belgien an beiden Kernkraftwerksstandorten noch je ein Reaktor am Netz: Doel-4 und Tihange-3. Ursprünglich war vorgesehen, beide Anlagen bereits im vergangenen Jahr stillzulegen, im Zuge der Energiekrise 2022 wurde ihre Laufzeit jedoch bis 2035 verlängert. Darüber hinaus existieren fünf bereits abgeschaltete Reaktoren – drei in Doel und zwei in Tihange.

Die Initiative steht im Zusammenhang mit der strategischen Entscheidung der belgischen Regierung, die nuklearen Anlagen des Landes stärker unter staatliche Kontrolle zu bringen. Ziel ist es unter anderem, den Betrieb bestehender Reaktoren zu verlängern und Perspektiven für neue nukleare Kapazitäten zu schaffen. Gleichzeitig sollen Versorgungssicherheit, Klimaziele sowie wirtschaftliche und industrielle Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Premierminister Bart De Wever verwies in einem Beitrag auf X auf die Bedeutung der laufenden Gespräche für die Energieversorgung des Landes. Weitere Details sollen im Verlauf der Verhandlungen geklärt werden.

Quelle

S.D. nach belgische Regierung und ENGIE, gemeine Medienmitteilung, 30. April 2026

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